Interpret:
God Is An Astronaut
Titel:
Träumen heimlich von George Lucas
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 16.03.2009
Die drei Iren von God Is An Astronaut sind wahre Arbeitstiere. Zwischen Tour und Produktion fürs nächste Album arbeiten sie noch an ihren eigenen Visuals und an der eigenen Vermarktung ihrer Musik. Damit bringen sie die DIY Einstellung auf ein ganz anderes Level und sind gänzlich unabhängig von der restlichen Musikindustrie. Trotzdem haben sie zwischendurch Zeit gefunden, unsere Fragen zu beantworten, die uns vor ihrer großen Europatour auf den Nägeln gebrannt haben.
Crazewire: Wie gehts euch, was macht ihr gerade?
Niels Kinsella: Bei uns läuft alles ziemlich gut. Wir arbeiten bereits am neuen Album und proben für die Tour im April. Wir wollen im März eine neue Single veröffentlichen und hoffentlich dann im Herbst ein neues Album. Außerdem gehen wir im September nochmal auf Europatour.
Crazewire: Euer aktuelles Album wurde vor vier Monaten veröffentlicht. Wie steht ihr zum Album und wie ist die Reaktion bis jetzt?
Niels: Ich denke die Reaktionen waren insgesamt ziemlich gut und die Verkäufe liefen weitaus besser als erwartet. Wir haben zumindest persönlich noch nichts von der Finanzkrise mitbekommen. Aber gerade dadurch, dass wir bekannter werden, gibt es immer mehr Leute in Blogs und Foren, die uns den Erfolg nicht gönnen und uns schlecht reden.
Insgesamt sind wir persönlich noch sehr zufrieden mit dem Album, weil die neuen Songs unsere Liveshows wieder einmal total verändert haben. Ich denke es werden viele überrascht sein von der Energie und Intensivität auf der Bühne.
Crazewire: Wie kam es dazu, dass ihr euer drittes Album „God Is An Astronaut“ genannt habt? Sonst selbstbetitelt man ja eher das Debütalbum.
Niels: Das ist in vielen Fällen richtig, aber wir haben uns trotzdem entschieden das Album so zu nennen, weil wir so froh waren mit den Songs und der Energie die rüber kam. Einfach weil es uns möglich war Songs wie „Zodiac“ zu schreiben, welches der schnellste Song ist, den wir je hatten. Wir haben uns in diesem Album auch ein wenig selbst gefunden.
Crazewire: Hattet ihr denn dieses mal einen anderen Ansatz an diesem Album zu arbeiten oder habt ihr einen festen Ablauf vom Schreiben der Songs, zum Einspielen der Aufnahmen und den Proben für die Liveshows?
Niels: Das läuft bei jedem Album immer ein wenig anders ab. Mit dem aktuellen Album haben wir viel Zeit verbracht, um auf der CD das perfekte Livegefühl umzusetzen, zum Beispiel mit detaillierten Bass- und Schlagzeugparts. Im Durchschnitt haben wir einen Monat für jeden Song gebraucht. Beim neuen Album, an dem wir gerade arbeiten, geht es uns eher um elektronische Elemente und Programmieren, damit wir dem ganzen ein neuen Gefühl geben können. Die Art, wie wir Songs schreiben, bleibt aber immer die Selbe: Torsten schreibt normalerweise die Hauptmelodien auf der Gitarre oder Klavier und dann fangen wir an auf dieser Idee aufzubauen. Wir setzen immer wieder einen Teil drüber, bis wir zufrieden sind. Das Wichtigste ist dabei, dass die Hauptidee schon steht, bevor wir anfangen weitere Teile hinzuzufügen. Wir benutzen es also nur um den Sound zu verstärken, nicht aber um neue Ideen zu entwickeln, wohin der Song gehen soll.
Crazewire: Ihr seid zu dritt in der Band, gibt euch das nicht bestimmte Grenzen in eurer Musik, was die Möglichkeiten angeht?
Niels: Nein, in den Aufnahmen gibt es keine Grenzen, weil wir nicht zu dritt bleiben. So hat das aktuelle Album bei manchen Liedern über 64 Tracks übereinander gelegt.
Crazewire: Aber wenn ihr Live spielt, muss es da doch Dinge geben, die ihr nicht machen könnt. Wir löst ihr das Problem?
Niels: Für die Konzerte arbeiten wir die Songs so um, dass sie zu dritt spielbar sind und kriegen Unterstützungung von Backing Tracks für bestimmte Teile. 85% der Sachen, die wir spielen sind Live, der Rest kommt vom Band.
Crazewire: Wenn für euch Geld kein Problem wäre, was wäre ein Wunsch, den ihr gerne auf der Bühne umsetzen würdet?
Niels: Es wäre großartig, wenn Lucas Arts oder Industrial Light & Magic für unsere Shows eine 3D-Show programmieren würden.
Crazewire: Würdet ihr denn jemals mit einem Orchester zusammenarbeiten?
Niels: Vielleicht, aber das wurde schon so oft vor uns gemacht. Wenn ja, müssten wir sehr eng mit den Musikern zusammenarbeiten, denn viele Bands haben schrecklich langweilige Alben mit einem Orchester aufgenommen. Besonders, wenn lächerliche Streicherarrangements die Liedmelodie zerstören. Da ersparen wir uns das lieber.
Crazewire: Visuals scheinen einen besonders wichtigen Teil in eurem Liveprogramm einzunehmen. Wie kam es dazu?
Niels: Von Anfang an dachten wir, dass Liveshows langweilig sind, wenn man einfach die Musiker dabei beobachtet, wie sie ihre Songs runter spielen. Besonders wenn so ein Konzert auch noch 90 Minuten oder länger dauert. Deswegen wollten wir unsere Konzerte in ein audio-visuelles Erlebnis verwandeln. Die Idee war dabei, zu helfen, die Melodien zu strukturieren und die Zuschauer dabei in die Musik zu ziehen, sodass sie ihre Umwelt vergessen.
Crazewire: Habt ihr jemals daran gedacht, eine DVD mit eurem Visuals zu veröffentlichen?
Niels: Wir planen das jetzt schon seit einer Weile, aber es ist schwer die Zeit zu finden, um das alles zusammenzustellen. Vielleicht ja nächstes Jahr, aber das Schreiben neuer Songs will immer Vorrang haben.
Crazewire: Manche eurer Songs wurden sogar in England im Fernsehen gesendet. Ist das nicht überraschend für eine Instrumentalband?
Niels: Ja, wir hatten ein paar Mal Airtime bei MTVs 120 Minute Show, welche es aber leider nicht mehr gibt. Ich denke als Instrumentalband kann man einfach nicht hoffen am Tag gesendet zu werden, aber unsere Videos sind ohnehin nicht passend für das Tagesprogramm, wegen deren Inhalt.
Crazewire: Eure Musik eignet sich eigentlich sehr gut für Filme und Serien. Jemals daran gedacht an einem Film mitzuarbeiten oder wurdet ihr schon mal gefragt, ob eure Musik benutzt werden darf?
Niels: Ja, im Moment machen wir ein paar Kleinigkeiten für Sendungen. Außerdem ist unser gesamter Katalog beim Rumblefish in Amerika zugänglich. Unsere Musik wurde bereits in Hunderten von Independent Kurzfilmen genutzt in den letzten Jahren.
Crazewire: Bereits bei eurem ersten Album habt ihr euch entschieden ein eigenes Label Revive Records zu gründen und darauf eure Musik zu veröffentlichen. Wie kam es dazu?
Niels: Keiner war daran interessiert unsere Musik zu veröffentlichen, also haben wir es einfach selbst gemacht. Ich denke, das war das Beste was wir machen konnten, denn anders als die meisten Künstler auf normalen Plattenfirmen kriegen wir das Geld von unseren Verkäufen, Merchandise und so weiter. Uns gehört 100% von God Is An Astronaut. Der einzige Nachteil ist, dass wir sehr viel Kraft kostet, gleichzeitig die Band zu sein und sie managen.
Crazewire: Wie seid ihr in Revive Records noch involviert und was ist die Idee dahinter?
Niels: Ganz einfach gesagt, wir haben Revive Records ins Leben gerufen, um unsere eigene Musik zu veröffentlichen und ihr die Möglichkeit zu geben, gehört zu werden. Im Moment besteht das Label nur für unsere Veröffentlichungen und nicht für andere, aber das wird sich vielleicht bald ändern.
Crazewire: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Tour.