DETAILS

Interpret:
Jack Peñate

Titel:
Obsessed with Jamaica

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 11.12.2007

INTERVIEWS

Jack Peñate - Obsessed with Jamaica

Jack Peñate - Obsessed with Jamaica

In ein paar Stunden, wird er im ausverkauften Blue Shell die Bühne betreten. Im Moment befindet sich Jack Peñate noch schräg gegenüber im Prime Club, wohin Garderobe und Schnittchen aufgrund von Platzknappheit im eigentlichen Venue ausgelagert wurden. Zwischen halbaufgeräumter Halloween-Deko nimmt der Brite Platz vorm Diktiergerät, um mit Crazewire über die heimische Presse, Jamaika und Hip Hop zu sprechen.

Crazewire: Du hast gerade dein Debütalbum veröffentlicht und bist damit seit ein paar Tagen hier in Deutschland auf Tour. Wie reagieren die Leute auf dich?

Jack Peñate: Die Gigs waren toll. Wir haben in Berlin und München gespielt und es waren überall Leute, die echt interessiert schienen. Die meisten Leute hier, haben mich noch nie gesehen und ich hoffe, wenn sie mich sehen, dann macht es irgendwie klick und alles findet zusammen. Aber ich denke, es läuft schon echt gut. Der Grund warum es in England so gut läuft, ist, dass ich dort sehr hart gearbeitet habe und exzessiv getourt bin. Hier bin ich zum ersten Mal, wenn dann überhaupt jemand kommt, bin ich glücklich. Ich hoffe, je öfter ich hier her kommen werde, desto besser wird es werden.

Crazewire: Sicher hilft dein Erfolg in Großbritannien, dass die Leute hier auf dich aufmerksam werden. Du hattest immerhin sogar eine Single in den Top 10.

Peñate: Es ist schon so, wie du sagst, das hat uns die Möglichkeit eröffnet, auch in andere Länder zu gehen. Wir waren in Japan, machen grade diese Europa-Tour und werden im Januar nach Amerika und Australien gehen. Die Leute sind immer daran interessiert, wer grade groß in England ist und wollen wissen warum. Es ist großartig, dass mir das erlaubt, mich auch für andere Territorien zu öffnen, I don`t wanna just be big in Englang! Hoffentlich kann ich durch die Welt reisen und Venues überall bespielen.

Crazewire: Ich glaube die Leute hier werden deine Musik als „typisch britisch“ wahrnehmen und das ist es auch, was in vielen Reviews hierzulande besonders herausgestellt wurde.

Peñate: Warum?

Crazewire: Meiner Meinung nach bezieht sich das auf die britische Popmusik der 80er Jahre, wie die Housemartins oder Dexy`s Midnight Runners sie spielten. Siehst du dich denn überhaupt in einer Tradition mit solchen Bands?

Peñate: Ich finde es immer sonderbar, dass die Leute überhaupt besonders darauf hinweisen. Warum sollte ich denn in meiner Musik nicht englisch sein? Deswegen würde ich echt gerne wissen, warum ich zu hören bekomme: „Oh, du klingst so britisch.“ How else would I fucking sound like? Ich nehme das einfach als Kompliment. Ich will danach klingen, wo ich herkomme, ich möchte nicht vorgeben jemand anders zu sein.

Crazewire: Es gibt ja derzeit einige Bands, die sich das Britische sehr auf die Fahne geschrieben haben. Ich denke da zum Beispiel an die Libertines, die sich immer klar als „britische Rockband“ verkauft haben.

Peñate: So bin ich auch nicht. Ich werde nicht rumlaufen und eine Union Jack tragen. Ich möchte, dass Leute von überall einen Zugang zu meiner Musik finden. Auf dem ganzen Album, erwähne ich London genau einmal. Ich will keiner dieser straight forward Brit Pop-people sein. Aber es ist noch früh in meiner Karriere, ich weiß noch nicht wirklich wer ich einmal werde. Doch an diesem Punkt, versuche ich einfach von Anfan an so zuversichtlich wie möglich in meinen Bestrebungen zu sein.

Crazewire: Wie du selbst sagt, bist du grade am Anfang deiner Karriere. Diese ersten Schritte müssen sehr interessant sein. Gibt es schon Dinge, die du bislang gelernt hast? Über das Geschäft, darüber, dich in den Augen des Publikums zu sehen?

Peñate: Ich habe so viel gelernt! Wenn du anfängst, dann schaust du dich nie wirklich an. Du tust einfach, was sich natürlich anfühlt und das ist großartig. Ich denke allerdings auch, dass sich jeder Mensch im Leben entwickeln sollte. Sobald man herausfindet, „vielleicht ist das doch nicht so gut“, „vielleicht ist das doch nicht so richtig, wer ich bin“, muss man etwas ändern. In den letzten Jahren habe ich einen gewaltigen Lernprozess durchlaufen, habe viel über Musik und die Art, wie Musik wahrgenommen wird gelernt. Es gab in der Rückschau ganz sicher Dinge, die ich gerne geändert hätte, aber nicht weil sie falsch waren, sondern weil ich nun eine andere Person bin. Ich habe also echt eine Menge gelernt. Nur die Presse habe ich soweit wie möglich ignoriert. Man muss so was einfach machen, aber ich muss nicht lesen, was andere über mich denken. Ob es gut ist, oder total schlecht, man muss versuchen, so neutral wie es geht mit sich selbst zu bleiben.

Crazewire: Ich stelle mir den Umgang mit der Presse besonders in Großbritannien allerdings nicht leicht vor. Die dortigen Musikmagazine haben ja ihren besonderen Ruf.

Peñate: Ich kümmere mich einfach nicht so sehr um die Presse, ich finde sie eher komisch, besonders die britische. Die wissen überhaupt nicht, wer sie sind und deshalb folgen sie jetzt einfach dem, was die Leser tun. Das ist eine tolle Sache, es hat sich etwas gedreht. Power has been given to the people through the internet. Ich denke wenn es um Musik geht, wird die Meinung nicht mehr von der Presse gemacht. Zumindest in Großbritannien ist es so, dass die Kids ihre Bands selbst herausfinden und darüber reden, lange bevor etwas in der Presse erscheint.

Crazewire: Ich sehe zwar auch diesen Trend durch das Internet, denke aber, dass es noch immer Magazine gibt, die Meinungsmacher sind und vorgeben, was angesagt ist. Diese Magazine nehmen die Bands und kreieren ein Medienphänomen daraus, sie schaffen das Image. Ich denke da zum Beispiel an den NME und wonach dort in Interviews so gefragt wird. Möchte ich so was wirklich von einem Künstler wissen? Ich höre seine Musik, ich will nicht wissen, wo er seine Schuhe kauft.

Peñate: In Großbritannien ist es wirklich ziemlich genau so. Die Leute konzentrieren sich weniger auf die Musik. Meinungen von Menschen über Musik können oft ohne die Musik gebildet werden, sondern durch die Szene in der sie sich bewegt und über Style. That`s weird, man! Für mich persönlich war Style immer etwas, das mir Spaß gemacht hat. Ich trage schon seit Jahren Mäntel, aber das ist verdammt noch mal nicht, worüber ich in Interviews sprechen möchte. Ich möchte über mein Lieblingsalbum oder meine Lieblingsproduzenten reden. Das interessiert aber viele Leute nicht. Die wollen wissen, wie dein Background aussieht, wer du bist, was du trägst, wie viel Geld deine Eltern verdient haben, als du klein warst. Fast nie hört man „erzähl mir was über diesen Song, den du geschrieben hast“, das wird auf Dauer echt ermüdend. Wie schon gesagt, bringt mich das alles einfach zum Lachen. Wenn man so was ernst nimmt, haben die gewonnen. Es ist einfach lächerlich.

Crazewire: Dann lass uns jetzt mal über deine Musik reden. Wir haben vorhin bereits kurz die Housemartins und ihren Sound angesprochen. Ich finde vergleichbare Momente, die sehr poppig aber dabei nie kitschig sind, kann man durchaus auch auf deinem Album finden. Daneben kann man aber auch einen deutlichen Ska-Einfluss hören, was ja ebenfalls in der britischen Musiktradition eine enorm wichtige Rolle spielt.

Peñate: We seemed to be obsessed with Jamaica. Ich bin von Dancehall besessen. Leute wie Capleton, ich liebe sie. Mein Vater war DJ und spielte Drum`n `Bass und Ragga und er ist verrückt nach Dub. Während ich aufwuchs habe ich sehr viel jamaikanische Musik gehört. Ich lebe in South London, wo es Ecken gibt, die sehr jamaikanisch sind, die jamaikanische Community dort ist groß. Ich war also immer davon umgeben und fand das sehr aufregend.

Crazewire: Da du aus South London stammst, kennst du die dortige Grime-Szene um Leute wie Dizze Rascal?

Peñate: Ich mag vieles aus dieser Richtung sehr. Diplo, der zwar nicht aus London kommt, ist auch großartig. Leider haben unsere Welten sich bisher nicht überschnitten.

Crazewire: Für dein Album hast du einen Song zusammen mit dem Hip Hop Produzenten RJD2 gemacht. Das ist zunächst einmal nicht grade typisch für eine „Gitarrenplatte“.

Peñate: Er hat mich beim South By South West gesehen und es hat ihm gefallen. Ich wollte bei diesem Song „Learning Lines“, dass er richtig soulfull, das Schlagzeug mehr nach einem Beat und nicht nach Indie klingt. Also haben wir darüber geredet und er zeigte Interesse. Wir haben es dann bei ihm in Philadelphia aufgenommen und es war eine tolle Erfahrung. Ich möchte gerne mehr mit ihm machen, denn er ist ein großartiger Produzent und ich kann gut mit ihm arbeiten. Ich verstehe, wie Hip Hop funktioniert und ich denke mit Pop zusammen kann es eine interessante Kombination sein.

Crazewire: Ich finde es auch schön, dass sein Name wohl nicht direkt jedem ein Begriff sein wird, aber Leute, die sich mit Hip Hop beschäftigen, wissen , was er für tolle Tracks produziert hat. Kennst du seine Arbeit mit Diverse?

Peñate: Nein, davon habe ich noch nichts gehört.

Crazewire: Diverse ist ein amerikanischer MC und RJD2 hat eine Reihe der Beats für sein Album gemacht. Madlib hat da auch einen großartigen Song beigesteuert.

Peñate: Oh, he`s one of my heroes! Wir haben auch versucht, ihn für das Album zu bekommen. Der US-Chef von meinem Label XL kennt ihn ziemlich gut und kennt auch die Leute bei Stones Throw. Wir haben uns wirklich bemüht in Kontakt zu treten, aber es ist schwer einen Mann wie Madlib festzunageln. Er ist der Beat Konducta, er verbringt die meisten Stunden des Tages im Studio. Ich würde liebend gerne mal mit ihm arbeiten, ich liebe seinen Sound.

Es folgt ein Runde Begeisterungsaustausch über die unzähligen Pseudonyme des Meisterproduzenten, die jüngste Platte seines kleinen Bruders Oh No und weitere Perlen aus der jüngeren Stones Throw – Geschichte.

Crazewire: Hast du jemals selbst daran gedacht, zu produzieren, mit Samples zu arbeiten?

Peñate: Das möchte ich gerne irgendwann mal machen, aber ich möchte auch als Musiker wachsen. Ich denke, es ist gut, wenn man an einem Punkt beginnt, wo man es selbst packen kann. Ich lerne immer noch sehr viel über Klang, Songwriting und das Musik machen. Die erste Platte sollte etwas sein, wo ich sagen kann: „See, this is what I can do!“ Um mit jemandem wie Madlib zusammenzuarbeiten hat mir da ehrlich gesagt auch noch das Selbstbewusstsein gefehlt. Ich war ja nie zuvor in einem Studio gewesen. Doch nun habe ich Selbstvertrauen gewonnen und würde so etwas sehr gerne machen.

Crazewire: Nachdem wir jetzt so viel über Hip Hop Produzenten geredet haben, gibt es denn auch Rock oder Pop Produzenten, deren Sound dir gefällt?

Peñate: Ich mag Rick Rubin.

Crazewire: Wobei er ja eigentlich auch aus dem Hip Hop kommt.

Peñate: Exactly!


 

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