DETAILS

Interpret:
Jupiter Jones

Titel:
Szenepolizei und Musik-Faschos nerven ohne Ende

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Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 16.06.2009

INTERVIEWS

Jupiter Jones - Szenepolizei und Musik-Faschos nerven ohne Ende

Jupiter Jones - Szenepolizei und Musik-Faschos nerven ohne Ende

Jupiter Jones wollen und brauchen den Erfolg. Dafür ist ihnen fast jedes Mittel recht. Zur Belohnung steigt die Band mit ihrem neuen Album „Holiday in Catatonia“ auf Platz 97 der Deutschen Charts ein. Crazewire sprach mit Sänger Nicholas und Gitarist Sascha über „Sell Out“-Vorwürfe, Szenepolizei und den Erfolg als Band.

Crazewire: Am 22. Mai erschien Euer aktuelles Album „Holiday in Catatonia“. Seid Ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Sascha: Sehr zufrieden. Es war mal wieder eine Menge Arbeit dieses Album mit kompletten DIY-Indiestrukturen zu veröffentlichen und auch finanziell zu stemmen aber im Endeffekt hat sich alles definitiv gelohnt. Wir sind total glücklich mit dem neuen Album. Für uns ist das die erste JJ-Platte auf der wir unseren Sound so gefunden haben, wie wir uns das immer vorgestellt haben.

Crazewire: Die Kritiken die ich bis jetzt lesen konnte schwanken zwischen „gut“ und „geht so“. Lustig ist auch der immer wiederkehrende Pur-Vergleich. Ärgern Euch solche Vergleiche, bzw. schlechte Kritiken?

Sascha: Also die Kritiken die ich gelesen habe schwanken zwischen „sehr gut“ und „geht so“. Wie bei den anderen beiden Alben auch. Man darf solche Kritiken nicht so furchtbar ernst nehmen. Wichtig ist das die Band nach wie vor total überzeugt ist vom Album und das die Band nach wie vor denkt das „Holiday in Catatonia“ das mit Abstand beste JJ Album ist. Über Vergleiche mit Pur können wir nur lachen. Ist eher peinlich für den Rezensenten. Da diese Person ganz offensichtlich den falschen Job hat.

Crazwire: Auf „HIC“ habt ihr einige Gastsänger. War es schwer Oliver Rohrbeck für die Aufnahmen zu gewinnen? Wie läuft so was ab? Erzählt doch mal.

Sascha: Überhaupt nicht. Zwei Emails, ein mp3 und das wars schon. Oliver war wirklich sehr locker und nett! Kleines Bischen strange finde ich noch, dass ich jetzt eine Nachricht von Justus Jonas auf meiner Mailbox habe. Ingo Donot kennen wir ja schon viele Jahre. Da reicht ein Anruf. Bei Jana Pallaske lief das ähnlich wie bei Oliver Rohrbeck. Sie hat allerdings im Studio bei uns eingesungen und kam extra von einem Dreh in Paris nach Köln.

Crazewire: Drei Gastsänger, viel Werbung und ein Verkauf ausschließlich über die Plattenläden. Alles ist auf Charts gepolt. Muss man zu solchen Mitteln greifen um als Künstler in Deutschland existieren zu können? Und hat diese Strategie bis jetzt geklappt?

Sascha: Man muss zu solchen Mitteln greifen um von größeren Medien wahrgenommen zu werden. Wenn man das Ziel hat als Band kommerziell erfolgreich zu werden brauch man diese Aufmerksamkeit einfach. Und bevor die ganzen Szenepolizisten wieder heulen: Mit „kommerziell Erfolgreich“ meine ich lediglich das alle Bandmitglieder einfach mal Ihre Miete und Essen von den Einnahmen der Band zahlen können.

Crazewire: Auf Eurem Konzert in Köln konnte man einen gewissen „Wandel“ des Publikums erkennen. Passend dazu habe ich auch den Eindruck, als ob Ihr Euer Auftreten dem Publikum gegenüber verändert habt. Muss man Kompromisse eingehen um das junge Publikum zu erreichen?

Sascha: Also erstmal ist es mir ehrlich gesagt vollkommen egal wer unser Publikm ist. Ich kann auch keine große Veränderung feststellen. Jeder der unsere Musik gut findet ist willkommen. Von daher haben wir auch nicht unser Auftreten für irgendjemanden geändert. Wir haben einfach nur zum ersten Mal eine professionelle Fotografin gehabt die zum ersten Mal wirklich gute Bilder von uns gemacht hat.

Crazewire: Ist es als Texter denn nicht schwierig zu erkennen, dass nicht mehr der Text sondern das Happening im Vordergrund steht (Beispiel: Jupp, bei dem gelacht wird, in die Hände geklatscht etc. pp.)?

Nicholas: Man muss da schon differenzieren lernen. Ich kann in ner Livesituation auch keine spontanen Lichterketten erwarten, die meisten Leute sind halt schon in Feierlaune und das möchten wir ja auch ungern unterbinden. Wiederum gibt's auch genügend Momente, in denen man sich auf die Lippen beißen und ganz fürchterlich tolerant sein muss. Ich erinnere mich da ungern an meine letzte Weakerthans - Show, da ging ein Typ bei 'Left and Leaving' ab, als wärs ein Mickie Krause Song. Ich hab fast gekotzt. Im Gegensatz dazu stehen aber so viele Menschen, die uns nach jeder Show auf die Texte und deren Inhalte ansprechen. Das ist ziemlich wertvoll und toll.

Crazewire: Ist es Euch bewußt, dass gerade das ältere Publikum, dass im Zweifel schon seit der „Raum um Raum“ dabei ist, diesen Weg nicht mitgehen, geschweige denn nachvollziehen kann? Oder nerven solche „Szenepolizisten“ und „Musik-Faschos“ eher?

Sascha: Szenepolizei und Musik-Faschos nerven ohne Ende. Vor allem weil die meisten überhaupt keine Ahnung haben was alles hinter so einer Band steckt. Es wird immer so sein das wenn eine Band eine neue Platte veröffentlicht Leute die das vorher gut fanden jetzt nicht mehr gut finden. Vor allem wenn eine Band auf der Schwelle zur Professionalität steht. Dafür entdecken andere, neue Leute die Band. So ist das halt.

Crazwire: Zurück zur Platte: Wie sieht für Euch das restliche Jahr aus?

Sascha: Im Sommer gibt’s erstmal ein paar Festivals. Im Herbst geht’s dann auf große „Holiday in Catatonia Tour“. Dazu gibt es wie gewohnt mittlerweile schon ein schönes JJ-Hardticket. Das Jahr werden wir wieder mit einem JJMAS beschliessen. Dazu kann ich aber noch nicht mehr sagen außer: Das wird toll!

Crazewire: Auf der DVD der Special-Edition ist ein kleines Making of der Platte zu sehen. Schön finde ich, dass ihr scheinbar alle Spuren (Trompete, Kontrabass etc.) mit „richtigen“ Instrumenten aufnehmt. Wie wichtig ist Euch diese Komponente?

Sascha: Trompete, Kontrabass etc. kann man eben nicht wirklich gut klingend am Rechner produzieren. da brauch mal schon Leute die das im Original wirklich können. Das macht dann den Unterschied zwischen einem ganz guten Sound und einem wirklich fetten Sound. Und wir finden, dass wir einen wirklich fetten Sound auf „Holiday in Catatonia“ haben. Wir sind aber immer auf gute Freunde und Bekannte angewiesen, da wir diese Instrumente leider nicht beherrschen. Es macht aber immer wieder Spass mit Musikern zu arbeiten die wirklich wissen was sie da auf ihrem Instrument machen.

Crazewire: Erklärt mir doch mal Euren Albumtitel. Laut Wikipedia ist Katatonie ein psychomotorisches Syndrom, das vor allem bei katatoner Schizophrenie vorkommt, aber auch bei sonstigen Gehirnerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Einwirkung von Alkohol und anderen Drogen und bei schwerer Depression. Geht es Euch so schlecht, dass dieser Zustand schon Urlaub für Euch wäre?

Sascha: Erstmal ist das ganze ein kleiner Augenzwinker in Richtung Dead Kennedys („Holiday in Cambodia“). Katatonie bedeutet außerdem, dass man in einer bestimmten Bewegung erstarrt und sich nicht mehr bewegen kann. So ähnlich kann man auch den Zustand der Band vor und während der Aufnahmen zu „Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich“ beschreiben. Auch nach VÖ der letzten Platte ging es einigen aus der Band nicht so gut. Das ganze hing mit persönlichen Dingen zusammen. Die Stimmung in der Band fing erst wieder mit dem Songwritung zu „Holiday in Catatonia“ an zu kippen. Das waren die positivsten und kreativsten Wochen/Monate die wir je erlebt haben. Also die Songwriting-Phase und nachher auch die Aufnahmen mit Wolfgang Stach. Ich finde man merkt dem Album an das es der Band sehr gut ging in dieser Zeit. Dadurch konnte auch sehr viel Liebe zum Detail entstehen worauf wir auch sehr stolz sind ! Für uns ist es die positivste Platte von allen JJ Veröffentlichungen bisher und den Weg dorthin wollten wir mit diesem Albumtitel ausdrücken.

Crazewire: Wir danken für dieses Gespräch!


 

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