Interpret:
Killed By 9V Batteries
Titel:
Austrians gone wild
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 28.09.2011
Wenn man sie genau sucht, findet man auch heute noch einige Bands, die das kleine Wörtchen „Indie" nicht nur als Verkaufsargument benutzen. Es gibt sie überall. Sogar in Österreich. Killed By 9V Batteries sind so ein Fall und behaupten seit Jahren ihre kreative Unabhängigkeit. Anläßlich der Veröffentlichung ihres starken neuen Albums „The Crux" sprach Crazewiremit Sänger Wolfgang Moestl über den Aufnahmeprozess, D.I.Y. und Filme.
Crazewire: „The Crux" ist euer dritter Longplayer. Bitte erzähle kurz etwas zum Entstehungsprozess.
Wolfgang Moestl: Die Songs sind in einem Zeitraum von einem Jahr entstanden. Der Songwriting-Prozess hat sich von den vorherigen Alben kaum unterschieden. Sobald wir ein paar Ideen haben, nehmen wir die Instrumentalstücke in unserem Homerecording-Studio auf. Der Gesang wird beim Schreiben noch gar nicht berücksichtigt, den mache ich dann alleine zuhause. Manche sagen, das Ganze klingt nicht mehr so hingerotzt, vielleicht deshalb, weil wir dieses Mal etwas mehr Zeit in den Feinschliff investiert haben und wir auch technisch immer etwas besser werden. Aber am meisten hat es sicher mit der Produktion zu tun: wir hatten vier Techniker im Studio, und der Techno-Meister Patrick Pulsinger hat das Ganze produziert und gemischt. So was hatten wir natürlich noch nie! Wir wussten auch endlich, in welche Richtung wir uns soundtechnisch hinbewegen wollen und angenehmerweise klingt das Endprodukt genau so, wie wir schon immer klingen wollten.
Crazewire: Im nächsten Jahr steht der zehnte Geburtstag von Killed By 9V Batteries an. Gibt es schon Pläne, wie ihr das Jubiläum feiert?
Wolfgang: Nix Konkretes, aber irgendein Blödsinn fällt uns bestimmt ein. Andererseits markiert das jahr 2002 nur das Jahr in dem Mario und ich begannen zusammen Musik zu machen oder überhaupt ein Instrument zu spielen. Die eigentliche Gründung sehe ich inzwischen vielmehr im Jahr 2006, das Jahr in dem wir uns diesen Namen gaben und unser Bassist Mario2 an Bord gekommen ist.
Crazewire: Hat sich über die Jahre die Motivation, warum ihr in der Band seid, verändert oder entwickelt?
Wolfgang: Als die Art von Band, wie wir eine sind, vesucht man irgendwie durchzukommen. Wir wollen aber nicht mehr bei jedem Kuhtrieb dabei sein. Man träumt zwar nicht mehr von warmen Semmeln wie beim Debüt, aber dafür machen wir jetzt auch Sachen, die einfach Spaß machen ohne irgendeinen strategischen oder finanziellen Hintergedanken, wie etwa unsere Balkan-Tour im letzen Herbst.
Crazewire: Zu Beginn habt ihr euch neben Musik vor allem mit Filmen beschäftigt. Wie kam es zur Konzentration auf Killed By 9V Batteries als Band?
Wolfgang: Ich habe mich immer sehr für Filme interessiert, aber auch ebenso schon immer für Rockmusik. Da war ein Crossover irgendwann unvermeidbar. Ich hatte schon ein paar Trash-Filmchen gedreht und wollte meine soeben entdeckte Liebe für wüstesten Gitarrenlärm filmisch behandeln. Also sollte es ein Film sein, in dem eine Band zu sehen ist. Natürlich kannte ich damals keine Musiker und so konnte ich meine Komparsen davon überzeugen eine Band, nur für diesen Film zu gründen. Im Endeffekt war dann im Proberaum rumzustehen und auf die Gitarren einzuhacken lustiger, als diesen Film vorzubereiten. Ich hab meine Regiekarriere dann auch nicht weiter verfolgt, abgesehen von ein paar Musikclips.
Crazewire: Anlässlich eures neuen Albums gibt es auch wieder neue Musikvideos. Habt ihr dabei die kreative Kontrolle? Dreht ihr die Clips in Eigenregie?
Wolfgang: Manche Videos entstehen komplett im Alleingang, mit billigen Schrottkameras und null Requisiten. Andere Clips kommen von befreundeten Filmstudenten oder Hobbyfilmemachern, die wir meist dadurch kennengerlernt haben. Dabei geben wir die Kontrolle gern ab, weil es einerseits spannend ist, wie sich jemand von außen dem Song nähert und andererseits weil wir den Leuten die Videos für uns machen voll und ganz vertrauen.
Crazewire: Ihr steht in dem Ruf, gerne alle Fäden selbst in der Hand zu halten. Was bedeutet euch D.I.Y.?
Wolfgang: Wir waren noch nicht so oft in der Situation die Kontrolle an Leute abzugeben, denen wir nicht voll und ganz vertraut hätten. Die Veröffentlichungen abseits der Siluh-Alben dirigieren wir natürlich vom Aufnehmen bis zum Verkauf, aber dass wir dann bei den drei LPs den ein oder anderen Kompromiss eingehen mussten, fand ich nicht schlimm. Solange wir Singles auf 3.5“ Disketten mit einer Auflage von 25 Stück machen können...Wenn man vom Aufnehmen bis zum Coverbasteln alles selbst macht, erhält der Käufer oder Beschenkte das unverfälschte Kunstwerk finde ich.
Crazewire: Es klingt, als seid ihr sehr zufrieden mit Siluh. War es anfangs schwer, sich auf ein Label einzulassen?
Wolfgang: Alles geil soweit, die reißen sich schon den Arsch für uns auf! Sich darauf einzulassen fand ich nicht schwer. Nur sich vor den Crustpunk-Freunden zu rechtfertigen war tricky.
Crazewire: Ihr habt in der Vergangenheit immer wieder Split-CDs mit anderen Bands gemacht. Ist euch Vernetzung und Austausch wichtig?
Wolfgang: Das ist das wichtigste überhaupt, finde ich. Nicht nur, dass man mit einem Split-Release ein ganz anderes Publikum erreicht, man lernt auch die andere Band besser kennen und ist für immer irgendwie verbandelt. Schön.
Crazewire: Gibt es eine Szene, der ihr euch zugehörig fühlt?
Wolfgang: Vielleicht „austrians gone wild“.
Video: „Worst Of Total Anarchy"