DETAILS

Interpret:
Labelspezial

Titel:
15 Jahre Rookie Records

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Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 30.03.2011

INTERVIEWS

Labelspezial - 15 Jahre Rookie Records

Labelspezial - 15 Jahre Rookie Records

Rookie Records feiert 15. Geburtstag und alle feiern mit. Aus der Not geboren, hat es Labelgründer Jürgen Schattner geschafft, aus seiner kleinen Plattenfirma eine Punkrock-Institution zu machen, die Bands wie die Spermbirds oder aktuell Pascow veröffentlicht. Grund genug für uns mal nachzufragen, wie man als Label 15 Jahre überstehen kann und trotzdem noch Bock auf neue Musik zu hat.

Crazewire: Erzähl uns doch mal von den Anfangstagen von Rookie Records.

Jürgen Schattner: Das Label wurde 1996 eher aus der Not gegründet, da wir mit meiner damaligen Band „Attention!Rookies“ (daher auch der Name) kein Label fanden. Also haben wir die Sache einfach selbst in die Hand genommen.

Crazewire: Und wie sieht heute Dein Tagesablauf aus?

Jürgen Schattner: Ich gehe meist zwischen 9 und 10 Uhr ins Büro. Es gibt einen groben Tages-, Wochen- und Monatsplan, den ich stetig aktualisiere. Daraus ergibt sich dann die Arbeit, wie neue Releases vorbereiten, Platten verschicken, Promotionmaterial einpacken, Pressefeedback abfragen, Anzeigen basteln und so weiter. Feierabend ist meist um 18h oder kurz danach. Manchmal sitze ich auch am Wochenende am Rechner, aber das ist schon besser geworden.

Crazewire: Das heißt, Du machst alles alleine?

Jürgen Schattner: Korrekt! Tatsächlich ist Rookie Records fast eine One-Man-Show – mit ein bisschen Support von meiner Freundin Anne (Text, PR, Beratung; Anm. d. Verf.) und meinem Freund Horst (Grafik, Artwork; Anm. d. Verf.)

Crazewire: Wie wichtig sind denn die kommerziellen Gesichtspunkte, sprich entscheidest Du nur aus dem Bauch heraus, oder musst Du, um Deine Miete bezahlen zu können, auch mal Kompromisse eingehen?

Jürgen Schattner: Kompromisse muss ich natürlich immer eingehen, um von Rookie Records leben zu können. Das fängt ja schon beim „Anzeigen kaufen“ an. Ich nehme aber keine Band unter Vertrag, nur weil ich mir tolle Plattenverkäufe erwarte. Ich muss zu 100% hinter jedem Projekt stehen, sonst funktioniert das in vielerlei Hinsicht nicht. Das bin ich auch den Bands schuldig. Früher war das sicher mal anders, als ich auch Platten von Freunden veröffentlichte, ohne Gewinnerzielungsabsicht, sondern einfach so zum Spaß.

Crazewire: Wo wir gerade bei Kompromissen sind. Wie wichtig ist Dir der DIY-Gedanke und Deine Szenezugehörigkeit?

Jürgen Schattner: Die Szene ist natürlich ein weiter Begriff. Das was ich aus den 1980ern und 1990ern kenne, ist ja fast nicht mehr vorhanden. Die ganze JuZ-Szene im Schwabenland ist zum Beispiel so gut wie tot. Früher spielten da Lemonheads, No Means No oder Fugazi. Die meisten Veranstalter arbeiten heutzutage komplett anders, da sie von den Einahmen leben müssen und wollen.

Crazewire: Wie hat sich denn das Labelgeschäft in den vergangenen 15 Jahren verändert?

Jürgen Schattner: Seit 2005 habe ich mein Label stetig professionalisiert, habe eine Edition (Musikverlag; Anm. d. Verf.) gegründet, mache zusätzlich Promotion, buche für Spermbirds, Steakknife und ein paar wenige andere Labelbands Konzerte. Ich brauchte einfach ein zweites, drittes Standbein, um durchzukommen. Die Plattenverkäufe alleine reichen da nicht mehr aus.

Crazewire: Standardfrage MP3! Wie kritisch siehst Du diese Problematik. Gehen Deine Verkaufszahlen spürbar zurück oder siehst Du die Online-Vermarktung als Chance?

Jürgen Schattner: Mir fehlt natürlich eine belegbare Vergleichbarkeit. Ich denke, in meiner musikalischen Nische ist das Bewusstsein noch etwas anders. Ich bediene viele Vinylkäufer und viele ältere Fans/Käufer, die physische Tonträger im Schrank haben möchten. Doch vielen Kids ist wohl egal, welche Auswirkungen es hat, wenn keiner mehr für Musik bezahlen möchte. Alle meine Platten sind auch digital verfügbar und es gibt schon auch Menschen, die sich MP3 kaufen. Mein Ding wäre das nicht, aber gut, das soll jeder selbst entscheiden. Anbieten muss man das. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, also sollte man die Sache für seinen Vorteil nutzen, z.B. für Promotion/Marketing.

Crazewire: Wieso sollte ich als Punkrock-Band bei Rookie Records unterschreiben?

Jürgen Schattner: Habe ich mich für eine Band entschieden, hängt mein Herz dran. Ich gebe dann alles, damit die Band voran kommt. Die Kommunikationswege sind kurz, der Kontakt ist eng, alle Entscheidungen werden im Kollektiv getroffen.

Crazewire: Und wie trete ich als junge Band mit Dir in Kontakt, um Dich davon zu überzeugen, dass meine Band der neue heiße Scheiß ist?

Jürgen Schattner: Eine Email schreiben, mich zum Konzert (in Köln; Anm. d. Verf.) einladen, mich live überzeugen… auf gar keinen Fall ungefragt Demos schicken, die landen fast immer im Müll. Ich habe einfach keine Zeit, um jeder Band persönlich abzusagen, oder mir Metal-, Deutschrock- oder Bluesbands anzuhören. Da wird so viel Energie und Zeit verschwendet, weil sich die Bands vorher nicht mal 5 Minuten nehmen, um auf meiner Homepage zu schauen, was ich so veröffentliche.

Crazewire: 15 Jahre Rookie Records. Was war Dein größter Fehler und was Dein größter Erfolg?

Jürgen Schattner: Ich möchte das allgemeiner halten, wir wollen ja keine schmutzige Wäsche waschen, haha. Mit der Zeit lernt man auch im Umgang mit renommierteren Bands, dass Ehrlichkeit vieles positiv verändern kann. Da gab es schon die ein oder andere Enttäuschung, auch weil ich nicht konkret genug war. Finanzieller Misserfolg ist zwar bitter, aber macht mir weniger aus, wenn ich denke, dass wir alles gegeben haben. Ich kann die Menschen ja nicht zum Plattenkauf oder zum Konzertbesuch zwingen. Erfolg ist immer relativ, aber natürlich finde ich es toll, wenn die Spermbirds in Australien auf Tour gehen oder beim SXSW spielen, aber das hat eher ideellen Wert.

Crazewire: Was können wir denn in naher Zukunft von Dir erwarten?

Jürgen Schattner: Wir haben einige tolle neue Bands beziehungsweise Veröffentlichungen für den Herbst geplant. Ein neues Album von Sewer Rats, die Aeronauten legen zu ihrem 20-jährigen Jubiläum nach, Skydrunk nehmen neue Songs auf. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Crazewire: Eine Standard-Frage zum Ende: Wenn Du irgend eine Band unter Vertrag nehmen dürftest welche würde das sein?

Jürgen Schattner: Rocket From The Crypt oder jedes Projekt, bei dem Speedo dabei ist/war, also z.B. auch Hot Snakes, Night Marchers oder Sultans.

Crazewire: Am 02.04.2011 feiert Ihr eine große Geburtstagsparty im Gebäude 9 in Köln. Was dürfen wir denn erwarten?

Jürgen Schattner: Ein großes Klassen-/Familientreffen mit vielen meiner alten Freunde und Wegbegleiter, das durch drei großartige Bands (Spermbirds, Pascow, Genepool; Anm. d. Verf.) den würdigen musikalischen Rahmen bekommt.


 

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