DETAILS

Interpret:
Enter Shikari

Titel:
Über das Leben in einer Seifenblase

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Autor:
Julia Seiffert
Köln, 12.10.2011

INTERVIEWS

Enter Shikari - Über das Leben in einer Seifenblase

Enter Shikari - Über das Leben in einer Seifenblase

Es ist wohl einer der letzten schönen Herbsttage diesen Jahres. Die Luft schmeichelt wie eine warme Brise, draußen strömt die Hektik des Alltags durch die Gassen, nur im Hinterhof des Kölner Gloria bekommt man absolut nichts vom Trubel mit. Ein ruhiger und gelassener Ort im Schatten der Mittagssonne. Früh ist es und man wundert sich, wie ausgeschlafen und gut drauf Chris Batten und Rob Rolfe von Enter Shikari doch sind, zumal sie gerade hunderte Kilometer im schwitzigen Bus von Luxemburg nach Deutschland reisten. Da vergisst man schnell, dass man 45 Minuten auf die Jungs warten musste. 

Crazewire: Zu allererst: Gratulation! Über die Hälfte eurer Tour in Europa ist ausverkauft. Vor ca. vier Jahren seid ihr noch als Vorband von Billy Talent aufgetreten und mittlerweile könnt ihr an diese Erfolge anknüpfen und selbst die Hallen füllen. Was ist das für ein Gefühl?

Rob: Man spielt tausende Kilometer weit weg von zu Hause, wo man die Sprache oft nicht sprechen kann und man manchmal gar nicht genau weiß, wo man ist. Da sind hunderte von Leuten, die nur für die Show da sind und die Texte mitsingen können. Das ist ein wirklich großartiges und fantastisches Gefühl für uns. 

Crazewire: Was hat sich seit dieser Tour für euch verändert?

Chris: Es ist eigentlich dasselbe. (lacht, Anm. d. Verf.) Das einzige, was sich seitdem verändert hat ist, dass wir um einiges mehr unterwegs sind. Billy Talent war die erste Tour, die wir außerhalb des UK gemacht haben. Es überstieg jede Vorstellungskraft und war einer wundervolle Erfahrung mit ihnen zu spielen und im Tourbus abzuhängen. Seitdem haben wir angefangen eigene Headline-Shows zu spielen und in Europa zu Touren. Deutschland war dabei ein Ort, den wir als erstes mitnahmen. Also, nichts hat sich wirklich verändert, wir sind nur nicht mehr sooft zu Hause. 

Crazewire: Nochmal zu eurer Tour mit Billy Talent: Ich habe euch damals selbst als Vorband in Frankfurt live erleben dürfen und war mächtig beeindruckt von eurer bombastischen Livepräsenz mit Laser-Show und dem ganzen Rumgetanze. Wie kommt ihr auf solche Ideen?

Rob: Ich denke, dass es natürlich kommt. Unseren ersten Gig haben wir mit zwölf Jahren gespielt. Seit dem standen wir oft auf der Bühne. Wir sind damals auch oft ausgegangen und haben uns selber Live-Shows angesehen. Wir wissen genau, was eine gute Live-Performance ausmacht. Außerdem lassen wir uns von unseren Vorbands auf Tour inspirieren. Sie pushen uns und die Menge schon vorab. Auf der Bühne genießen wir die Zeit und haben Spaß. Das merkt das Publikum und es färbt ab. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Aufregung und die Intensität im Raum, wenn die laute Musik gespielt und es heiß und schwitzig wird, verleitet uns dazu, aus uns raus zu gehen. 

Crazewire: Seit Jahren nun schon tourt ihr um die halbe Welt und nehmt nebenher eure Platten auf. Was macht ihr als Ausgleich zum Touralltag, um mal wieder runterzukommen?

Rob: Es ist nicht wirklich unausgeglichen. Es fühlt sich zwar richtig für uns an, aber man lebt trotzdem nebenher. Wir nennen es oft „ Wie das Leben in einer Seifenblase“. (lacht, Anm. d. Verf.) Man hat eben eine Menge an Routine im Touralltag. Man reist mit dem Bus, geht zum Soundcheck, gibt Interviews, spielt die Show, geht danach noch aus auf ein paar Drinks, zurück zum Bus und fährt weiter. 

Chris: Wenn wir die Möglichkeit haben, versuchen wir die Stadt zu erkunden und die Kultur kennenzulernen. Es ist nicht wirklich die Zeit vorhanden, um andere Sachen zu machen. Wir sitzen oft wartend herum und lesen dann irgendwas, checken unsere Mails oder schauen Filme auf dem Laptop. 

Crazewire: Klingt ein wenig langweilig.

Enter Shikari: Ja! Es ist nicht wirklich glamourös. (lachen, Anm. d. Verf.)

Crazewire: Was hört ihr eigentlich selbst so für Musik? Gibt es irgendwelche Bands, die euch nachhaltig in eurem Musikstil beeinflusst haben?

Chris: Von soften Sachen wie Jose Gonzales, über Hardcore Bands wie The Dillinger Escape Plan, zu ein bisschen klassischer Musik von Nessun Dorma. Es ist schwer eine Richtung herauszupicken. Es gibt so viel Verschiedenes, das wir hören und was uns beeinflusst. Wie holen uns einiges an Inspiration von großen Bands wie Prodigy, aber auch von den Leuten aus der Hardcore-Undergorund-Punk-Szene, mit denen wir touren. Wir versuchen uns nicht strickt nach irgendwas anzuhören, sondern holen uns von überall her Ideen und wandeln diese um. 

Crazewire: Für Crazewire habe ich mir eure Live-DvD "From Planet Earth" mal genauer unter die Lupe genommen. Erstmal ein Kompliment für die ziemlich gute Qualität der Live- und Sound-Mitschnitte! Wie war es für euch mittlerweile auch auf der anderen Seite des Globus in Japan zu spielen und was habt ihr dort erlebt?

Rob: Es war wirklich verrückt so weit weg von zu Hause zu sein. Vor Leuten zu spielen, die dich nicht verstehen und eine ganz andere Kultur haben, hat sich für uns sehr unwirklich angefühlt. Es war definitiv ein Kulturshock! Aber die Menschen dort waren total respektvoll  und offen und wir haben uns sehr gut aufgenommen gefühlt. Japan ist ein wirklich friedlicher Ort zum Leben. 

Crazewire: Welche Städte und Länder haben euch auf euren Touren bisher noch beeindruckt?

Rob: Wien ist unsere Lieblingsstadt in Europa. Es ist so schön dort. Die Architektur und die Landschaft.

Chris: Prag und Budapest waren auch wirklich toll mit den ganzen kleinen Cafes und Restaurants. 

Crazewire:Was war eurer bisher extremstes oder beeindruckendstes Tourerlebnis?

Rob: Diese Tour haben wir in Russland begonnen. Wir haben dort zwar schon einmal gespielt, aber nicht in dieser Stadt. Alle waren müde und kaputt, da wir nur zwei Stunden geschlafen und den Abend zu vor viel getrunken hatten. Als wir dann in die Eingangshalle des Flughafens kamen, war dort eine Band, die ziemlich laut „Sorry, You're Not A Winner“ spielten. Außerdem standen einige Leute mit Plakaten auf denen unser Name stand drum herum. Das hat einige andere Leute dort ziemlich genervt.  (lacht, Anm. d. Verf.) Wir dachten nur:“Was geht denn hier ab?“. Sowas haben wir noch nie zuvor erlebt. 

Crazewire: Kurz noch zu eurem bald erscheinenden Album. Gibt es schon ein genaues Veröffentlichungsdatum?

Rob: Nicht wirklich. Aber spätestens Ende Januar kommt es raus. 

Video: „Quelle Surprise“


 

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