DETAILS

Interpret:
Lawn

Titel:
Ein Silberstreifen am Horizont

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Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 22.06.2009

INTERVIEWS

Lawn - Ein Silberstreifen am Horizont

Lawn - Ein Silberstreifen am Horizont

Die Niederlande haben sicherlich nicht die coolste Musikszene Europas. Dass man sich aber trotzdem mit den wenigen Bands beschäftigen sollte, die es über die Landesgrenzen hinaus schaffen, beweisen die Indie-Rocker von Lawn. Crazewire sprach mit Sänger Titus über die Zusammenarbeit mit Sophia, die holländische Musikszene und laut aufgedrehte Gitarren.

Crazewire: Ich glaube vielen unserer Leser dürfte der Name Lawn noch recht unbekannt sein. Stellt Euch doch mal kurz vor.

Titus: Okay. Lawn gibt es schon seit einigen Jahren. Gestartet haben wir die Band, wie so viele Andere da draußen auch. Freunde, die jeden Sonntagnachmittag zu Hause im Proberaum abhingen und ein paar Bier tranken, während sie ein paar Songs miteinander probten. Irgendwann wurde das Alles etwas ernster und wir haben unser Debütalbum „Lawn-dro-mat“ aufgenommen. Danach gab es eine Reihe von Besetzungswechseln. Nur mein Bruder und ich sind konstant in der Band geblieben. Unser zweites Album „Backspace“ haben wir dann vor einigen Jahren auf Supermodem Records veröffentlicht. Während dieser Zeit änderte sich unser Stil von schweren düsteren Sounds in Richtung Indie-Rock. Auf unserem neuen Album „Silver“ haben wir dann das Augenmerk mehr auf die Atmosphäre gelegt, womit wir ziemlich glücklich sind. Jetzt sind wir bereit die Bühnen und Festivals in Deutschland zu rocken.

Crazewire: Du hast eben angedeutet, dass ihr in der Vergangenheit eine Art Stoner-Rock gespielt habt. Das neue Album klingt eher wie ein melancholisches Pop-Album. War der Weg hin zu diesem Sound eine bewusste Entscheidung?

Titus: Ja und nein. Ich weiß, dass ist jetzt eine relativ unbefriedigende Antwort, aber es stimmt. Wir haben eigentlich nie darüber nachgedacht, dass wir Stoner-Rock machen. Ich glaube, es war der heavy Sound selbst, der unser Image ausmachte. Wir haben einfache Pop/ Rock-Songs gespielt, dabei aber die Verstärker bis zum Anschlag aufgerissen. Zu dieser Zeit waren wir extrem von den frühen Smashing Pumpkins beeinflusst. Irgendwann wurden die Songs dynamischer und die Gitarren-Parts wichtiger. Da haben wir dann festgestellt, dass Lieder nicht mehr funktionieren, wenn wir die Regler bis zur Schmerzgrenze hochziehen. Beim neuen Album haben wir dann entschieden, dass das neue Material den Sound diktieren soll und nicht umgekehrt. Das ist auch der Grund, warum das Album soviel kompakter und transparenter klingt, als die beiden Vorgängeralben.

Crazewire: Euer neues Album „Silver“ wurde von Phil Vinall (Placebo, Snow Patrol) gemischt. Wie wichtig war sein Beitrag an dem Album?

Titus: Sein Job war es auf der Couch zu sitzen und Geld von uns einzusacken (lacht). Aber nein, im Ernst, sein Beitrag war sehr wichtig für uns. Wir haben ihm die Freiheit gegeben unsere Songs so effektiv aufzunehmen wie es eben möglich war. Wir haben ihm einige unserer Songs gegeben und ihm gesagt, dass er die besten Parts nutzen und die schlechteren einfach wegwerfen soll. Das waren zum Teil heftige Diskussionen, die wir miteinander geführt haben. Aber im Endeffekt funktionierte das unerwartet gut. Die Tatsache, dass Phil mit Placebo und Deus zusammengearbeitet hat, spielte da eher eine untergeordnete Rolle. Dass er aber mit so vielen großen und kleinen Bands zusammengearbeitet hat, war für uns der Grund dafür, dass wir ihm 100% vertraut haben.

Crazewire: Ihr habt Euer neues Album „Silver“ genannt. Was bedeutet der Titel für Euch?

Titus: Einer unserer Songs heißt „Silver Lining“. Darin heißt es an einer Stelle „Every Cloud Has A Silver Lining“. Das haben wir dann zu „Silver“ eingekürzt, da wir den Albumtitel einfach halten wollten. Außerdem passt es ganz gut zum Artwork der Platte, das einen speziellen Silberdruck hat. Ansonsten hat es keine tiefere Bedeutung. Ich finde es eher langweilig, wenn alles was man als Künstler sagt oder schreibt erklärt wird.

Crazewire: Eure Bandbiografie vergleicht Euch mit Bands wie Placebo oder Sophia. Würdet Ihr sagen, dass diese beiden Bands Euch als Künstler und Menschen beeinflusst haben?

Titus: Placebo? Nicht wirklich. Sophia? Manchmal. Aber ich bin ein großer Fan von God Machine der ehemaligen Band von Robin Proper-Sheppard (Sophia, Anm. d. Red.). Sie ist der Grund für mich gewesen Musik zu machen. Ich war schon damals fasziniert davon, wie viel Energie und Intensität in solch unfassbar emotionalen Songs verpackt sein können. Unsere Einflüsse sind hingegen sehr unterschiedlich. Das geht von Bon Iver über The Silversun Pickups bis hin zu Jeniferever. In Deutschland habt Ihr The Notwist, auch eine tolle Band.

Crazewire: Lasst uns kurz über die Niederlande sprechen. Gibt es dort eine Musikszene die groß genug ist, um Euch als Band die Arbeit und das Leben zu erleichtern. Müsst Ihr neben Lawn auch noch arbeiten gehen?

Titus: Die Musikszene hier ist okay. Auf der einen Seite gibt es hier genügend Plätze um Shows zu spielen, auf der anderen ist es aber unglaublich schwer als Band zu überleben, wenn Du nicht „Mainstream“ genug bist. In unserem Fall reicht die Fan-Base nicht aus, um mit Lawn unsere Mieten zu bezahlen. Und so haben wir alle noch unsere normalen Jobs. Zum Teil in der Musikindustrie, was alles ein bisschen einfacher macht. Vor allem muss man dort den Arbeitgeber nicht von der Wichtigkeit des „Auf-Tour-Gehen“ erklären.

Crazewire: Ihr habt während des Songwriting-Prozesses mit Robin Proper-Sheppard von Sophia zusammengearbeitet. Erzähl uns doch bitte ein bisschen über diese Kollaboration.

Titus: Ich kenne Robin noch aus der Zeit des ersten Sophia Albums. Mein Bruder und ich haben damals ein Interview für ein kleines Magazin mit ihm gemacht. Außerdem haben wir seine erste Internetseite gebaut. So sind wir über all die Jahre in Kontakt geblieben. Als wir „Backspace“ veröffentlichten spielten wir einige Support-Shows für ihn, was ziemlich cool war. Wir haben über den Songwriting-Prozess gesprochen und gemeinsam unsere ersten Demos für „Silver“ angehört. Es war also keine geplante Zusammenarbeit, sondern eher ein Zusammensitzen von Freunden, die über Musik sprechen. Ich glaube eine komplette Vorproduktion hätte für uns beide viel zu viel Zeit in Anspruch genommen. Aber ich würde sehr gerne mit ihm in Zukunft mal zusammenarbeiten. Die letzten Sophia-Platten klangen alle unglaublich.

Crazewire: Lass uns über die Zukunft sprechen. Kommt Ihr für ein paar Livekonzerte nach Deutschland? Und wenn ja, was erwartet Ihr von diesen Konzerten?

Titus: Im Juni waren wir für ein paar Warm-up-Gigs in Deutschland. Hauptsächlich waren das Support-Shows, um so langsam wieder in den Tourtrott hineinzukommen. Unter anderem haben wir in Hamburg und München mit Mintzkov und Wintersleep zusammen gespielt. Später auch mit den Silversun Pickups. Im Herbst kommen wir dann für weitere Konzerte zurück nach Deutschland. Diesmal auch in kleinere Städte und kleinere Venues. Wir sind schon sehr gespannt wie es diesmal wird. Denn jedes Mal, wenn wir bis jetzt in Deutschland gespielt haben, war es toll. Sowohl das Publikum als auch die Clubs. Was das Publikum erwartet? Schwierige Frage. Aber wir sind live sicherlich intensiver und emotionaler als auf Platte, so dass ich glaube, dass viele Besucher unsere Musik ein bisschen besser verstehen werden, wenn sie uns live gesehen haben. Um den Fans in Deutschland etwas näher zu sein, haben wir eine spezielle Homepage auf deutsch für die Tour gebastelt …

Crazewire: Wir danken für das nette Gespräch.


 

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