Delaware - Eine neue Denkweise
Bereits vor drei Jahren konnten Delaware mit ihrem Debütalbum „...And Everything Reminds Me“ einen ersten zaghaften Achtungserfolg in der Musikpresse verbuchen. Der emotionale Alternative – Pop der Norweger spielt auf großer Bühne und scheut sich nicht vor offenen Gefühlsausbrüchen. Unlängst veröffentlichte die Band nun ihr zweites Album „Lost In The Beauty Of Innocence“.
Crazewire nahm dies zum Anlass, Sänger und Gitarrist Richard Holmsen einige Fragen zu stellen.
Crazewire: „Lost In The Beauty Of Innocence” ist Euer zweites Album nach drei Jahren. Was ist seit dem Debüt “… And Everything Reminds Me” so alles passiert?Richard Holmsen: Es waren drei Jahre voller Proben, Songschreiben, Aufnehmen und Touren. Wir haben uns entschieden, den meisten Teil des neuen Albums in unserem Proberaum einzuspielen, daher haben wir sehr viel Zeit in das Projekt gesteckt. Aus personeller Sicht, ist Morten (Odegaard Skaret, Bass, d. Red.) krank geworden und musste einige Zeit im Krankenhaus verbringen. Tatsächlich waren wir an einem Punkt angelangt während der Aufnahmen, wo wir nicht sicher waren, ob wir das Projekt überhaupt beenden könnten. Das hat den Aufnahmeprozess wirklich etwas verlangsamt. Daneben sind Peter (Laugerud, Drums, d. Red) und ich beide Eltern geworden in der Zeit zwischen den Alben.
Crazewire: Die neuen Songs wirken auf mich “straighter”, als auf dem ersten Album. In welcher Weise denkst du, unterscheiden sich die beiden Alben?Richard Holmsen: Die Songs variieren mehr mit dem Tempo und der Stimmung. Wir hatten klare Vorstellungen was wir mit diesem Album machen wollten und was nicht. Eins dieser Dinge, die wir wollten, waren lautere Gitarren und dass die Songs mehr so klingen, wie wir uns live anhören. Wir wollten verschiedene Ideen ausprobieren, von denen wir das Gefühl hatten, sie bei „... And Everything Reminds Me“ nicht verwirklicht zu haben. Morten stieß zu uns und brachte eine neue Denkweise in die Band. Er und Ronny, unser alter Bassist, denken völlig unterschiedlich über Musik.
Crazewire: Hat sich die Art des Songwriting geändert? Bitte beschreibe, wie die Lieder von Delaware entstehen.Richard Holmsen: Als wir mit der Band anfingen, haben wir die Ideen meistens im Proberaum entwickelt. Der Prozess hat sich verändert, da unser früherer Bassist es bevorzugte, mehr mit fertigen Ideen zu arbeiten. Daher habe ich für Gewöhnlich bemüht, einige kleine Songentwürfe oder gar ein fertiges Lied zu liefern. Seit Morten in der Band ist, entwickeln wir wieder die Ideen, die während des Probens entstehen, oder kleine Entwürfe, an denen wir zu hause rumgespielt haben. Jeder muss am Songwriting beteiligt sein, um unseren speziellen Delaware – Sound zu erreichen.
Crazewire: In euren Texten tauchen oft die Worte “Angst” oder “Druck” auf. Was tust du gegen diese Gefühle?Richard Holmsen: Na gut, die Worte erscheinen einige Male in den Lyrics. Angst ist ein grundlegender menschlicher Instinkt und Druck ist etwas, dem du nicht entfliehen kannst. Ich habe keinen speziellen Weg mit diesen Emotionen klarzukommen, außer Texte zu schreiben und mir das Herz aus der Brust zu singen.
Crazewire: Da beinahe jedem Lied von Euch etwas Melancholisches anhaftet, würdest Du Euch als melancholische Menschen bezeichnen?Richard Holmsen: Ich denke keiner von uns ist melancholischer, als die meisten anderen Leute. Wir sind glückliche, spaßige, emotionale Menschen mit Wut und Humor, so wie jeder andere auch.
Crazewire: Die meisten eurer Stücke sind mid – tempo, aber rocken auf eine sanfte Weise. Würdest Du mir da zustimmen?Richard Holmsen: Ja, ich stimme zu. Wir versuchen etwas positives in unserer Musik zu haben und nicht zu aggressiv oder introvertiert zu sein. Ich habe eine Menge wütender Metal Bands gehört, während ich aufgewachsen bin, aber irgendwie hatte ich irgendwann zuviel davon. Nachdem Nirvana mit ihrer Attitüde der Musik gegenüber herauskamen, habe ich herausgefunden, dass es auch andere Musik als Metal gibt. Morten mag wütende Musik. Ich aber bevorzuge Musik, die auf Melodien und Harmonien basiert.
Crazewire: Würdest du Delaware als Rockband bezeichnen?Richard Holmsen: Ja. Normalerweise sagen wir, dass wir eine melancholische Rockband mit Pop – Elementen sind. Es ist irgendwie eine abgelutschte Bezeichnung, aber es kommt der Beschreibung unserer Band am nächsten, ohne uns mit anderen Bands zu vergleichen.
Crazewire: Welche Bands kannst du als Einfluss für Delaware nennen?Richard Holmsen: Jedes Bandmitglied hat seine eigenen musikalischen Favoriten. Ich schätze wir sind von einer ganzen Reihe Bands beeinflusst. Zwar hat jeder seine eigenen Favoriten und findet manche Lieblinge der anderen langweilig oder nicht gut, doch so könnte eine Liste der Bands aussehen: Depeche Mode, The Cure, Puressence, Ride, Slowdive, Faith No More, Mojave 3, Iron Maiden, Nirvana, Pearl Jam, Metallica, Death Cab For Cutie, Foo Fighters, The Posies, Seigmen, Kent, Placebo, Rammstein, Pavement, Judas Priest, Smashing Pumpkins, Motley Crue, Sufjan Stevens, Radiohead, Clutch, In Flames, The Killers, The White Birch und viele mehr. Einiges der genannten Bands ist Musik die wir nicht mehr hören, aber mochten, als wir angefangen haben. Wie auch immer, kann man sich anhand der Liste vielleicht ein Bild machen.
Crazewire: Wie groß war der Einfluss von Produzent Alex Moklebust auf das Album?Richard Holmsen: Wir haben mit Alex schon vorher ein paar mal gearbeitet. Bei unseren ersten Demos mit Delaware haben wir schon mit ihm gearbeitet. Vor den Aufnahmen haben wir mit ihm ein Gespräch darüber gehabt, was wir mit dem Album erreichen möchten. Ich würde ihn als helfendes Werkzeug bezeichnen, sowohl in neue Richtungen zu denken, als auch unsere Grenzen zu erweitern. Wir haben einige der Stücke mit ihm neu arrangiert und ihm kommt ein Großteil der credits für die Streicherparts auf dem Album zu.
Crazewire: Magst Du es, mit Bands wie Coldplay, Muse oder Keane verglichen zu werden?Richard Holmsen: Ich kann einige Ähnlichkeiten erkennen. Gleichzeitig denke ich aber, dass wir anders sind als diese Bands. Uns mit anderen Bands zu vergleichen ist das notwendige Übel für Musikjournalisten, um unsere Musik zu beschreiben.
Crazewire: Wie wichtig ist es für dich Platten zu verkaufen und der finanzielle Erfolg von Delaware?Richard Holmsen: Es ist schon wichtig für uns, etwas Geld mit der Musik zu verdienen. Wir verbringen viel Zeit damit, Musik zu machen und die Rechungen müssen irgendwie bezahlt werden. Wir haben das alles aber immer wegen der Liebe zur Musik gemacht und nicht, um reich und berühmt zu werden. Aber natürlich wäre es nett, in Sachen Geld keine Sorgen zu haben.
Crazewire: Bitte sag mir zum Abschluss noch, was die letzte CD war, die Du gekauft hast.Richard Holmsen: Ich habe zuletzt drei CDs über das Internet bestellt:
Death Cab For Cutie – Something About Airplanes
Rocky Votolato – Makers
John Vanderslice – Pixel Revolt
Crazewire: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten