Interpret:
Hafdis Huld
Titel:
Superhelden und Synchronschwimmer
Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 02.08.2010
Schon lange muss sich die Isländerin Hafdis Huld nicht mehr als ehemaliges Gus-Gus-Mitglied bezeichnen lassen. Ihr erstes Album „Dirty Paper Cup“ war so erfolgreich, dass ihr Name alleine stehen und eine eigene Marke sein kann. Nun erscheint ihr zweites Soloalbum „Synchronised Swimmers“, womit Huld an ihren Erfolg anknüpfen möchte.
2007 wurde „Dirty Paper Cup“ mit dem Islandic Music Award ausgezeichnet. Huld schwärmt noch immer davon: „Es war mein erstes Soloalbum, deshalb war es für mich eine große Ehre und eine große Ermutigung diesen Music Award zu gewinnen.“ Doch Hafdis Huld wird nicht nur von Kritikern geschätzt. Ein ganz besonderer Fan, ein englischer Schriftsteller, schrieb ihr einen Brief aus Afghanistan, den Huld in ihrem Blog veröffentlichte. Der Schriftsteller schreibt, er habe ein Jahr in Afghanistan verbracht und schreckliche Dinge erlebt. Während dieser Zeit habe ihm der Song „Hayling“ geholfen, all diese Erlebnisse zu verkraften. „Ich war sehr bewegt, als ich den Brief gelesen habe“, sagt Huld. „Er spricht über die gefährlichen Situationen, in denen er sich befunden hat und er sagt, dass mein Song ihm Hoffnung und Trost gegeben hat, wann immer er es brauchte. Der Gedanke, meine Musik sei in solche Momente involviert, ist einfach unglaublich.“
Das neue Album „Synchronised Swimmers“ ist letzt Woche in Deutschland erschienen. Das Album wurde in einer zum Studio umgebauten Scheune im Norden Englands aufgenommen: „Es war eiskalt, aber die Stimmung war großartig. Wir haben viele Instrumente mitgebracht und hatten sehr viel Spaß unterschiedliche Dinge auszuprobieren. Vieles haben wir live aufgenommen, wobei jeder von uns in einer anderen Ecke der Scheune platziert war. Dadurch ist der Sound auf diesem Album viel breiter als auf dem letzen, aber es klingt immer noch nach mir.“
Wie schon bei „Dirty Paper Cup“ baut Huld auf zahlreiche Unterstützung aus der breiten Musiklandschaft: „Ich habe mit vielen großartigen Leuten zusammengearbeitet. Alisdair Wright und Calum McColl haben das Album produziert. Sie spielten viele Instrumente und haben auch einige Songs mit mir geschrieben. Den Song ‚Vampires’ habe ich mit Boo Hewerdine geschrieben, der auch auf dem Album singt. ‚I Almost Know A Criminal’ habe ich mit Nick Kershaw geschrieben. Ich habe erst nach der Session herausgefunden, was für eine Legende er ist, als mir einige Freunde Videos seiner Live Aid Performance gezeigt haben. Außerdem hat Phill Brown das Album gemixt. Er hat schon mit Superstars wie Jimmy Hendrix und Bob Marley zusammengearbeitet und ich habe es sehr genossen, mir in den Pausen seine Geschichten anzuhören.”
Hulds Lieblingssong auf dem Album ist der Titeltrack „Synchronised Swimmer“, denn sie hat ihn über ihren „Lieblingsmenschen“ geschrieben. Sie selbst kann zwar nicht synchronschwimmen, dafür hat sie andere Talente. So hat klein Hafdis schon mit zehn Jahren einen eigenen Zirkus gegründet: „Ich wollte schon immer Leute unterhalten und in vielen Kinderbüchern geht es um Zirkusse, ich denke daher hatte ich die Idee. Natürlich hatte ich kein großes Zirkuszelt, also haben wir die Show in der Garage eines Nachbarn aufgeführt. Mit der Zeit wurden wir routinierter und ich schätze, wir hatten etwa fünfzehn Gäste pro Abend.“
Eines ihrer Lieblingsthemen sind Superhelden, die Huld zum Beispiel in den Songs „Kónguló“ und „Action Man“ besingt: „In meinem Song ‚Kongulo’ geht es um Alain Robert, dem französischen real life Spiderman. Er klettert auf die höchsten Gebäude und ist somit ein echter Superheld. Deshalb verdient er einen Song. ‚Action Man’ handelt von einem Mädchen, das hofft, ihr Nachbar sei ein Superheld. Ich glaube, ich mag einfach die Magie und die Aufregung, die man mit Superhelden assoziiert.“ An ihren ganz persönlichen Superhelden hat sie allerdings nur eine einzige Anforderung: „Es wäre sehr nützlich, wenn er fliegen könnte, das würde mir die viele Zeit am Flughafen sparen.“
Video: „Action Man“