Interpret:
Labelspezial
Titel:
Saddle Creek in Sachsen – Labelspezial mit Sweethome Records
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 22.03.2010
Was macht man als Musiker in einer strukturschwachen Gegend, um sich und seine Band einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen? Richtig, man gründet sein eigenes Plattenlabel. Sweethome Records hat genau das getan. Und trotz Wirtschaftskrise, Raubkopien und fehlender Unterstützung von Seiten der Presse feiert Sweethome Records im April 10-jähriges Bestehen. Zur Geburtstagsfeier sprachen wir mit Gründer Alexander Warnke über die Anfangstage, das Hier und Jetzt sowie die Zukunft.
Crazewire: Erzähl uns doch bitte zunächst ein bisschen über Sweethome Records. Wer seid Ihr und wann habt Ihr das Label gegründet?
Alexander: Wir haben das Label Anfang 2000 gegründet, um dem LoFi-Wohnzimmer-Projekt Trendset eine Plattform zu geben. Danach ist es zunächst etwas ruhiger um Sweethome Records geworden. Ab 2004 haben wir das Label aber zu einer festen Plattform für regionale und interessante Bands etablieren können. Seither haben wir 22 Alben irgendwo zwischen Indie, Americana und Pop veröffentlicht. Ein abwechslungsreicher wie gekonnter Querschnitt aus dem vielfältigen Fundus einer experimentellen, verspielten und stets direkt ins Herz treffenden Gemeinschaft an Künstlern, wie ich finde.
Momentan sind wir zu dritt. Sirko kümmert sich um unseren Internetauftritt sowie den Poordog-Shop. Außerdem ist er für die visuelle Gestaltung der Flyer etc. zuständig. Marc und ich machen die Promo für Label und Bands, das Booking und den Papierkram.
Crazewire: In welchen Stückzahlen produziert Ihr Eure Veröffentlichungen und wie vertreibt ihr sie? Wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr noch keinen Vertrieb für Eure CDs.
Alexander: Wir machen normaler Weise 1000 bis 2000 CDs. Die Verkäufe sind natürlich unterschiedlich. Aber mittlerweile sind wir auf dem Stand, dass gut verkaufte Releases die schlechter laufenden Veröffentlichungen ausgleichen. Wir arbeiten also kostendeckend, was für uns natürlich toll ist.
Was den Vertrieb angeht ist das Ganze natürlich etwas komplizierter. Wir haben einen eigenen Online-Vertrieb. Unter www.poor-dog.com, das ist eine Art Mailorder, kann man unsere Veröffentlichungen kaufen. Darüber hinaus vertreiben wir unsere Songs weltweit über Finetunes. Und für das kommende Calaveras Album (VÖ: 28. Mai 2010, Anm. des Redakteurs) konnten wir erstmals Broken Silence als Vertrieb für uns gewinnen.
Crazewire: Als kleines Indie-Label bekommt ihr die Krise der Musikbranche aus nächster Nähe zu spüren. Wie habt Ihr diese Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren erlebt?
Alexander: Bislang hatten wir damit kaum Probleme. Wir verkaufen unsere CDs ja auch hauptsächlich auf Konzerten und diese Verkäufe sind nach wie vor beständig. Außerdem haben wir die Krise in vielen Bereichen auch als Vorteil gesehen, zum Beispiel in den Bereichen Verbreitung im Web, Promo aber auch der Vorteil digital weltweit zu verkaufen.
Crazewire: Okay. Du sprachst gerade von Konzerten. Wie sieht es denn mit Auftrittsmöglichkeiten bei Euch aus. Bands hier im Rheinland haben ja unglaublich viele Möglichkeiten aufzutreten. Wie ist das bei Euch? Und habt ihr als alternative Subkultur Probleme mit Naziübergriffen? Erst Anfang März war wieder eine größere Demonstration der Rechten in Chemnitz.
Alexander: Ein professionelles Booking fehlt bisher noch. Und so ist das mit den Auftrittsmöglichkeiten immer etwas schwierig. Hier in Sachsen ist das für uns kein großes Problem. Überregionale Kontakte werden mit allen Mitgliedern ausgetauscht und so werden größere Touren organisiert. Das läuft mittlerweile sehr gut. Die Naziproblematik bereitet uns nur wenige Probleme, das war früher schlimmer.
Crazewire: Das heißt also, dass Politik im Label-Kontext keine Rolle spielt?
Alexander: Richtig. Wir machen Musik, keine Politik. Sicherlich haben wir alle als Label oder als Bandmitglieder unsere Meinung, diese steht aber ganz klar nicht im Vordergrund.
Crazewire: Ich war vor einigen Wochen zum zweiten Mal in Sachsen auf Tour und habe einige Sweethome Records Bands wie zum Beispiel Enny 75 kennen lernen dürfen. Ich habe die Musikszene bei euch als sehr klein, aber äußerst nett und aufgeschlossen in Erinnerung. Und auch eure Labelinfo spricht von Freundschaft als wichtigstem Bindeglied zwischen den einzelnen Musikern.
Alexander: Ja, Freundschaft ist absolut entscheidend für unsere Labelstruktur. Wir sind mit allen Bands eng befreundet. Es ist auch ein Kriterium für uns, wenn wir uns dazu entscheiden eine Band auf Sweethome Records zu veröffentlichen. Weiterhin ist es wichtig, dass die Musik gut ist und die Musiker authentisch sind.
Crazewire: Ihr werdet sicherlich Euren Geburtstag feiern. Habt Ihr schon konkrete Pläne?.
Alexander:Ja, wir feiern unser 10-jähriges Bestehen. Am 26. März 2010 schicken wir unsere Bands nach Chemnitz, am 27. nach Dresden und am 3. April geht es dann weiter nach Leipzig. Das wird sicherlich toll. Darüber hinaus veröffentlichen wir eine Sampler-Reihe mit B-Seiten und Liveaufnahmen unserer Bands, bzw. Projekten der einzelnen Musiker, die sich oftmals nur einmal zusammengefunden haben. Außerdem planen wir die Veröffentlichung von Suralin und Calaveras sowie einen Stand bei der PopUp in Leipzig, wo man uns gerne besuchen darf. Du siehst, es wird uns nicht langweilig.