Interpret:
Drive By Truckers
Titel:
Geduld, Respekt und harte Arbeit
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 06.09.2010
Zwei Herzen schlagen in dieser Brust. Muke Cooley und Patterson Hood sind der Kern der Drive-By Truckers. Diese Band stammt aus den späten Neunzigern und ist doch keineswegs zum alten Eisen zu zählen. Wie einige andere Vertreter ihrer Generation, beweisen diese Menschen einen langen Atem und zeigen, warum es für die Kreativität nicht gerade hinderlich sein muss, wenn man seine Mitstreiter auch persönlich schätzt und in Sachen Klang nicht dem kurzlebigen Zeitgeist nacheifert.
Im Mai 2010 erschien mit „The Big To-Do" das mittlerweile elfte Album und von Abnutzungserscheinungen keine Spur. Stattdessen spielt die Band aus Athens, Georgia Indie der alten Schule, indem sie Blues, Americana und Country in ihren eingängigen Rock einbeziehen. Crazewire befragte Patterson Hood, Sohn eines renommierten Studiomusikers, nach dem Erfolgsgeheimnis der Beständigkeit und sprach angesichts der nahenden Tour über das Leben in der Ferne.
Crazewire: Mike Cooley und du seid bereits lange musikalische Partner. In diesem Jahr habt ihr ein neues Album veröffentlicht und werdet auf Tour gehen. Um es mit den Worten von Paul Simon zu fragen: „Still crazy after all these years?"
Patterson Hood: Weißt du was, mein Vater hat den Bass bei der Aufnahme von „Still Crazy After All These Years" gespielt. In diesem Jahr haben Mike Cooley und ich unser 25jähriges Jubiläum im Zusammenspielen. Es ist fast ein wenig lächerlich, aber ich bin froh, dass wir beide uns nach so vielen Jahren immer noch gegenseitig tolerieren.
Crazewire: Mit den Drive-By Truckers ist es euer elftes Album in 15 Jahren Bandgeschichte. In Zeiten, da viele Bands bereits nach der zweiten oder dritten Platte das Handtuch werfen, scheint ihr damit fast wie ein gelebter Anachronismus. Was macht eure Band so langlebig?
Hood: Geduld und Respekt. Am Ende des Tages lieben Cooley und ich, was der jeweils andere bei der Band beiträgt. Ich habe eine Band, die die Dinge, die ich in meinem Kopf höre, besser spielen kann, als es mein Kopf selbst könnte.
Crazewire: Hörst du dir aktuelle Indiebands an?
Hood: Ich höre ein bisschen von allem. Gerade im Augenblick läuft „Scary Monsters" von David Bowie, aber ich habe vor kurzem dieses neue Sparklehorse/David Lynch/Dangermouse-Project gekauft und liebe Broken Bells und das aktuelle Black Keys Album. Die neue Hold Steady-Platte ist auch verdammt gut.
Crazewire: Als langjähriger Teilnehmer, was denkst du, wie hat sich die Independent-Musikszene im Laufe der Jahre verändert?
Hood: Der Kollaps der Musikindustrie hat die Türe aufgestoßen für Bands wie uns, die große Empathie und Leidenschaft in ihre Liveshows stecken und hart arbeiten.
Crazewire: Auf eurem aktuellen Album gibt es einen Song namens „This Fucking Job". Könnt ihr euer Leben durch die Drive-By Truckers finanzieren?
Hood: Dankenswerterweise können wir das derzeit. Ich fühle allerdings ständig, wie mir dieser „normale Dayjob" auf den Fersen ist und bin meistens pleite. Aber ich schaffe es, mein Leben mit einer Sache zu finanzieren, die ich liebe und dafür bin ich sehr dankbar.
Crazewire: Anfang November werdet ihr für einen Monat in Europa auf Tour gehen. Wie stehst du zum Leben auf Tour?
Hood: Es ist sehr harte Arbeit und es ist echt schwer, so weit von meiner Familie entfernt zu sein. Ich habe zwei kleine Kinder zuhause, die ich sehr vermisse, wenn ich auf Tour bin.
Crazewire: Die Tour wird euch durch viele Länder Westeuropas führen, Daten im Osten sind jedoch nicht vorhanden. Hat es einen speziellen Grund, dass ihr nicht in Osteuropa auftretet?
Hood: Ich würde sehr gerne mal dort touren und hoffe, dass es irgendwann in der näheren Zukunft möglich sein wird. Ich bin mir sicher, bisher hat es aus ökonomischen Gründen nicht funktioniert, denn im Augenblick sind wir nicht sicher, dass wir mit unserer Europatour überhaupt den Break Even erreichen, daher müssen wir sehen, dass wir uns die Tour überhaupt finanziell erlauben können. Wir reisen mit vielen Leuten, da ist so eine Show nicht gerade billig. Aber ich hoffe sehr, dass wir beim nächsten Mal auch in einigen osteuropäischen Ländern spielen.
Crazewire: Wie untescheidet sich das Touren in Europa von den USA?
Hood: Es ist ein wenig anstrengender, aber ich liebe es! Wie bereits angesprochen, ist der finanzielle Druck größer und wir alle haben Familien, die wir unterstützen möchten und sehr vermissen. Wir sind dieses Mal in Europa deutlich bekannter, als bei unserer letzten Tour und hoffen, das wir das nun noch steigern können.
Crazewire: Bitte erzähl uns zum Abschluss noch, welche Musik bei euch im Tourbus laufen wird.
Hood: In unserem Bus läuft Musik non-stop. Jeder in der Band ist Plattensammler und in den Staaten haben wir immer einen Turntable im Bus und lassen den ganzen Tag Platten laufen. Ich bin schon so etwas wie der Band-DJ.
Video: „Flying Wallendas" (live)
The Flying Wallendas - Big To-Do - Webisode 9 - Drive-By Truckers from Drive-By Truckers on Vimeo.