Gisbert Zu Knyphausen - Geil im Spiegelzelt
Auf der Plattenhülle prangt ein Sticker, der den besten Songwriter der Nation anpreist. Doch auch ohne derartige Lobhudelei ist klar: Gisbert zu Knyphausen ist ohne Frage der Name der Saison. Auch sein umjubeltes Gastspiel im Halderner Spiegelzelt hat dazu beigetragen, dass der Musikadel Einzug in so manche Stereoanlage hält. Einen Tag nach seinem Auftritt ist Gisbert noch auf dem sympathischen Festival geblieben, um sich The Heavy, Fink und The National anzugucken. Mit
Crazewire sprach der Wahlhamburger über seine persönliche Bindung zum Haldern und die Wirkung einer direkten Sprache.
Crazewire: Du hast vor deinem Auftritt im Zelt eine Ansage gemacht, nach der es ein Karriereziel von dir war, einmal auf dem Haldern zu spielen. Du sagtest, du könntest dich jetzt, da das erreicht ist, eigentlich auch auflösen. Das klingt, als seiest du ein wahrer Haldern-Fan. Was bedeutet das Festival für dich?Gisbert zu Knyphausen: Das erste Mal bin ich 2003 wegen Bright Eyes hierher gefahren. Zu der Zeit habe ich noch in Nijmwegen gewohnt, was ja nicht weit weg vom Niederrhein ist. In den Jahren danach war ich dann eigentlich immer hier. Als ich angefangen habe meine Lieder zu schreiben, habe ich mir einfach nur gedacht, es wäre so geil einmal im Spiegelzelt aufzutreten.
Crazewire: Gibt es für dich ein spezielles Haldern-Erlebnis?Gisbert zu Knyphausen: Ein Highlight waren auf jeden Fall The Magic Numbers vor einigen Jahren. Sie sollten ursprünglich auf der Hauptbühne spielen, kamen aber zu spät und mussten dann ins Zelt ausweichen. Ich bin da mittags, als das Zelt aufmachte reingestolpert und es war Disco oder so. Auf einmal haben dann The Magic Numbers gespielt und ich fand das Konzert einfach grandios.
Crazewire: Es ist charakteristisch für das Haldern Pop, dass viele der Besucher eine ganze Reihe der Bands vorher nicht kannten und dann einiges für sich entdecken. Hast du gemerkt, ob das bei deinem Auftritt auch geklappt hat?Gisbert zu Knyphausen: Ich habe von ein paar Leuten gehört, die mich vorher noch nie gesehen hatten, dass sie positiv überrascht waren und dass es ihnen gefallen hat.
Crazewire: Du wirst auf der Bühne von einer Band begleitet, die den Eindruck vermittelt, als spieltet ihr schon länger zusammen. Wie bist du an die Jungs gekommen?Gisbert zu Knyphausen: Ich wohne jetzt seit zwei Jahren in Hamburg und habe sie alle dort erst kennen gelernt. Über Bekannte und Freunde habe ich so nach und nach alle getroffen. Sie sind zwar tierisch geile Musiker, aber ich habe sie hauptsächlich wegen der menschlichen Kriterien ausgesucht. Mit ihnen habe ich auch die Platte aufgenommen. Mein Wunsch ist, dass es immer weiter zusammenwächst und dass wir eine Art Bandsound kreieren können, auch wenn es weiterhin unter meinem Namen läuft. Die Songs entstehen einfach in meinem Zimmer, ich bringe sie dann zur Band und zusammen bearbeiten wir sie dann.
Crazewire: Du planst also, noch eine längere Zeit in Hamburg zu bleiben?Gisbert zu Knyphausen: Ich fühle mich sehr wohl in Hamburg und kenne sehr coole Leute dort. Es bleibt natürlich nicht aus, wenn man in Hamburg wohnt und deutschsprachige Musik macht, dass man in eine Schublade gesteckt wird. Aber im Prinzip habe ich mich nie irgendwo zugehörig gefühlt, zu Bands wie Kettcar, Tomte oder Tocotronic. Ich habe vor einigen Tagen zum ersten Mal das Vorprogramm für Kettcar gemacht, also so ganz langsam lernt man die Leute kennen.
Crazewire: Welche deutschsprachigen Musiker magst du denn besonders?Gisbert zu Knyphausen: Peterlicht mag ich sehr, sehr gerne. Und natürlich Element Of Crime. Sie waren lange Zeit die einzige deutschsprachige Band, die ich gehört habe. Ich beschäftige mich erst seit einigen Jahren intensiver auch mit Künstlern, die deutsch singen.
Crazewire: Du benutzt in deinen Texten eine sehr direkte Sprache. Denkst du viel darüber nach, wie die Worte, die du singst wirken?Gisbert zu Knyphausen: Wenn es unter meinem Namen läuft, muss es auch mit mir zu tun haben. Meine Lieder sind natürlich nicht eins zu eins autobiographisch, doch sie haben schon einen sehr persönlichen Ursprung. Ich habe am Anfang überhaupt nicht darüber nachgedacht, was es für eine Art von Sprache ist, aber je mehr Aufmerksamkeit das ganze bekommt, desto mehr fange ich an, darüber nachzudenken, welches Wort ich wie einsetze. Mir ist wichtig, dass man die Lieder verstehen kann, dass es also nicht zu verschwurbelt ist und keiner weiß, um was es eigentlich geht, es aber total hochgestochen klingt.
Crazewire: Du arbeitest häufig mit Zitaten aus englischsprachigen Songs. Da gibt es zum Beispiel Passagen von Bright Eyes oder diese Zeile „Gute Nachrichten, für alle die, schlechte Neuigkeiten so gerne mögen“, von Modest Mouse. Verfolgst du damit ein bestimmtest Ziel?Gisbert zu Knyphausen: Ich habe nicht so ein Sendungsbewusstsein, von wegen: „Leute, das müsst ihr euch anhören!“ Bei dem Modest Mouse-Zitat beispielsweise war es eher Zufall. Ich habe den Plattentitel gelesen, ohne die Musik zu kennen und die Zeile passte sehr gut in das Lied, was ich zu der Zeit geschrieben habe. Da dachte ich mir, ich klaue das jetzt einfach. Erst danach habe ich mir die Musik von denen dann angehört und finde sie auch sehr geil. Wichtiger ist es mir aber, dass ich live häufig Stücke von unbekannteren Songwritern spiele. Da möchte ich schon, dass die Leute sich das mal anhören.
Crazewire: Wenn man ein Ziel erreicht hat, kommt immer eine nächste Stufe, damit es im Leben weitergehen kann. Nun hast du dein Haldern-Ziel erreicht, wie sieht für dich nun diese nächste Stufe aus?Gisbert zu Knyphausen: Die muss ich mir noch ausdenken in den nächsten Tagen. (
lacht, Anm. d. Verf.) Ich will natürlich ein neues Album aufnehmen. Und eigentlich würde ich schon gerne mal eine Platte zusammen mit Tom Waits machen.
Crazewire: Wie sehen deine Pläne für die nähere Zukunft aus?Gisbert zu Knyphausen: Im Herbst gehe ich nochmal auf Tour, aber es stehen noch nicht alle Termine fest. Ich möchte dabei auch gerne in die Schweiz gehen. Außerdem sammle ich Lieder und hoffe, dass ich nächstes Jahr im Herbst dann eine neue Platte rausbringen kann und vorher vielleicht noch eine kleine EP.
Interview von:
Bastian Küllenberg & Sebastian Golla