DETAILS

Interpret:
Get Well Soon

Titel:
Ungelegte Eier

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Autor:
Marc-Oliver Pesch
Köln, 16.06.2008

INTERVIEWS

Get Well Soon - Ungelegte Eier

Get Well Soon - Ungelegte Eier

Dienstag, früher Abend. Köln auf der Schääl Sick – kurz vor dem Gebäude 9. Es beginnt zu regnen und dummerweise halte ich die Blätter mit den Stichworten für mein Interview mit Konstantin Gropper alias Get Well Soon direkt in der Hand, in der sich auch mein geschlossener Regenschirm befindet. Auf die Frage, warum ich ihn nicht geöffnet habe, gebe ich mir selbst die Antwort, dass ich mich nicht am Ende meiner Möglichkeiten befinden will. So viel dazu. Trotz verwässerter Fragen gelingt das Interview im Tourbüsschen der Band, während die Vorgruppe ihren Soundcheck absolviert.

Crazewire: Das ist deine erste Tour mit Get Well Soon, nachdem die Platte veröffentlicht wurde und die meisten Leute kennen die Stücke jetzt. Welche Erwartungen hast Du?

Konstantin Gropper: Ich kann nur sagen, der Vorverkauf lief extrem gut und hat die Erwartungen weit übertroffen. Das Konzert heute ist schon ausverkauft, soweit ich weiß, und damit hätte ich nicht gerechnet. Alles läuft bisher sehr gut. Die Clubs haben eine angenehme Größe und es scheint auch öfter mal voll zu werden. Darüber freue ich mich natürlich sehr.

Crazewire: Würdest Du das auch auf die positive Resonanz in der Presse zurückführen?

Konstantin Gropper: Bestimmt. Ich nehme es zumindest an. Die Resonanz in der Presse war schon extrem positiv, deshalb denke ich, dass die Leute darüber neugierig geworden sind. Aber man wird auch ein bisschen misstrauisch, wenn fast nur gelobt wird. Mir ging es auch so, dass ich dachte, ich habe etwas falsch gemacht, als ich nur gelobt wurde. Aber dann gehe ich jetzt mal davon aus, dass die Hälfte der Leute kommt, weil ihnen das Album gefallen hat und die andere, um zu sehen, ob die Vorschußlorbeeren berechtigt waren.

Crazewire: Es war zu lesen, dass Du an der Mannheimer Pop-Akademie studiert hast. Bist Du das Studium aus der Richtung angegangen, um an deinem Album zu arbeiten?

Konstantin Gropper: Nein, gar nicht. Das Projekt Get Well Soon und das Album habe ich komplett herausgehalten. Dort habe ich andere Projekte gemacht, das Projekt wollte ich da nicht einbringen, denn das sollte dann schon meins sein.

Crazewire: Was war eigentlich der Beweggrund an die Pop-Akademie zu gehen?

Konstantin Gropper: Gute Frage. Ich habe angefangen Philosophie und Germanistik zu studieren und dann gemerkt, dass ich doch Musik machen sollte. Dementsprechend war es ein gutes Ding, das ich einfach drei Jahre hatte, in denen ich nur Musik machen konnte. Das war es eigentlich schon. Ich habe zwar in der Zeit viele Leute kennen gelernt, mit denen ich jetzt zusammen arbeite. Aber es war auch die offizielle Ausrede drei Jahre nur Musik zu machen.

Crazewire: In deinen Pressetexten wird die Pop-Akademie nicht erwähnt. Gab es dafür bestimmte Gründe?

Konstantin Gropper: Wie schon gesagt, hatte die Pop-Akademie nicht direkt etwas mit Get Well Soon zu tun, daher taucht sie auch nicht in den Pressetexten auf. Das war eine bewusste Entscheidung, nicht weil es mir peinlich ist, sondern die Leute sollen die Musik wahrnehmen und nicht, dass ich an der Pop-Akademie war. Aber sie wird trotzdem immer zur Sprache gebracht.

Crazewire: Findest Du, dass ein Studium, wie es die Pop-Akademie anbietet, für die deutsche Musiklandschaft und die Musiker generell förderlich ist?

Konstantin Gropper: Es ist an der Pop-Akademie so, dass zwischen Musikdesign und Musikbusiness getrennt wird. Den Managementzweig finde ich schon gerechtfertigt, da es vorher nur eine Ausbildung als, ich glaube, Kaufmann für audiovisuelle Medien gab, aber eben kein Studium. Was das Musikmachen angeht war ich kritischer eingestellt und bin es nach wie vor. Ich finde grundsätzlich den Ansatz gut, dass man das Musikmachen professionalisieren kann, wenn man Musiker ist. Der Studiengang ist nur zur Hälfte praktisch, da einem auch Sachen wie Verlagsrecht, Steuerrecht usw. vermittelt werden. Es geht also darum, dass man sich als Musiker professionell durch das Leben schlagen kann und das finde ich schon sinnvoll.

Crazewire: Würdest Du sagen, dass sich durch das Musikdesign-Studium eine musikalische Strömung oder „Schule“ herausbildet, anhand derer man die Absolventen erkennen könnte?

Konstantin Gropper: Nein, eigentlich nicht. Das einzige was man sagen könnte ist, dass die Leute, die dort dozieren aus der Praxis kommen. Hauptsächlich sind es welche aus der Major-Industrie und die greifen auch auf ihre eigenen Erfahrungen zurück und erzählen, was bei denen erfolgreich war. Aber ich meine, dass man es für sich selbst entscheiden muss, was man davon annimmt und was nicht. Es gibt zwar auch einen nicht ganz ernst gemeinten Kurs „Wie schreibe ich einen Hit“, aber auch hier glaube ich kommt es auf einen selbst an, was man davon annimmt. Es gibt da keine Vorgaben und ich glaube nicht, dass die einen formen wollen. Was ich aber glaube ist, dass es eine bestimmte Gruppe von Leuten gibt, die die Pop-Akademie anspricht, weil das Ding Pop-Akademie heißt und es heißt auch zu recht so. Ich war da schon eher, ich sage mal, einer der Innovativeren.

Crazewire: Also Mainstream?

Konstantin Gropper: Ja, viele Leute aus dem Mainstream. Es waren dort nur vereinzelt Indie-Leute, aber es dozierten dort keine Indie-Leute. Deswegen konnte ich damit auch nicht viel anfangen, weil ich von dem Majorzeug nicht soviel halte. Aber grundsätzlich finde ich über die Zusammenhänge und was dort geschieht bescheid zu wissen nicht schlecht.

Crazewire: Bezogen auf die deutsche Musiklandschaft, meinst Du es gibt eine typisch deutsche Note?

Konstantin Gropper: Ich kann nur sagen, dass über meine Musik gesagt wird, dass sie nicht deutsch klingt. Und ich glaube, dass wird auch immer eher positiv gemeint. Ich selber kann damit nicht viel anfangen, weil ich auch nicht weiß wie deutsche Musik klingt, von der Sprache mal abgesehen. Ich versuche schon irgendwie internationale Musik zu machen, in dem Sinne, dass sie internationale Einflüsse hat. Aber es ist schwer zu sagen, die deutsche Musik hat eine eigene Note. Ich glaube eher nicht. Vielleicht im Bereich der klassischen Musik, die auch einen Einfluss auf meine Musik hat, aber das hat mit deutscher Popmusik nichts zu tun.

Crazewire: Wo wir gerade bei deinen Einflüssen sind. Hat zum Beispiel Ligeti, den Du als Einfluss nennst, Auswirkungen auf deine Musik? Ich finde der Song „Help to prevent forest fires“ klingt am Anfang bisschen nach Ligeti.

Konstantin Gropper: Du meinst ein bisschen clustermäßig. Nein, das war kein direkter Einfluss. Ich habe in anderen Projekten so was verarbeitet, aber ich würde sagen, dass das für Get Well Soon keine Rolle spielt.

Crazewire: Ist Get Well Soon eigentlich nur ein Projekt für Dich, das mit dem Album abgeschlossen ist oder wirst Du noch mehr unter dem Namen machen?

Konstantin Gropper: Get Well Soon habe ich als Namen für mein Soloprojekt gewählt, unter dem ich meine Sachen veröffentlichen werde. Ich habe schon vor, das weiter beizubehalten.

Crazewire: Also nicht neues Projekt, neuer Name?

Konstantin Gropper: Eigentlich nicht, außer ich mache musikalisch etwas ganz anderes. Aber Get Well Soon wird es immer nebenher geben.

Crazewire: Wie ist es eigentlich zu dem Namen gekommen?

Konstantin Gropper: Der Name ist gar nicht mir eingefallen, sondern einem Freund und ich fand ihn sehr passend für meine Musik und für meine Texte. Es hat sehr simpel das getroffen, was ich eigentlich aussagen wollte. Ich fand ihn einfach als Bandnamen sehr speziell.

Crazewire: Du beziehst Dich gerade auf deine Texte. Du hast Germanistik studiert, warum textest oder singst Du nicht deutsch?

Konstantin Gropper: Ich habe schon immer auf Englisch getextet, seit ich Texte schreibe. Ich höre zwar deutschsprachige Musik, aber es liegt daran, dass ich, als ich mit dem Musikmachen anfing, nur englischsprachige Musik machen wollte. Und mittlerweile geht es mir leichter von der Hand als deutsche Texte. Ich habe es ein oder zwei mal probiert, aber es hat nie wirklich funktioniert. Es passt auch einfach besser zu meiner Musik.

Crazewire: Zum Abschluss, hast Du schon neue Projekte in Sicht, die nach der Tour anstehen?

Konstantin Gropper: Als erstes geht nach der Tour die Festivalsaison los und dann mache ich vielleicht noch etwas Filmmusik oder vielmehr will ich das machen.

Crazewire: Hast Du schon Angebote dafür?

Konstantin Gropper: Ja, habe ich, aber das ist alles noch nicht ganz spruchreif.

Crazewire: Was wird das von der Richtung her – ein Independent- oder Mainstreamfilm?

Konstantin Gropper: Beides, etwas größeres und etwas kleineres, aber ich will nicht über ungelegte Eier reden. Definitiv kann ich sagen, dass ich dieses Jahr noch Filmmusik machen werde und keine Zeit habe, ein neues Album in Angriff zu nehmen. Wahrscheinlich wird das Anfang nächsten Jahres passieren.

Crazewire: Vielen Dank für das Interview!


 

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