Interpret:
Future Islands
Titel:
Post-Wave-Dance-Band
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 09.02.2009
Am Anfang stand die Freundschaft. Nach dem gemeinsamen Projekt Art Lord & The Self-Portraits gründeten Sänger Samuel „Sam“ Herring, Keyboarder Gerrit Welmers und Bassist William Cashion vor gut zwei Jahren schließlich Future Islands, die mit „Wave Like Home" eines der Highlights 2008 veröffentlichten. Da die ganz große Aufmerksamkeit aber leider ausblieb, möchte Crazewire es nicht versäumen, nun, wo die Band in Deutschland unterwegs ist, noch einmal ausführlich und ausdrücklich auf diese famose Post-Wave-Kapelle hinzuweisen.
Crazewire: Ihr beide kennt euch ja bereits eine ganze Zeit. Wie hat es denn mit Future Islands angefangen?
Sam: Art Lord wird immer ein wichtiger Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte sein. Es war meine erste Band und sie änderte mein Leben. Gerrit und ich sind beste Freunde seit der High School und William war mein erster guter Freund, den ich an der Kunstschule kennengelernt habe. William und ich beschloßen mit einigen anderen Freunden eine Performance-Gruppe zu gründen und auf Privatparties zu spielen. Gerrit kam bald nach den ersten Shows dazu. Da William der einzige richtige Musiker war, bestanden unsere Auftritte anfangs aus eher losen Zusammenstellungen von Songs. Das änderte sich, nachdem Gerrit einstieg und die Chemie zwischen den beiden stimmte auf Anhieb. Aus den frühen, eher humorigen Nummern erwuchsen so bald ernsthaftere, ehrlichere Songs, doch wir wurden das Label einer „funny band“ nie wirklich los. Im September 2005 lösten wir Art Lord auf, spielten einige Abschiedskonzerte und hängten unsere Bühnenkostüme an den Nagel. Ungefähr fünf Monate später fiel uns ein, dass wir für eine Tour mit unseren Freunden The Texas Governor geplant hatten, also baten wir unseren Kumpel Erick Murillo, der mittlerweile leider wieder ausgestiegen ist, die Drums zu spielen, schrieben sieben neue Stücke und buchten die Konzerte. Das war der Anfang von Future Islands.
Crazewire: Das Label nennt euch auf ihrer Homepage eine Post-Wave-Dance-Band, stimmt ihr da zu?
Sam: Dabei handelt es sich ursprünglich um den Begriff, den wir selbst immer benutzen. Unsere Musik wurde schon immer sehr durch Post-Punk und New Wave inspiriert, auch wenn wir keines von beidem sind. Ich mag es einfach, mir vorzustellen, als tauchten wir aus dem Schutt auf, nachdem eine große Welle alles zerstört hat. That’s Post-Wave.
Crazewire: Euer Album hat mich in manchen Momenten an TV On The Radio erinnert. Waren sie ein Einfluss?
Sam: Ich halte diese Kerle für brillant, aber ich würde nicht sagen, dass sie unsere Musik so direkt beeinflusst haben.
Crazewire: Wer sind denn die Künstler und Alben, die euch inspirieren?
William: Die Musiker, die uns beeinflussen, sind zu viele, um alle zu nennen. Innerhalb der Band gibt es da eine weite Bandbreite an Vorlieben. In letzter Zeit habe ich viel OMD gehört. Wir sind außerdem alle langjährige Fans von The Cure, Aphex Twin, The Smiths und den Magnetic Fields.
Crazewire: Wie funktioniert das Songwriting bei euch?
William: Wir folgen dabei keinem einheitlichen Schema. Üblicherweise haben Gerrit oder ich eine Grundidee und wir setzen uns dann zusammen und jammen, bis wir wissen, in welche Richtung das Lied gehen soll. Sam beobachtet uns dabei und hilft, die Ideen und Melodien zu arrangieren. Die Stücke auf „Wave Like Home“ wurden auf eine sehr organische Art, während einer Reihe von Jam Sessions geschrieben, als wir noch einen Schlagzeuger hatten.
Crazewire: Auf mich wirkt euer Album, als kombiniere es Melancholie mit einer Stimmung des euphorischen Aufbruchs. Habe ich euch richtig verstanden?
William: Ich sage immer, wir spielen fröhliche Musik mit traurigen Texten.
Gerrit: We try to communicate every feeling.
Crazewire: Ihr kombiniert mit Future Islands Rock-Elemente mit reduzierten, minimalistischen Elektro-Beats. Wo seht ihr selbst eure Band, in einem Club, oder bei einer Rockshow?
William: Da wir in beiden Varianten in der Vergangenheit gespielt haben, kann ich sagen, ich fühle mich bei einer Rockshow deutlich wohler. Ich glaube, die Leute auf Rockkonzerten haben kein Problem damit, wenn das Venue durch die Band in einen Dance-Club verwandelt wird. Dagegen denke ich, Clubgänger drehen durch, wenn wir versuchen ihre Dance-Party in eine Rockshow zu ändern.
Crazewire: Ist es schwer, eure Songs live umzusetzen?
William: Wir schreiben und performen jetzt seit über fünf Jahren zusammen, es gibt daher also eine Art natürlicher, guter Chemie zwischen uns dreien. Es ist immer schwierig, brandneue Songs live zu spielen und die richtigen Akkorde zu spielen, wenn der Chorus startete oder endet, aber nach einige Wochen auf Tour, wird das Auftreten zur zweiten Natur.
Crazewire: Im Februar kommt ihr auf eurer Tour auch nach Deutschland. Wird das der erste Ausflug nach Europa?
William: Keiner von uns war jemals in Europa. Das erste Mal, dass wir das Land verlassen haben, war vor einigen Monaten, als wir einige Konzerte in Kanada spielten. Wir sind super aufgeregt, die Möglichkeit zu haben, in Europa zu touren.
Crazewire: Letzte Frage, was denkt ihr, wie sind die Leute so, die eure Musik mögen?
William: I think they have good taste in music!