DETAILS

Inpterpret:
Filthy Dukes

Titel:
Bloß nicht festlegen

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Autor:
Kai Töpel
Dresden, 31.08.2009

INTERVIEWS

Filthy Dukes - Bloß nicht festlegen

Filthy Dukes - Bloß nicht festlegen

Vom Wunsch, DJs zu werden, zu den heißesten Party-Veranstaltern in London, zu einer gefeierten Band: FIlthy Dukes haben in den letzten fünf Jahren wirklich alles erreicht, was sie sich wünschen konnten. Während ihre Partyreihe Kill Em All schon ohne sie ganz gut auskommt, touren die Jungs als Band durch die Welt und  nutzten die Möglichkeit, um mit alten Freunden ein Album aufzunehmen. Wie genau der Übergang vom DJ zur Band für sie funktionierte und wie sie es schaffen, neun verschiedene Gast-Sänger auf ihrem Album „Nonsense In The Dark“ live zu ersetzen, erzählten uns Tim Lawton und Olly Dixon im Interview.

Crazewire: Erzählt mal was zu eurer Partyreihe Kill Em All. Wie kam es dazu?

Olly Dixon: Das hat vor fast fünf Jahren angefangen. Wir hatten Lust aufzulegen, aber niemand wollte uns booken. Also haben wir uns entschieden es selbst in die Hand zu nehmen und einen eigenen Club zu gründen. Unser Club war damals in Camden, ein Viertel, indem Indie sehr groß ist. Gleichzeitig hat sich viel in der Gegend bewegt, neue Labels wurden gegründet und uns hat das alles richtig gut gefallen. Wir fingen dann an, Daft Punk auf Indie-Parties zu spielen, was anfangs gar nicht funktioniert hat. Dann wurde die Sache immer größer und größer, wir fingen an ein paar junge Bands bei uns spielen zu lassen und haben frühe Konzerte von Bands wie Bloc Party und Late Of The Pier bei uns gehabt. Wir haben es dann ins Fabric verlegt, da war es das selbe Konzept, nur noch etwas größer.

Tim Lawton: Dort wurde es vielleicht noch etwas tanzbarer, weil wir einerseits größere DJs wie Justice buchen können, aber auch eine bessere Clubatmosphäre haben.

Olly Dixon: Es ist einfach diese seltsame Kombination, Macabees im Konzert zu sehen und dann danach zu Para One abzutanzen. Wie gesagt, wir führen weiterhin den Club und lieben es. Wir machen in letzter Zeit öfters auch kleinere Abende, um wieder jungen Bands die Chance zu geben bei uns zu spielen. Passend dazu wird es ein Kill Em All Plattenlabel geben, mit dem wir zum Beispiel vor kurzem We Have Band unter Vertrag genommen haben.

Crazewire: Bei euch geht es also besonders um die Mischung aus Livebands und DJ-Sets. Das klingt von der Idee auch sehr nach dem Melt! Festival. Jemals darüber nachgedacht auch ein Festival auf die Beine zu stellen.

Olly Dixon: (Lacht, Anm. d. Verf.) Wir waren beide schon in Festivals involviert und wir wissen wie einfach es ist mit ihnen Geld zu verlieren. Wir hätten aber auch einfach keine Zeit dafür, zwischen den Verpflichtungen in unserem Club, den DJ-Sets und der Band. Wenn uns jemand mit einem riesigen Betrag absichern würde, dann vielleicht.

Tim Lawton: Es ist einfach ein Fulltime Job, ein Festival zu betreiben. Das können wir im Moment nicht schaffen.

Crazewire: Reden wir ein wenig über eure Band. Wie entstand aus DJ-Sets und eurer Party dann die Band Filthy Dukes?

Tim Lawton: Es hat begonnen, als wir auf Tour mit The Rakes waren. Deren Manager meinte er mag unsere Arbeit als DJs und hätte es gern, wenn wir einen Remix machen. Wir hatten aber nicht das nötige Equipment dafür. So haben wir uns mit unserem dritten Mitglied Mark Ralph zusammengeschlossen und fingen an, zusammen Remixe zu machen. Wir hatten viele tolle Ideen, die wir gar nicht in den Remixen unterbringen konnten, weshalb wir uns entschieden haben, selbst Musik zu machen. Daraus entstand das Album, aber uns war wichtig, dass es nicht dabei bleibt. Wir wollten unbedingt auf Tour. So ist die jetzige Band FIlthy Dukes entstanden.

Crazewire: Was macht euch mehr spaß, in Clubs auflegen oder auf der Bühne als Band im Rampenlicht stehen?

Olly Dixon: Das ist wirklich eine schwere Frage, weil wir beides lieben. Wir haben gestern noch aufgelegt und es hat uns wieder sehr viel Spaß gemacht. Aber da ist was Besonderes daran auf der Bühne zu stehen und seine eigene Musik zu spielen. Im Speziellen, weil die Leute jetzt unser Album kennen und die Texte mitsingen. Die Reaktion des Publikums gibt dem Ganzen noch einen neuen Kick.

Crazewire: Ich hab grad vor kurzem erst die Soulwax DVD gesehen und auf der sagt James Murphy von LCD Soundsystem und DFA, das DJ der wohl leichteste Job der Welt ist und deswegen jeder DJ für mindestens ein Jahr in einer Punk Band spielen sollte, um zu wissen, wie hart das eigentlich ist. Was sagt ihr jetzt dazu, nachdem ihr beides gemacht habt?

Tim Lawton: (Lach, Anm. d. Verf.) Das ist wirklich wahr. Es ist echt schwer in einer Band zu sein. Als DJ wird man besser bezahlt, kriegt tolle Hotels, wird vom Flughafen abgeholt und wieder hingefahren. Als Band schlafen wir meist in schlechten Hotels, es wird sich nicht so gut um einen gekümmert. Außerdem hat man andauernd Probleme mit dem Equipment. Zum Beispiel fehlen ein paar Instrumente von uns, weil sie auf dem Weg abhanden gekommen sind. Da hatten wir richtig Stress, um es irgendwie anders zu organisieren. Es ist physisch und psychisch weitaus anstrengender, aber dafür ist die Belohnung auf so einer Bühne zu stehen und mit Fans zu feiern viel größer. Ich weiß nicht wie lang ich auf so einer Tour sein könnte. Wenn ich touren müsste, wie manch andere Band, würde ich wahrscheinlich sterben.

Crazewire: Auf eurem Album arbeitet ihr mit neun verschiedenen Künstlern zusammen, die auf euren Tracks singen. Wie kriegt ihr es hin, das auf die Bühne zu kriegen?

Olly Dixon: Das war ein wirkliches Problem für uns, weil wir uns wirklich lang den Kopf darüber zerbrochen haben, wie wir das auf die Bühne kriegen wollen. Dann stellte sich heraus, dass Tim sehr gut singen kann. Am Anfang war es recht schwer unseren Sound zu finden, aber jetzt haben wir etwas mehr Übung. Es ist natürlich schon anders als auf dem Album, dafür fehlen uns einfach die anderen Künstler. Aber es hat uns schon überrascht, wie gut wir geworden sind.

Crazewire: Habt ihr denn die Lieder jeweils den Künstlern auf den Leib geschrieben oder waren die Songs schon fertig, bevor ihr die verschiedenen Sänger gefragt habt?

Olly Dixon: Das Lied war zumeist schon fertig. Unser Vorteil war aber einfach, dass wir kein unbeschriebenes Blatt waren, da sie uns als DJs kannten. Viele der Bands und Künstler haben bereits bei uns im Kill Em All gespielt. Wir haben also nicht einen Song gemacht und ihn an fünf verschiedene Personen geschickt und gehofft wieder etwas zurück zukriegen, sondern wir wollten schon bestimmte Sänger für bestimmte Songs. Zum Glück hat das alles auch genauso hingehauen, wie wir uns das erhofft haben.

Crazewire: Eins meiner Lieblingslieder auf dem Album ist „Nonsense In The Dark“ zusammen mit The-Maccabees-Sänger Orlando Weeks. Wusstet ihr da schon, dass er genau diese Zeile auch im Lied „William Powers" auf ihrem aktuellen Album verwendet.

Olly Dixon: Ja, er hat uns erzählt, dass diese Zeile in einem Lied von ihnen vorkommt. Es würde ihm aber nicht gefallen, weshalb es nicht aufs Album kommen würde. Scheinbar hat er seine Meinung jetzt geändert (lacht, Anm. d. Verf.). Es stimmt, uns gefällt der Song auch richtig gut. Orlando Weeks ist einfach ein großartiger Typ und ein unglaublicher Sänger. Er kam einfach ins Studio und nahm einen zwölf-minutigen Gesangstrack auf. Dieser Song hat uns viel Anstrengung gekostet, aber jetzt sind wir sehr froh, dass er es aufs Album geschafft hat.

Crazewire: Das Album ist ziemlich wild durchgemischt mit Electro, Hip Hop und Indie. So eine Mischung kann schnell nach hinten losgehen.

Olly Dixon: Ja, es stimmt, es ist schwer uns in irgendeine Schublade zu stecken. Viele Leute wissen nicht, was genau wir sind, aber das ist okay, denn wir wissen es auch nicht. Man versteht es glaube ich besser, wenn man uns das erste Mal live sieht. Wir mögen einfach Musik. Ich denke wenn man älter ist, öffnet man sich einfach in viele Richtungen und wir hätten es einfach nicht geschafft, uns auf einen Sound festzulegen.

Crazewire: Trotzdem gab es ja die Gefahr, gerade mit den vielen verschiedenen Sängern, dass daraus ein reines Mixtape wird anstatt eines Albums.

Olly Dixon: Sicherlich, aber durch die Art wie wir das Album produziert haben, wir haben jedes Lied auf den gleichen Instrumenten aufgenommen, war klar, dass eine homogener Sound dabei herauskommt. Das hält das ganze Album zusammen.

Crazewire: Bei Rezensionen zu euem Album wird jedes Lied meist mit irgendeinem anderen Künstler gleichgesetzt, nach dem Motto: „Das hier ist der Justice Track, das hier der Vitalic Track“. Besonders weil ihr schon so lange als DJs unterwegs seid und die Songs anderer gespielt habt, geht ihr da lockerer mit um oder stören euch die ganzen Vergleiche?

Olly Dixon: Ich denke es ist eine natürliche Sache, weil es viel einfacher ist eine Band mit anderen zu vergleichen, um sie zu beschreiben.

Tim Lawton: Solang es jemand Gutes ist, macht es mir nichts aus (lacht, Anm. d. Verf.). Wenn es jemand ist, den du hasst, dann stört das schon. Wir wurden vor kurzem verglichen mit einer Band, ich werde jetzt nicht sagen mit welcher, die wir wirklichen hassen. Da dachten wir auch nur: Scheiße.

Olly Dixon: Natürlich haben wir auch Einflüsse von 80ties Pop und Krautrock, weil wir das viel gehört haben, aber es ist auch klar, dass die größten Einflüsse Bands wie LCD Soundsystem, Simian und Soulwax sind. Das sind gute Freunde von uns und sie haben in unserem Club gespielt.

Crazewire: Wie werden Filthy Dukes in Zukunft aussehen? Schließlich habt ihr ja jetzt einen offiziellen Sänger, wird es da noch Kollaborationen mit anderen Künstlern geben?

Olly Dixon: Es wird sicherlich ein paar geben, aber nicht ansatzweise so viele wie auf dem letzten Album. Tim wird weitaus mehr singen und außerdem werden wir mehr instrumentale Tracks haben, als noch auf unserem Debüt. Ich denke das Verhältnis davon wird 50:50 sein.

Tim Lawton: Es wird sehr interessant für uns sein, weil wir beim zweiten Album einen ganz anderen Ansatz haben, als noch bei Ersten. Wir haben jetzt schon seit einem Jahr in einer Band gespielt und verglichen zum ersten Album haben wir wieder ganz andere, frische Ideen.

 

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