DETAILS

Interpret:
Jeremy Warmsley

Titel:
Herz- und Beinbruch

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Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 18.05.2009

INTERVIEWS

Jeremy Warmsley - Herz- und Beinbruch

Jeremy Warmsley - Herz- und Beinbruch

Auf Fotos und in Videos sieht Jeremy Warmsley aus, wie ein schüchterner Streber, der rein zufällig an eine Karriere im Musikbuiseness gekommen ist. Doch bei dem Telefoninterview mit Crazewire spielt er mit seinem charmanten Humor und plaudert selbstbewusst über seine Projekte. Und plötzlich wurde aus den Streber ein kreativer Musiker und erfolgreicher Produzent...

Crazewire: Zunächst würde ich gerne wissen, ob du Olli Schulz kennst.

Jeremy Warmsley: Wen?

Crazewire: Olli Schulz, ein deutscher Singer-Songwriter. Du singst diese Strophe: „If he breaks your heart, I will break his legs” und Olli Schulz hat ein Album, das heißt: „Brichst Du Mir Das Herz, Dann Brech' Ich dir Die Beine“

Jeremy Warmsley: Oh wirklich? Ich glaube nicht. Wie war nochmal sein Name. Oley Scals?

Crazewire: Olli Schulz.

Jeremy Warmsley: Ich hab noch nie von ihm gehört, aber es muss ein sehr schlauer Typ sein, weil er diese Idee hatte.

Crazewire: Nun, das ist er. Aber lass uns doch über „How We Became“ sprechen. Du hast weniger elektronische Elemente auf „How We Became“ benutzt, als auf „The Art Of Fiction“ und du hast dich mehr auf dein Klavier konzentriert. Warum ist das so?

Jeremy Warmsley: Ich denke eigentlich nicht, dass das wahr ist. Ich würde dem nicht zustimmen. Wenn du dir die Songs genau anhörst, haben sie alle ein elektronisches Element und es hat immer die Hälfte der Songs besonders starke elektronische Elemente, vor allem elektronische Beats. Und ich würde sagen, es gibt genau so viele Songs mit einer E-Gitarre wie mit einem Klavier. Das Album ist etwa zu einem Drittel E-Gitarre, einem Drittel Klavier und einem Drittel Electronic Beats. Es ist ein ausgeglichenerer Mix als auf dem ersten Album. Auf dem ersten Album ist jedoch ein großer Anteil Akustik mit Gitarren, Geigen und Trompeten, wobei das zweite Album mehr unübliche, elektronische Sounds hat. Ich denke, die Form und die Farbe der Songs haben dir diesen Eindruck vermittelt.

Crazewire: Ja, vielleicht. Ist es dir wichtig diese Balance zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten zu bewahren?

Jeremy Warmsley: Ich höre jeden Song anders und jeder Song verlangt nach einem anderen Sound, um bestmöglich zu klingen. Viele Bands sind da anders. Wenn man zum Beispiel Interpol nimmt. Ich mag Interpol sehr gerne, aber man muss sagen, sie haben Gitarren, Bass und Drums und sie machen das Beste aus diesen Instrumenten, jedoch probieren sie nicht wirklich viel aus. Ihre Songs haben alle denselben Sound. Als ich meine ersten beiden Alben schrieb, gab es nicht wirklich eine Richtung. Ich wollte, dass mein Album alle möglichen Farben und Sounds und Bilder hat.

Crazewire: Du hast auf dem ersten Album mit den Dirty Pretty Strings (Ein All Girl Streichquartett aus England, Anm. d. Verf). Wie war das?

Jeremy Warmsley: Ich habe für mein erstes Album einige Songs mit Streichquartett geschrieben, das haben sie übernommen. Sie sind Freunde von Freunden und wirklich nette Leute, aber sie haben auf dem Album nur diese Stellen übernommen. Nein, auf einem Streetrecord haben sie auch mitgespielt. Aber wer ein wirklich großen Einfluss, vor allem auf dem ersten Album, ist ein Klavierspieler namens Tom Rogerson, der Klavier gespielt hat. Er ist ein guter Freund, er hat mir quasi das Klavierspielen beigebracht. Und er spielt jetzt in der Band Three Trapped Tigers, die gerade in Großbritannien immer größer werden.

Crazewire: Planst du nicht auch eine Zusammenarbeit mit den Three Trapped Tigers?

Jeremy Warmsley: Thomas und ich haben eine Band gegründet, Green Lights Mean Go, die nur eine Zusammenarbeit zwischen uns beiden ist und nichts mit dem Rest der Band zu tun hat. Es ist eine tolle Band, und er ist ein großartiger Musiker. „Craneflies“, vom zweiten Album ist sehr von seinem Klavierspiel beeinflusst.

Crazewire: Wenn ich mir deine Musik anhöre, erinnert mich das oft an David Bowie und Brian Eno. Hörst du diese Musik oft?

Jeremy Warmsley: Wow, danke. Das ist ein großes Kompliment, weil ich die beiden sehr schätze. Ich will immer noch David Byrne von Talking Heads sehen, wie er die Songs spielt, die David Byrne und Brian Eno zusammen geschrieben haben. Du weißt schon, Songs von „Remain In Light“ und „My Life In The Bush Of Ghosts“. Das war wirklich ein großartiges Konzert, ich mochte da Brian Eno sehr. Und sein Album „Taking Tiger Mountain By Strategy" war eine große Inspiration für mich, weil es zeigt, wie man Gitarren und wierd Keyboards und elektronische Sounds und leichte Drums mixen kann, so dass es sich immer noch wie ein wunderschönes Stück anhört. Ja, Brian Eno ist eine große Inspiration und David Bowie ist einer der besten Singer-Songwriter aller Zeiten.

Crazewire: Das ist wohl wahr. Und was sagst du zu New Order? Du hast „Temptation“ gecovert. Warum hast du dir gerade diesen Song ausgesucht?

Jeremy Warmsley: Nun, das ist interessant, denn ich weiß, das die deutsche Ausgabe von „How We Became“ den Song beinhaltet. Für mich ist das aber eigentlich ein Bonus Track. Das eigentliche Album hat zwölf Tracks und die letzten beiden sind eigentlich nur extra Spaß. New Order ist eine weitere tolle Band, die ich schon seit einiger Zeit höre. Ich habe von zwei Jahren auf einem Festival gespielt und wollte dort meinen Auftritt mit ein paar Party-tunes abschließen. Ich mochte den Song und habe beschlossen, ihn als B-Side aufzunehmen. Das Label hat aber vorgeschlagen, dass wir den Song als Single aufnehmen sollten. Ich mag Coversongs sehr gerne. Ich mag es Songs, die ich liebe zu nehmen und so zu singen, als hätte ich sie selbst geschrieben, und meine eigene Art zu finden, wie ich ihn aufführen kann. Auf meiner Tour verkaufe ich eine CD, die ein Cover von ABBA beinhaltet. Viele Leute denken, ABBA ist wirklich schlecht, aber ich mag sie und ich mag es ihre Songs zu singen und dass die Leute meine Version mögen. Vor allem, wenn Freunde nach der Show zu mir kommen und sagen: „Oh, I love it, I love it“, und dann sage ich „Es ist ein ABBA Song“, und die sagen: „Oh god! You bastard!“

Crazewire: Welcher Song ist das denn?

Jeremy Warmsley: Der Song heißt „One Of Us“. Kennst du den?

Crazewire: Ja, meine Mutter ist ein großer ABBA Fan.

Jeremy Warmsley: Oh, wirklich? Ich spiele ihn übrigens im Brian-Willson-Style.

Crazewire: Auf YouTube gibt es Videos von diesen „take-away-shows“, bei denen du von einer Kirche spielst, oder während du durch die Straßen spazierst. Was ist das genau?

Jeremy Warmsley: „take-away-shows“ ist eine Serie, die von einer französischen Internetseite, La Blogotheque, produziert wurde. Die laden alle möglichen Sänger dazu ein, in Paris aufzutreten und auch manchmal in New York und anderen Orten. Das ist echt eine coole Sache, Arcade Fire und Tom Jones haben mitgemacht und sie machen wirklich verrückte Sachen. Es ist wirklich toll. Der Typ, der das macht heißt Vincent Moon und er hat mich gefragt, ob ich nicht nach Paris kommen will und einige Songs speilen will. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Crazewire: In deinem Myspace Blog hast du geschrieben, dass du immer noch dreißig Songs hast, die auf ein Release warten. Hast du schon eine Idee, wie du sie verwerten kannst?

Jeremy Warmsley: Ich habe viele unterschiedliche Projekte und ich kann nicht sagen, welches davon mein nächstes Album sein wird. Ich habe eine Rockplatte, eine Electronic-Synth-Pop-Platte und eine eigenartige Konzept-Orcheser-Platte, und ich versuche immer noch herauszufinden, welche sich am besten als nächstes Album eignet. Wir spielen im Moment einige der Rocksongs in unserem Live Set und ich verbringe viel Zeit damit an meinen Synth-Pop Songs zu schreiben. Ich habe keinen Plan, ich genieße es einfach im Moment unterschiedliche Dinge auszuprobieren.

Crazewire: Also müssen wir noch ein Weilchen auf das neue Album warten.

Jeremy Warmsley: Ich befürchte schon.

Crazewire: Du hast schon mit so vielen interessanten Leuten zusammen gearbeitet. Hast du Projekte mit anderen Musikern in Planung?

Jeremy Warmsley: Ich habe gerade ers mit einer jungen Band aus England zusammen gearbeitet, sie heißen Toni L. Sie sind eine sehr junge Band, und ich produziere ihre erste Single, die wird in England noch in diesem Jahr erscheinen. Ich finde sie wirklich fantastisch, sie machen sowas wie einen Mix aus Goth und Motown Music. Es ist wirklich interessant.

Crazewire: Also bist du auch Produzent?

Jeremy Warmsley: Ja, ich produziere auch meine eigenen Platten. Eine Freundin, EmmyThe Great, hat mich gefragt, ob ich ihre Platte produzieren könnte. Sie hat auch auf dem „Boat Song“ mitgesungen. Und eine andere Band aus Italien, sie heißen A Classic Education, für sie habe ich auch eine Single produziert, die jetzt in einem Monat in Großbritannien erscheint.

Crazewire: Okay, dann warte ich gespannt auf deine nächsten CDs. Vielen Dank für das Interview.


 

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