Interpret:
Fabian Töpel
Titel:
c/o pop 2011 - Eine Mischung aus Tradition und Progression
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 29.06.2011
Er ist einer von uns. Aber seit über einem Jahr ist Fabian Töpel als Redakteur fest in das Geschehen rund um die c/o pop samt C'n'B eingebunden. Seine Aufagaben sind vielschichtig und von Wichtigkeit für die Präsentation und Planung für das urbane Festival. Im Interview mit Bastian Küllenberg erzählt er von seinen Eindrücken der diesjährigen c/o pop, der Marke Köln, konzeptionellen Veränderungen und Traditionen.
Crazewire: Du hast 2011 zum zweiten Mal als Online Coordinator für c/o Pop und C'n'B gearbeitet. Bitte beschreibe kurz deinen Aufgabenbereich.
Fabian Töpel: Bei c/o pop habe ich nach meinem Studium im November 2009 angefangen. Zu meinen Aufgaben gehörte seitdem c/o pop & C’n’B im Netz möglichst effektiv aufzustellen. Zu dem Zeitpunkt waren unsere Hauptkommunikationskanäle Myspace und unser Newsletter, zu dem ich in den letzten 1,5 Jahren eine Art Hassliebe entwickelt habe. Zu meinen Hauptaufgaben gehörte daher die Etablierung der Marke c/o pop im sozialen Web und in diesem Jahr die Konzipierung einer neuen Webseite. Durch den recht basisdemokratischen Aufbau unserer Firma habe ich aber auch Mitspracherechte sowohl was das Programm angeht, als auch bei der Entwicklung unserer jährlich wechselnden Kampagnen.
Crazewire: Was hat sich an C'n'B und c/o Pop im Vergleich zum Vorjahr verändert? (Wo konnte z.b. aus Fehlern gelernt werden?)
Fabian Töpel: Das Jahr 2010 war für die c/o pop sehr ereignisreich. Schließlich haben wir den Termin des Festivals von August auf Juni gelegt, was nicht nur positives Feedback zur Folge hatte. Außerdem haben wir die C’n’B Convention ins Leben gerufen, um uns vom Konzept eines reinen Musikkongresses zu verabschieden und uns breiter in der Kreativwirtschaft aufzustellen. Gerade für das Festival war es 2010 daher ein enorm schwieriges Jahr, da wir mitten in den Festivalsommer gezogen sind und zeitgleich die WM stattgefunden hat und die Leute lieber im Biergarten versackt sind als auf Konzerte zu gehen. Ein weiteres Problem im letzten Jahr waren die Festivalticketinhaber, die zum Teil nicht auf die von ihnen gewünschten Konzerte gehen konnten, da sich die Einlasssituation in kleineren Venues hier und da schwierig gestaltet hat. Wir haben daher im Nachgang eine genaue Fehleranalye betrieben und versucht die teils strukturell bedingten Probleme zu lösen. In Folge dessen haben wir beispielsweise die vielen lokalen Shows, die immer parallel zum Festival stattfanden, bewusst aus dem Kernfestival herausgenommen und sie unter dem Begriff OFF c/o pop neu positioniert. So konnte man den lokalen Veranstalter und ihren Partys ein eigenes, von uns unabhängiges Forum geben, welches das Festival trotzdem inhaltlich bereichert hat. Zusätzlich haben wir sehr präzise Timetables erarbeitet, die Ticket-Kontingente sorgfältiger ausbalanciert und viel mit dem Besucher kommuniziert. So gabe es 2011 bis auf eine kleine Ausnahme keine nennenswerten Probleme für die Käufer eines Festivaltickets.
Crazewire: 2011 wurde das Festivalhauptquartier der c/o Pop um den Bahnhof Köln-West aufgeschlagen, was zu einer gewissen Zentralisierung der Veranstaltung beigetragen hat. Wie kam es zu der Entscheidung? (Wie bewertest du es?)
Fabian Töpel: Der Stadtgarten ist für viele Mitarbeiter im Team eine sehr prägende Location gewesen. Mein Chef Norbert Oberhaus war jahrelang für das Konzert- und Partyprogramm im Stadtgarten zuständig. Tobias Thomas und Ralph Christoph haben dort ihre Total Confusion vor 13 Jahren gestartet. Auch bei der von uns veranstalteten Cologne Music Week im Januar dienen Stadtgarten und Studio 672 als Festivalzentrale. Daher war die Entscheidung, diesen besonderen Ort zwischen Belgischem Viertel und Ehrenfeld, den angrenzenden Hans-Böckler-Platz samt Zum Scheuen Reh und dem neueröffneten Club Gewölbe zur miteinander vernetzten c/o pop Zentrale zu machen, recht naheliegend. Genau diese zentrale Anlaufsstelle hatte uns im letzten Jahr gefehlt. Für ein urbanes Festival, bei dem viele Konzertentscheidungen erst sehr kurzfristig gefällt werden, ist es enorm wichtig, einen Treffpunkt zu haben, an dem man in den Abend startet und Pläne schmiedet. Auch die Tatsache, dass Das Scheue Reh tagsüber umsonst eine Bühne für Showcases kleiner Labels und internationale Nachwuchskünstler geboten hat, war Gold wert.
Crazewire: Im Rahmen der c/o Pop gab es in diesem Jahr sehr viele Minimal Techno oder Electro-Acts zu sehen, die man über das Jahr verteilt in den einschlägigen Clubs der Stadt erleben kann. Ist es euch wichtig, im Programm einen "Kölner Sound" zu repräsentieren?
Fabian Töpel: c/o pop ist 2004 als ein Festival für elektronische Popkultur gestartet und hat sich seitdem mehr und mehr auch anderen Musikstilen gegenüber geöffnet. So war der Anteil an klassischen Bandprojekten in diesem Jahr gefühlt der höchste seit Bestehen der c/o pop. Dennoch stehen wir auch für eine Mischung aus Tradition und Progression. Köln bzw. das Rheinand sind im Ausland immer noch für Krautrock und Techno bekannt. Wenn man den Namen Kompakt erwähnt, bekommen Leute in New York oder Madrid noch immer große Augen. Daher ist es wichtig Musik aus Köln, gern auch als “Sound of Cologne” bezeichnet, zu fördern und einem internationalen Publikum vorzustellen. Was mir in diesem Jahr aufgefallen ist, wieviele klassische elektronische Acts sich mehr und mehr Richtung einer organischen Band entwickeln. Beste Beispiele dafür sind Apparat oder The Brandt Brauer Frick Ensemble aber auch Nachwuchsacts wie Aroma Pitch, die sich mit ihrer Partyreihe Cologne Sessions der Live-Elektronik verschrieben haben.
Crazewire: Es gibt Musikstile die bei der c/o Pop nie oder nur sehr sporadisch gefeatured werden, zum Beispiel Soul, Punk Rock oder Folk. Was sind die Faktoren anhand derer das Programm gebucht wird?
Fabian Töpel: Für alle drei genannten Musikstile könnte ich dir Beispiele aus unserem diesjährigen Line Up nennen. Soulkünstlerin Janelle Monaé, Emo/Punkrock von City Light Thief oder Weirdo Folk von Touchy Mob. Insgesamt versuchen wir schon ein recht breites Spektrum anzubieten und Trends zu antizipieren und viele Künstler schätzen auch die c/o pop inzwischen als Sprungbrett ins größere Popbusiness.
Crazewire: Was waren deine musikalischen Höhepunkte der diesjährigen c/o Pop?
Fabian Töpel: Insgesamt war das Niveau aller Konzerte, die ich in diesem Jahr gesehen habe, sehr hoch. Angefangen von der großartigen Show von Janelle Monáe, über die erfrischenden Chuckamuck bis hin zu den Durchstartern von Wu Lyf und dem phrenetisch gefeierten The Brandt Brauer Frick Ensemble. Ein Höhepunkt war aber auch sicherlich der entspannte Open Air Abschluss am Aachener Weiher am Sonntag, an dem die Playground Love bzw. Comeme Crew um Christian S. und Matias Aguayo nochmal zum Tanz gebeten hat.
Crazewire: C'n'B und c/o pop sind überstanden, bitte zieh' ein kurzes Fazit.
Fabian Töpel: Ich bin erschöpft aber glücklich, die letzten 5 Tage waren voller Streß und gleichzeitig vieler schöner Momente. Manchmal kam ich mir in Anbetracht der enorm vielen bekannten Gesichter vor wie auf einer langen Geburtstagsparty. So war auch Zach Klein, neben kleinerer Seiten wie vimeo auch ursprünglicher Gründer von crazewire.com zu Gast und hat auf der C’n’B gesprochen.