Interpret:
Fenech-Soler
Titel:
„Das Beste ist, dass man ernst genommen wird“
Autor:
Lisa Bertram
Köln, 07.12.2011
Während der Rest der Band beim Vietnamesen um die Ecke in Ruhe zu Ende essen durfte, hat Crazewire sich den Schlagzeuger Andrew Lindsay und den Gitarristen Ross Duffy von Fenech-Soler geschnappt, um mit ihnen über die Plagen und Freuden des Newcomer-Daseins zu sprechen. Nachdem die vier Jungs aus Kings Cliffe von B-Unique unter Vertrag genommen wurden, erschien im letzten Jahr in Debüt „Fenech-Soler“, jetzt folgt nach einigen Festival-Auftritten die erste eigene Tour...
Crazewire: Wie geht‘s euch? Wie läuft die Tour soweit?
Andrew: Uns geht‘s super, danke.
Ross: Ja, wir haben eine gute Zeit hier. Es ist unsere erste Europa-Tour als Headliner. Wir waren bis jetzt in Polen und dann in Hamburg und Berlin. Hamburg war wirklich großartig, wir waren überrascht von der Gegend und den Leuten. Außerhalb von Großbritannien spielen wir in Deutschland am liebsten. Wir haben nirgendwo mehr Fans als hier.
Andrew: Auch wenn hier jede Stadt eine eigene Klimazone hat. Gestern in Hamburg war es warm und sonnig und heute in Köln regnet es die ganze Zeit.
Crazewire: Ihr alle kommt aus Kings Cliffe, einem 1000 Seelendorf nahe Northamptonshire. Habt ihr dort immer daran gedacht, Musiker zu werden?
Ross: Mein Bruder Ben und ich, Ben ist unser Sänger, kommen aus einer sehr musikalischen Familie. Wir wollten schon immer Musik machen und in einer Band spielen. Wir lieben Musik, schauen uns gerne Bands auf Tour an und all das. Das wollten wir auch.
Andrew: Ich hatte Musik in der Schule und an der Uni. Es gab eigentlich nie einen Plan, dies oder das zu tun. Ich habe einfach gemacht was ich wollte, anstatt irgendwas zu planen.
Crazewire: Bedeutet Musikmachen für euch, aus dem Dorf hinaus in die Welt zu ziehen?
Andrew: Es hat uns zumindest hierher gebracht (lacht, Anm. d. Verf.).
Ross: Es hat uns definitiv zu anderen Orten geführt, auch wenn Kings Cliff nicht so klein war. Es gab ja noch andere Städte in der Nähe und einige Leute gab es dort schon. Es ist aber großartig, mit einer Band zusammen durch Europa reisen zu können. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so lange reisen könnte wie jetzt auf der Tour. Zu Orten, bei denen ich auch nie erwartet hätte, dass ich sie besuchen würde.
Crazewire: Ross, du und dein Bruder Ben habt damals in euren Schlafzimmern mit der Musik angefangen. Haben die alten Zimmer inzwischen ausgedient?
Ross: Wir arbeiten immer noch in unseren Zimmern! Ben, Andrew und ich haben in unserem Zimmern jeweils ein Studio. Zwischen denen nehmen wir auf und wenn wir nicht gerade auf einem Festival oder auf Tour sind, arbeiten wir dort. Wir haben da das gesamte Album aufgenommen und wir werden auch das zweite darin aufnehmen. Es ist so gemütlich.
Crazewire: Zu euren Einflüssen zählen Soulwax, die Chemical Brothers und Daftpunk. Wollt ihr jetzt auch die Menge zum Tanzen bringen?
Andrew: Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen. Wir machen Popsongs, Tanzmusik. Die Auftritte machen mehr Spaß, wenn das Publikum tanzt, das gibt uns Energie auf der Bühne. Wenn sie nicht tanzen, machen wir irgendetwas falsch.
Crazewire: Habt ihr immer daran gedacht, elektronische Musik zu machen oder habt ihr verschiedene Stile durchprobiert?
Ross: Bevor wir Fenech-Soler gegründet haben, hatten wir alle in verschiedenen Bands gespielt. Da gab es die verschiedensten Stile. Uns war schnell klar: Fenech-Soler ist Tanzmusik, und das muss auch elektronisch sein. Wir wollen aber auch Live spielen und deswegen haben wir die klassische Besetzung mit Gitarren, Schlagzeug und Bass. Es kommen dann eben noch die Synthesizer dazu. Wir wollen eine möglichst traditionelle Band sein, der man zuschauen kann, auf keinen Fall nur so zwei Typen vor nem Laptop.
Crazewire: Entdeckt haben euch Groove Armada bei einem Auftritt und bald darauf klopfte auch das Label an die Tür. Was hat sich seitdem verändert?
Andrew: Zwei Monate nachdem wir unter Vertrag genommen wurden, kam unser Album heraus. Wir spielten seitdem wesentlich öfter, vor allem auf Festivals, schließlich mussten wir den Leuten zeigen, dass es uns gibt, wer wir sind. Das soll nicht kommerziell klingen, aber wir hatten immerhin ein Album zu promoten. Das Beste ist, dass man ernster genommen wird. Das ist die größte Veränderung. Man wird als Band ernst genommen.
Ross: Das Spielen auf Festivals ist immer eine große Aufgabe. Das Publikum kennt einen meistens nicht, deswegen sind wir eine Art Überraschung. Die Leute wissen nicht, was sie erwarten sollen. Da muss man Überzeugungsarbeit leisten, um neue Leute für sich zu gewinnen. Unsere Headliner-Tour jetzt ist toll. Die Leute kennen uns und kommen nur für uns zu den Konzerten. Das macht uns sehr glücklich.
Crazewire: Seid ihr trotz Tour denn auf dem Boden geblieben?
Andrew: Jap. Definitv. Wenn man so viele Stunden in einem Van verbringt, um damit tausende Kilometer durchs Land zu fahren, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als auf dem Teppich zu bleiben.
Ross: Im Tourbus ist kein Platz für Diven.