Interpret:
Ken Ilsö
Titel:
Dänische „Stimmungsperson“ über Musik und Fußball
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 25.01.2012
Dass Dänemark eine pulsierende Musikszene hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Teils hochklassige Bands verschiedenster Genres sorgen auch hierzulande für volle Clubs oder zumindest für Enthusiasmus bei den Musikexperten. Zeit also, die Musikszene Dänemarks zu beleuchten – Spot on Denmark! Das dachten sich auch die Macher gleichnamiger Initiative, die seit 2009 mit wechselnden dänischen Bands durch westeuropäische Metropolen tourt. Zuletzt stattete „SPOT On Denmark“ in Kooperation mit dem c/o Pop Festival auch Köln einen Besuch ab. Mittendrin Ken Ilsø, wichtiger Offensivspieler von Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf, der der Veranstaltung als prominenter Musikfan ein Gesicht gab.
Crazewire: Du hast „SPOT On Denmark“ unterstützt. Wie kam es dazu?
Ken Ilsø: Bei einem 11 Freunde-Interview habe ich zufällig von „SPOT On Denmark“ erfahren. Dadurch bin ich in Kontakt mit Christian Buhl (Manager von „Danish Rock Council“ und „Music Export Denmark“, Anm. d. Verf.) gekommen. Danach ging es schnell und er hat mich gefragt, ob ich eine Art Botschafter sein wollte. Da musste ich nicht lange überlegen.
Crazewire: Hast Du Auftritte dänischer Bands in Köln live verfolgt? Und, wenn ja: Wie haben sie Dir gefallen?
Ken Ilsø: Ja, als „SPOT On Denmark nach Köln kam, habe ich mir die Konzerte angeschaut. Der Auftritt von Vinnie Who hat mir sehr gut gefallen! Sie sind auch bei den übrigen Zuschauern hervorragend angekommen. Gleichzeitig fand ich ganz besonders die Nummern „What became of you and I?" von Treefight For Sunlight sowie „Young and Dumb" und „Behaviour" von Rangleklods sehr gut.
Crazewire: In den letzten Jahren sind einige großartige dänische Bands auch international bekannt geworden: The Raveonettes, Mew, Rangleklods, Kellermensch, Carpark North, Efterklang oder Treefight for Sunlight, um nur einige zu nennen. Woran liegt es, dass ein vergleichsweise kleines Land wie Dänemark so viel gute Musik hervorbringt?
Ken Ilsø: Also, da gibt es aus meiner Sicht verschiedene Gründe. Der erste ist, dass es in Dänemark zahlreiche gute Künstler gibt, die viele Möglichkeiten haben, ihre Liebe zur Musik zu leben. Als zweiten Grund sehe ich, dass die jungen Menschen in Dänemark viele Sicherheiten haben. Die Schule ist vom Staat bezahlt und für das Studium bekommt man Geld. Man hat also diverse Möglichkeiten, neben der Ausbildung seinen Hobbys – wie beispielsweise der Musik – nachzugehen.
Crazewire: Der Staat schafft also ideale Rahmenbedingungen für junge Bands in Dänemark?
Ken Ilsø: Natürlich ist es auch in Dänemark schwierig, sich als junge Band durchzusetzen. Aber so ist es doch mit allen Hobbys. Wenn du dich wirklich durchsetzen und davon leben willst, musst du große Opfer bringen. Damit will ich nur sagen, dass es trotz der staatlichen Hilfe natürlich nicht selbstverständlich ist, sich durchzusetzen. Aber die Möglichkeiten sind gegeben.
Crazewire: Gibt es noch ein anderes Geheimnis für den Erfolg so vieler dänischer Bands?
Ken Ilsø: Ein anderer Gesichtspunkt ist der, dass dänische Bands, die von ihrer Musik leben wollen, weg aus Dänemark ins Ausland müssen. Das Land ist zu klein, um gutes Geld verdienen zu können. Genau das sorgt für viel Konkurrenz unter den Bands. Dadurch will jeder alles dafür geben, gute Musik zu machen.
Crazewire: Also ein bisschen wie beim Fußball...
Ken Ilsø: Genau. Meiner Meinung nach verbessert Konkurrenz im Endeffekt immer die Performance. Im Fußball wie in der Musik.
Crazewire: Was für Musik hörst Du privat? Hast Du so etwas wie eine Lieblingsband?
Ken Ilsø: Ich höre nahezu alles! R&B, Rock, Pop... Ich bin eine Stimmungsperson (lacht, Anm. d. Verf.) Vor einem Spiel höre ich etwas in die eine Richtung, und wenn ich zu Hause bin und relaxen möchte höre ich etwas ganz anderes. Ich kann ein paar Bands nennen, die verschiedene Kategorien abdecken: John Mayer, Carpark North, Rangleklods, aber auch Chris Brown und Rihanna. Ich will keine Musik ausklammern, ich brauche Musik jeden Tag. Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens.
Crazewire: Welche Musik läuft bei Euch bei Fortuna Düsseldorf in der Kabine? Wer entscheidet, was gespielt wird?
Ken Ilsø: Da läuft normalerweise Charts-Musik. Also das, was momentan populär ist. Aber vielleicht kann ich in diesem Jahr etwas Neues einführen und dazu beitragen, dass unsere Kabine musikalisch ein etwas experimentierfreudigerer Ort wird.
Crazewire: Als großer Fußball- und Musikfan ist mein Eindruck, dass die meisten Fußballprofis sich nicht besonders viel mit Musik beschäftigen. In den Spielerprofilen liest man meistens nur von der aktuellen Charts-Musik. Stimmt meine Beobachtung? Und, wenn ja: Woran könnte das liegen?
Ken Ilsø: Deine Beobachtung stimmt weitestgehend, aber, – es gibt ein großes Aber! – was Fußballprofis offiziell in ihren Profilen angeben und was sie privat hören ist nicht immer identisch. Jeder Spieler hat seinen eigenen Musikgeschmack. Meine Beobachtung ist, dass die Fußballer nicht nur Charts-Musik hören, sondern fast jeder von ihnen auch ganz persönliche Musik auf seinem iPod hat.
Crazewire: Und warum kommt das in der Öffentlichkeit oft anders an? Spieler könnten doch ihre Bekanntheit dazu nutzen, unbekanntere Künstler, die diese „persönlichere“ Musik machen, zu unterstützen. So wie Du es im Rahmen von „SPOT on Denmark“ gerade gemacht hast. Außerdem könnten sich Fußballer in der Öffentlichkeit etwas von der Masse abheben und ein eigenes Profil entwickeln.
Ken Ilsø: Naja, wie oft passiert es, dass wir nach unserem Musikgeschmack gefragt werden? Aber ganz unrecht hast du vielleicht nicht. Ich weiß es nicht sicher, glaube aber, dass sich die meisten Fußballer gerne auf ihren Beruf konzentrieren wollen und nicht so gerne über ihr Privatleben – und dazu gehört auch ein möglicherweise ausgefallener Musikgeschmack – sprechen.
Crazewire: Vielen Dank für das Gespräch, Ken! Ich wünsche Dir eine erfolgreiche Rückrunde. Vielleicht sehen wir Dich nächstes Jahr in der ersten Liga!
Video: Treefight For Sunlight - „What Became Of You And I?“