DETAILS

Interpret:
Dillon

Titel:
„Eine rein emotionale Geschichte“

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Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 18.01.2012

INTERVIEWS

Dillon - „Eine rein emotionale Geschichte“

Dillon - „Eine rein emotionale Geschichte“

Mag man Dominique Dillon de Byington, kurz Dillon, Glauben schenken, ist das Berliner Techno-Label BPitch Control mit seinem aktuellen Erfolgs-Signing der schönste und größte Gutmensch, den die deutsche Musikindustrie derzeit zu bieten hat. Mit ihrem Debüt-Album „This Silence Kills“ ist Dillon nicht nur Krise und Hype - vor vier Jahren durch ihre „Ludwig EP“ losgelöst - souverän umgangen. Eines ist ihr mit Labelchefin Ellen Allien besonders gelungen: „Grenzen erweitern“ und für das Gute einstehen. Und trotzdem oder genau deshalb landet Dillon in der Radio-Rotation. Lässt man aber allen Pathos weg, bleibt die rein emotionale Geschichte einer 23-jährigen Frau.

Die gebürtige Brasilianerin ist über YouTube zur neuen großen „Indie-Hoffnung“ geworden, Feuilleton und Indie-Zines schrien damals auf und rissen sich um Fotostrecken. Vier Jahre später ist das Mädchen eine junge Frau, aus Köln wurde Neukölln. Und der DIY-Indie-Chic, der ist einem leicht überproduzierten Glamour gewichen. Die Presse bemüht heute immer noch Kate Bush-Vergleiche, doch da schaut Dillon gezielt nicht hin. Wie sie sich das Furore um ihre Person erklären könne, wisse sie schlicht und ergreifend nicht. Simpel und bescheiden fällt die Antwort aus.

Dillon ist nie in die große Hauptstadt gezogen, um ein Star oder Ähnliches zu werden. „Dieser Wechsel war für mich emotional extrem wichtig. Darum ging es mir. Deswegen bin ich weggezogen.“ Weit entfernt also von einem ausgereiften Masterplan. Der Weg nach Berlin scheint dennoch vorherbestimmt gewesen zu sein. Im Nachhinein auch unumgänglich, obwohl doch das Gedankenspiel nur allzu nah liegt: kompakt als Kölner Techno-Pendant, der Dunstkreis um MIT und dem Kompakt gesignten Duo Coma. Eins und eins wurde nicht zusammengezählt. Das Bauchgefühl entschied, die Stadt gewechselt.

In Ellen Allien, Labelgründerin und Head of BPitch Control, wurde nicht nur eine Freundin für das Wahre, Gute und Schöne gefunden, sondern auch genau die richtige Labelmutter für die Musik Dillons. „Ellen ist Musik und deren Grenzerweiterung unglaublich wichtig, um das, was man gut findet, zu unterstützen. Sei es jetzt im klassischen Sinne Technomusik oder irgendetwas anderes [...]. Wenn es gut ist, dann ist es gut.“ Die Grenzerweiterung machte sich gerade 2011 in der Werkschau des Labels bemerkbar. Dillon, aber auch die Venezuelerin Aérea Negrot waren mit ihren Alben erfolgreiche Untypen.

Es ist diese einfache Formel, die die Biografie Dillons durchzieht. „Wenn es gut ist, dann ist es gut.“ Rein aus dem Gefühl, also nach Berlin und dann? „Ich hab' mich verliebt. Ich habe angefangen zu studieren, habe ausgeschlafen. Geatmet. Gelesen. Ich habe mit meinem Leben angefangen. Nicht an morgen denken, sondern an jetzt. Ich hab nicht angefangen das zu machen, was ich mache, um eine bestimmte positive oder negative Reaktion zu bekommen.“ Mit Vorbereitung habe das nichts zu tun, „das war Leben.“

In ihrem Berlin habe sich Dillon jedoch immer ihr kleines Köln erhalten. Tamer Fahri Özgönenc von der Kölner Band MIT ist hier ein ganz wichtiger Protagonist, nicht nur im engsten Freundeskreis, sondern auch als Produzent ihres Debütalbums. „Das Gefühl, das ich in Köln hatte in meinem sehr kleinen und intimen Umfeld, habe ich auf jeden Fall mitgenommen. Und das habe ich auch nicht um mehr als fünf Personen erweitert.“

Der Familienmensch in Dillon ist nie verloren gegangen. Und auch deshalb ist ihr der Trubel um ihre Person eher suspekt. Während des Interviews vor ihrem ausverkauften Konzert im Kölner Studio 672, wird deutlich: Dillon hat den Fokus nicht verloren. Vor der Show steht Backstage der kleine Bruder im Mittelpunkt. Eine stolze Mutter. Ein Produzent, der längst Teil der Familie zu sein scheint. Wie eine ganz normale Tochter muss Dillon das Interview knapp halten, um sich mit ihrer Mutter noch die Bühne für den heutigen Abend anzusehen.

Anfang 2011 erschien auf der Label-Werkschau eine Zusammenarbeit mit Coma, „Aiming For Destruction“. Dazu erläutert Dillon treffend: „Ich möchte oft schreien, um Stille zu überwinden. Das ist auch der Grund, warum ich angefangen hab, Musik zu machen. Um mich selbst hören zu können und um eine bestimmte Stille zu überwinden.“ Denn „This Silence Kills“.

Video: „Tip Tapping“


 

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