Interpret:
Love A
Titel:
Sie sind individuell, das machen sie gut!
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 05.10.2011
Die Love Academy ist tot, es lebe Love A. Die Band aus Trier veröffentlicht mit „Eigentlich“ ihr Debütalbum auf Rookie Records. Womit sich eine Band so alles rumschlagen muss, wenn es etwas professioneller sein darf, überrascht auch gestandene Punkrocker. Crazewire sprach mit Sänger Jörkk, Karl und Dominik.
Crazewire: Wer euren Werdegang etwas länger mitverfolgt, wird festgestellt haben, dass euch ein Teil des Bandnamens abhandengekommen ist. Erklärt doch mal warum?
Jörkk: Ein gewisser Professor Doktor, dessen Name an dieser Stelle aber ungenannt bleiben soll, hat sich vor einiger Zeit den Namen "Love Academy" sichern lassen - respektive die Markenrechte. Da es seinen gleichnamigen Beziehungsratgeber auch als Hörbuch gibt/geben wird, war schnell klar, dass das rechtlichen Ärger geben würde, wenn wir einen Tonträger unter gleichem Namen herausbringen, ohne uns vorher mit dem Rechteinhaber einig zu sein. Kurz: Aufgrund der Preisvorstellungen des werten Herrn Professor Doktor für die Nutzung des Namens haben wir den unseren dann kurzerhand verstümmelt. Das war günstiger - und um das "A" kann man jetzt prima Edding-Kreise malen. Woohoo!
Dominik: Man darf das Wegfallen von CADEMY außerdem nicht als Verstümmelung betrachten. Das A in Love A bietet nun Assoziationsspielräume, die über das Akademische hinaus gehen. Neben dem mit Edding umkreisten Anarchie "A", könnte das "A" nun ja auch für Allergie, Acapulco oder Anonymous stehen. Das dient ganz einfach dem Wunsch, neue Zielgruppen anzusprechen. Darüber hinaus umgibt es die Band mit einer partiell geheimnisvollen Aura, da ja niemand wirklich weiß, wofür Love A steht - nichtmal wir.
Crazewire: Nach Eurer von Presse und Publikum ziemlich wohlwollend aufgenommenen ersten 7-Inch gibt es jetzt mit „Eigentlich“ das erste Album. Was kann man musikalisch und textlich erwarten?
Karl: „Eigentlich" ist eigentlich die konsequente Fortführung der 7-Inch, nur mit noch mehr von allem. Mehr Gitarre, Bass, Schlagzeug, Synthesizer und natürlich Gesang. Textlich gibts auch mehr. Aber dazu kann Jörkk noch mehr sagen.
Jörkk: Außerdem ist unser Artwork der absolute Hammer und vermittelt arglosen Käufern, dass sie mit dieser Platte an der Tür zu dem gewissen Etwas kratzen... In einer oberflächlichen Welt wie der unseren sollte man also meinen: Läuft.
Crazewire: „Eigentlich“ ist ja eher ein ungewöhnlicher Titel. Was will uns der Künstler denn damit sagen?
Karl: Eigentlich solltest du dir selbst Gedanken machen.
Jörkk: Eigentlich nichts. Und eigentlich auch wieder alles... „Eigentlich", das ist so ein gern genommenes Füllwort bei rhetorisch eher schwachen Vertretern unserer Spezies, beispielsweise Nachwuchs-Fussballern - und eigentlich steht „eigentlich" stets für eine gewisse Unsicherheit. „Eigentlich ja" kann unter bestimmten Vorzeichen auch einfach „nein" bedeuten. Die Dualität der Dinge ist also einmal mehr allgegenwärtig. Eigentlich eine schöne Erkenntnis.
Dominik: Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass wir auf unserer Facebookseite dazu aufgerufen hatten, uns einen passenden Albumstitel vorzuschlagen. Die Resonanz war jedoch sowohl qualitativ als auch quantitativ recht dürftig, was bewirkte, dass wir uns selbst einen Titel ausdenken mussten. Nach längerem Diskurs innerhalb der Band war „Eigentlich" der Vorschlag, der uns am besten erschien und Konkurrenztitel wie „Flitterwochen in Duisburg" überflügelte.
Crazewire: Jörkk, an wen ist eigentlich ein Song wie „Individuell“ gerichtet?
Jörkk: An uns natürlich! An unsere Generation, an unsere Freunde und, ja: vor allem an uns selbst. Tätowiert, stets dagegen, auf Droge, Hip und stylisch, interessiert, aber das Versauern und Verspießern in der Reihenhaushälfte deiner Wahl immer fest vor Augen. Naja. Eigentlich ist es mehr ein Text, der daran erinnern soll, dass man nicht aufhören muss, einer von den Guten zu sein, nur weil man aufhört, jung zu sein. Kennst du „Only A Phase" von den Spermbirds? Lies dir den Text mal durch.
Crazewire: Wie kommt man eigentlich mit Jörkks geistigen Ergüssen a la „Fahrradschloss aufgesperrt, Susi Neumann abgecheckt, Bademeister – Mittelfinger, Hose runter Freibad.“ klar. Lasst Ihr ihm freie Hand, oder wird da auch schon mal über den Kopf gestreichelt und gesagt „Nee, das ist jetzt zu dämlich“?
Karl: Das geht ja noch. Wenn du wüsstest, was wir ihm alles ausgeredet haben.
Dominik: Tendenziell lassen wir Jörkk da freie Hand. Er lässt uns im Gegenzug in den instrumentalen Dimensionen der Songs frei gewähren. Allerdings kam es vereinzelt vor, dass wir beziehungsweise einer von uns sagen musste, dass es nun zu pathetisch oder beknackt wird und er doch bitte was Anderes singen soll. Das war aber bisher nur ein- oder zweimal so und bezog sich auch nur auf einzelne Wörter.
Umgekehrt hat er uns aber auch schon mal reingequatscht: „Ich hab zwar keine Ahnung, aber den Teil find ich richtig doof." Das nennt man dann wohl ausgleichende Gerechtigkeit oder Egalität innerhalb unserer Gruppe.
Crazewire: Ihr seid jetzt auf Rookie Records gelandet. Zwar stilsicher, aber doch ein Stück weit Business. Habt Ihr Angst, an Euch gestellte Erwartungen nicht zu erfüllen? Habt Ihr oder Rookie überhaupt eine Erwartungshaltung?
Jörkk: Sagen wir es einmal so: Ich weiß Dinge von unserem Labelboss Jürgen, die ihm keine allzu große Wahl ließen. Würde ein renommiertes Label wie Rookie Records denn ansonsten eine gänzlich unbekannte Kapelle wie Love A signen? Im Ernst: Jürgen war unsere erste Wahl - und zum Glück hat das auch funktioniert und er ließ sich breitschlagen. Wir wissen eben auch, dass er ein alter Hase in seinem Metier ist und man kann sich jederzeit vertrauensvoll an ihn wenden. Er vertritt und fördert seine Bands wo er kann, hilft bei allen offenen Fragen - das hört man oft, ich weiß, aber so ist es. Man fühlt sich gut aufgehoben und ist es auch. Kein anonymer Businesspartner, nein: man kennt und schätzt sich gegenseitig (und das schon länger), man weiß, dass der andere es ernst meint und einen guten Job macht. Ich denke mal, ich kann das hier guten Gewissens für/von Band und Label sprechen. Jürgen ist Familie, Rookie ist Familie (unter anderem mit Pascow, Steakknife und Alias Caylon, alles zum großen Teil gute Freunde) und wir wollten Teil der Familie sein. Die Anmeldung einer GbR und die Anmeldung bei der GEMA sind zwar auf den ersten Blick (und auf den zweiten wohl auch) sehr unpunkige Schritte, aber man muss sie wohl oder übel tun, um in allen Bereichen professionell mit einem Label wie Rookie arbeiten zu können, an dem nicht nur (wenngleich ungleich viel) Herzblut, sondern auch eine Existenz hängt. Und mal ganz ehrlich - auch wenn vieles dessen, was du als „Businessmässig" bezeichnest schon extrem nerven kann und auch Bandintern des öfteren mal einen „uncooool!" blökenden Chor entfesselt: Es ist schon in vielerlei Hinsicht auch sehr spannend dabei zu sein, wenn „das große Rad" sich dreht. Mit Promo, Radioairplay, usw. - Sendung mit der Maus für einst Engstirnige, die den Terminus D.I.Y. an eine allzu kurze Kette legen, quasi. Und „Ich hab den Punk verraten!" singen wir jedenfalls immer noch ohne größere Gewissensbisse mit, wenn wir mal wieder irgendwo für ein paar Euro und Freibier mit unseren Freunden von Koeter die Bühne teilen.
Crazewire: Wie sieht der Plan für den Rest des Jahres aus?
Jörkk: Schlafen, einladen, Bus fahren, spielen, trinken, schlafen, einladen, Bus fahren, spielen, trinken...
Video: „Hölle"