DETAILS

Interpret:
Editors

Titel:
Wissen große Hallen zu füllen

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Autor:
Kai Töpel
Dresden, 10.01.2008

INTERVIEWS

Editors - Wissen große Hallen zu füllen

Editors - Wissen große Hallen zu füllen

Kaum eine Band beeindruckt so sehr mit ausgiebigen Touren wie Editors. Nach zweieinhalbjähriger Tour für ihr Album „The Back Room“ dauerte es nur weitere zwei Jahre bis zu ihrem aktuellen Werk „An End Has A Start“, worauf weiteres Leben im Tourbus und auf den Bühnen der Welt folgte. Ob es währenddessen überhaupt Zeit für andere Dinge gibt und wie es ihnen dabei ergeht, hat uns Drummer Ed Lay im Interview erklärt.

Crazewire: Letztes Mal als wir mit euch gesprochen haben, wart ihr sehr müde und kaputt vom Touren für euer letztes Album und hattet gerade die Festivalsaison beendet. Auch jetzt seid ihr schon recht lange unterwegs und habt noch einige Konzerte vor euch. Wie fühlt ihr euch jetzt, habt ihr euch schon mehr an dieses Leben gewöhnt?

Ed Lay: Uns geht es soweit ganz gut. Das Touren ist immer noch sehr anstrengend, aber dass ist der Grund warum wir Musik machen und wir genießen jeden Moment auf der Bühne. Das Fahren und vor allem Schlafen im Bus gehört dann leider dazu.

Crazewire: Wie war denn für euch bis jetzt die Tour?

Ed Lay: Sehr gut, wir sind gerade aus den Staaten zurückgekommen. Seitdem wir das Album aufgenommen haben sind wir quasi durchgehend unterwegs. Natürlich ist es hart so lange weg von zu Hause zu sein, aber immer wieder neue Leute, Städte und Hallen kennen zu lernen motiviert uns weiter. Die Reaktion der Leute ist jedenfalls unglaublich.

Crazewire: Trotzdem fällt doch bei euch auf, dass ihr fast durchgehend unterwegs seid. Ist gerade das Touren für euch so besonders wichtig um eure Musik präsentieren?

Ed Lay: Ich würde nicht unbedingt sagen, es ist wichtiger als das Aufnehmen, aber doch ein sehr großer Teil, der diese Band ausmacht. Für mich persönlich ist es definitiv der Grund, in einer Band zu sein. Es ist die einzige richtige Art, sein Album zu promoten. Natürlich kann man Interviews geben, in Fernsehshows erscheinen oder Werbung machen. Aber wenn man nicht rausgeht und die Musik vor Leuten spielt, ist das alles nichts wert. Wir wollen halt versuchen, die Menschen von der Bühne aus zu begeistern, denn sonst würden sie nicht wiederkommen.

Crazewire: Dabei bespielt ihr eigentlich drei verschiedene Arten von Bühnen. Einmal die großen in England, teilweise die großen Festivals dort, dann die mittleren Bühnen hier und die kleinen in den Staaten. Wozu passt eure Musik denn deiner Meinung nach am besten?

Ed Lay: In Amerika kommt es immer drauf an. In New York und in Kaliforniern spielen wir schon die größeren Hallen, ähnlich wie hier. Aber wenn man diese großen Kulturkreise verlässt und mehr ins Landesinnere fährt, kennt man uns weitaus weniger und da spielen wir eher die kleinen Bühnen. Ich finde das in Ordnung, denn wir wollen nicht immer dieselben Hallen spielen. Gerade der Wechsel zwischen 200 und 20.000 Leuten macht es für mich aus, wenn man die Leute gleichermaßen begeistern kann. Um auf deine Frage zurückzukommen, ich denke unsere Musik, auch wenn sie manchmal etwas melodisch und hymnenhaft wirkt, passt auch sehr gut in kleine Hallen und einige unserer besten Konzerte hatten wir auf kleinen Bühnen. Aber gleichermaßen machen wir uns als Band keine Sorgen, auch große Bühnen zu spielen, denn wir wissen, dass unsere Musik auch diese Hallen füllen kann.

Crazewire: Der erste große Schritt für euch war, dass ihr 2005 als noch sehr unbekannte Band auf dem Glastonbury-Festival gespielt habt. 2007 durftet ihr dann noch einmal dort spielen und das als Co-Headliner der zweiten Bühne.

Ed Lay: Ja, das war unglaublich. Vor allem wie wir damals dazu gekommen sind, überhaupt auf dem Glastonbury zu spielen, denn unser Album war ja noch nicht mal erschienen. Aber auch schon damals war es für uns magisch, denn davon haben wir immer geträumt. Außerdem haben wir, obwohl wir recht früh am Tag gespielt haben, doch einige dazu bewegt, unser Konzert anzugucken. Jetzt noch einmal zurück zu kommen an den Anfang unserer Karriere und im Sonnenuntergang zu spielen, das war einfach einzigartig und wohl das Highlight für uns als Band. Eigentlich könnten wir jetzt fast aufhören, wenn wir es uns leisten könnten (lacht, Anm. d. Verf.)

Crazewire: Lass uns über das neue Album reden. Gab es einen neuen Ansatzpunkt, als ihr angefangen habt zu schreiben?

Ed Lay: Zuerst einmal haben wir aufgehört zu touren, denn wir sind nicht besonders gut im Schreiben auf Tour. Vielleicht ändert sich das noch später, aber bis jetzt konnten wir das nicht. Tom (Smith, Sänger und Songwriter der Editors, Anm. d. Verf.) brauchte etwas Platz und Zeit um sich selbst und sein Umfeld zu ordnen. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass er so viele großartige Ideen hatte, dass wir einfach so schnell wie möglich wieder ins Studio wollten. Ich meine wir haben zweieinhalb Jahre damit verbracht durch die Welt zu reisen und eigentlich mag man denken, man braucht jetzt einfach eine lange Pause. Die Wahrheit ist aber, man braucht einfach jeden Tag etwas zu tun und wir haben uns so schnell gelangweilt, dass wir sofort etwas daran ändern mussten. Unser Ziel am Anfang war dabei, das bestmögliche Rock-Album zu machen, dass wir zu dem Zeitpunkt aufnehmen konnten. Dahingehend haben wir uns jeden Tag motiviert, Neues zu probieren und an uns zu arbeiten.

Crazewire: Mir ist dabei besonders aufgefallen, dass ihr, verglichen mit dem ersten Album, keine Sammlung von Hits oder möglichen Singles zusammengestellt habt, sondern ein richtiges, zusammenhängendes Album.

Ed Lay: Das sehe ich ähnlich, es besteht eher ein Flow vom Anfang bis zum Ende des Albums. Es wirkt, so denke ich, durchdachter. Unser Ziel war es dabei, das Album als ein komplettes Stück zu gestalten, das aufeinander aufbaut. Anders als beim ersten Album fiel uns auch die Wahl der Singles nicht so leicht. „Smoke Outside The Hospital Doors“ ist sicherlich die richtige Wahl als erste Single, aber danach wurde es schon schwerer. Gerade dieser Song passte aber so gut, weil er sich etwas entfernte von unserem alten Sound, wie in Munich. Es sind immer noch The Editors, aber man merkt wir sind gewachsen und trotzdem noch eingängig.

Crazewire: Wie bist du und die anderen Bandmitglieder in den Prozess des Schreibens involviert?

Ed Lay: Es ist sicherlich so, dass von Tom der Impuls ausgeht und er erst einmal alleine an den Liedern arbeitet. Danach schickt er uns seine Ideen und wir sagen ihm, was wir davon halten und bauen unsere Ideen mit ein. Zum Beispiel beim Lied „When Anger Shows“ war es für uns schwer wirklich herauszufinden, wie der Song klingen soll. Wir haben da so lange dran gearbeitet, dass man jetzt diese harte Arbeit auch wirklich im Song selbst hört. Deswegen würde ich sagen, dass das Ganze doch sehr diplomatisch abläuft.

Crazewire: Euer neues Album wirkt um einiges ernster als euer erstes. Wie kam es dazu?

Ed Lay: Das liegt daran, dass wir jetzt alle Mitte 20 sind und um uns herum gerade Themen wie Tod und Leid eine besonders große Rolle spielen. Das geht halt nicht spurlos an uns vorbei. Das hat nicht unbedingt etwas mit unserer Musik zu tun, sondern das beschäftig uns im Moment einfach sehr, so dass wir uns mehr und mehr auf die wichtigen Themen und Fragen des Lebens konzentrieren. Es sind einfach so viele Einflüsse auf uns eingeprasselt in letzter Zeit. Beziehungen, Familie und dann halt auch der Tod von Menschen, die einem nahe standen. Ich denke bis Mitte 20 weiß man, dass diese Dinge da sind, aber irgendwie wurde man immer abgeschirmt, weil sie meist nicht direkt passierten. Ich kann es selbst nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber ich denke dies waren Dinge, die Tom stark bewegt haben. Ich denke aber man kann das Album nicht allein auf diese dunkleren Stellen minimieren. Es geht auch oft um die Liebe. Es liegt denke ich besonders daran, dass Tom am meisten Bands wie R.E.M. oder Elbow gehört hat. Die haben sich auch kaum auf die trivialen Dinge im Leben konzentriert.

Crazewire: Vielen Dank für das Interview


 

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