DETAILS

Interpret:
Magicrays

Titel:
Wir machen großartigen Käse

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 30.10.2007

INTERVIEWS

Magicrays - Wir machen großartigen Käse

Magicrays - Wir machen großartigen Käse

Bekanntestes Aushängeschild der Schweiz in Sachen Popkultur ist unbestritten DJ Bobo. Der Pirate of Dance versorgt Trasheuropa seit vielen Jahren zuverlässig mit kostümiertem Popfirlefanz. Um diese zweifelhafte Ehre in die richtige Perspektive zu rücken, darf man ergänzen, dass auch die 80er Synthie-Popper von Yello dem überschaubaren Alpenstaat entstammen, sich ansonsten aber eher ein nebulöses Fragezeichen über dem Kopf manifestiert, denkt man an das Land mit der Kreuzfahne. Ob Magicrays deswegen mit missionarischem Eifer aufbrechen, ihre Musik auch nach Resteuropa zu exportieren, mag dahingestellt sein, zu einer Deutschlandtour reichte es in jedem Fall. Im Vorfeld beantwortete Gittarist, Keyboarder und Gentlemen Records Labelchef Christian „Fig“ Fighera einige Fragen.

Crazewire: Versteht mich nicht falsch, aber die Schweiz ist nicht gerade berühmt für ihren musikalischen Output. Dennoch gibt es besonders im Umfeld deines Labels Gentlemen Records eine sehr lebendige Indie-Szene. Wie sieht die Musiklandschaft der Schweiz gegenwärtig aus?

Fig: Du hast sicher recht mit deiner Einschätzung, aber dafür machen wir großartigen Käse! Kennst du Gruyère? Es gibt eine Band, die wir gerne mit dieser Sorte vergleichen, To The Vanishing Point. Sie sind auf einem Label namens Saïko, das aus dieser Käseregion stammt. Oder kennst du Raclette? Houston Swing Engine ist eine tolle Band aus Valis, der Gegend wo das Raclette herkommt. Aber Schluss mit den Witzen. Die Schweiz ist ein sehr kleines Land, das mag der Grund sein, warum wir weniger gute Bands haben als andere. Da das Land so klein ist, müssen die Bands ihre Musik exportieren und dafür müssen sie gut genug sein.

Crazewire: Ihr habt bereits zweimal eure Heimat für Aufnahmesessions verlassen. Das Album “On The Shoreline” wurde in der amerikanischen Wüste eingespielt, die neue Platte in Bristol (UK). Bitte erzähl uns, wie es dazu kam.

Fig: Es hat eigentlich mehr mit der Wahl eines Produzenten als der Entscheidung für einen speziellen Ort zu tun. Nachdem wir zwei selbst produzierte Alben aufgenommen hatten, wollten wir einen Produzenten, der uns Rat gibt. Wir fragten John Parish ob er interessiert sei, uns zu produzieren, da wir seine Arbeiten mit P.J. Harvey, Eels und Sparklehorse sehr schätzen. Da er damals gerade etwas Zeit in Tucson, Arizona verbrachte, schlug er vor, dass wir einfach zu ihm kommen und „On the shoreline” dort aufnehmen sollten. Anschließend blieben wir mit ihm in Kontakt und er sagte, er sei interessiert noch ein weiteres Mal mit uns zu arbeiten. Also fuhren wir nach Bristol, wo er lebt und gemeinsam mit einigen anderen Leuten ein Studio betreibt, um “Off the map” einzuspielen.

Crazewire: Haben diese Orte einen bestimmten Eindruck in eurer Musik hinterlassen?

Fig: Ja und Nein. Die Aufnahmen in Tucson haben die Lieder beeinflusst, welche wir in Bristol komponiert und aufgenommen haben. Ganz sicher wird Bristol seine Spuren auf dem nächsten Album hinterlassen.

Crazewire: „Off The Map“ scheint eine amerikanische Rocktradition mit Aspekten britischer Popmusik zu verbinden. Kannst du einige Künstler nennen, die eure Musik beeinflussen?

Fig:Alle Magicrays-Mitglieder hören sehr viel Musik, von der das meiste tatsächlich aus den USA und UK kommt. Wir mögen es aber nicht, die Künstler zu benennen, welche uns beeinflussen. Es sind eben fünf Bandmitglieder, die seit 15 Jahren Indie hören. Alle Namen aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Interviews hier sprengen.

Crazewire: Obwohl ihr aus dem französischen Teil der Schweiz stammt, singt ihr in Englisch. Warum habt ihr euch für eine „Fremdsprache“ für eure Texte entschieden?

Fig: Flamenco wird auf Spanisch gemacht, Schlager in Deutsch und Rock’n’Roll in Englisch.

Crazewire: Der Klang eures aktuellen Albums „Off The Map“ ist sehr warm und voll, die Songs wirken sehr sorgfältig arrangiert. Habt ihr viel Zeit im Studio verbracht?

Fig: Es hat uns Zeit gekostet, den Liedern Gestalt zu geben, aber der Aufnahmeprozess ging sehr schnell. Die Stücke wurden in knapp zehn Tagen inklusive Overdubs eingespielt.

Crazewire: Im Augenblick seid ihr in Deutschland auf Tour. Wie sind die ersten Eindrücke bislang und was erwartet ihr vom deutschen Publikum?

Fig: Wir haben bisher erst eine Show in Frankfurt gespielt, das war wirklich sehr cool. Es ist für uns die erste Deutschlandtour als Headliner. Wir erwarten ein gutes Publikum, viel Spaß, dass wir Leute treffen, die mögen was wir tun und dass wir mit tollen Bands zusammenspielen.

Crazewire: Vielen Dank für das Interview.

Fig: Gern geschehen.


 

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