DETAILS

Interpret:
Bosse

Titel:
Liebe auf den ersten Blick

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 26.02.2006

INTERVIEWS

Bosse - Liebe auf den ersten Blick

Bosse - Liebe auf den ersten Blick

Axel Bosse veröffentlichte im vergangenen Jahr das Debüt seines Projektes Bosse und ließ fast 90 Liveshows, unter anderem auch als Support für die Schwedensensation Mando Diao, folgen. Anlässlich der diesjährigen Saison der „Rockliga“ eines Braunschweiger Likörfabrikanten stand Bosse jüngst noch gemeinsam mit Such A Surge auf der Bühne. Crazewire hat mit dem Musiker telefoniert, dessen neue Single voraussichtlich im Juni erscheinen wird.

Crazewire: Hast Du schon in frühester Jugend unzählige Bandcontests gewonnen?

Axel Bosse: Mit Bosse nicht. Da haben wir so etwas vorher gar nicht gemacht. Früher, bei einem Radiosender bei uns in Niedersachsen, habe ich auch mal mit einer Band mitgemacht, die ich mit 17, 18 hatte. Das war eigentlich alles immer Schmus. Hier bei der ganzen Sache geht es zum Glück nicht um Kohle, da wird dann hinten rum nicht herumgemauschelt. Das finde ich angenehmer. Bei diesem Wettbewerb sind, glaube ich, auch die Guano Apes groß geworden, da liegt dann alles doch etwas verquer. Also, mit Produzenten, die dann die Kohle eingesteckt haben, Bands, die nur gewonnen haben, weil sie vorher schon bei dem Produzenten unterschrieben haben. Darauf stehe ich schonmal gar nicht. Musik ist ja eigentlich nichts, worum man groß battlen könnte, außer jetzt im Hip Hop, aber da geht es ja auch nicht darum, dass man den ersten Preis holt, sondern es geht darum, wer geiler ist. Aber hey, mitmachen ist alles.

Crazewire: Du spielst Live mit Leuten von Uncle Ho und Heyday zusammen?

Axel Bosse: Ja, beide Bands gibt es ja nicht mehr. Die haben sich aufgelöst. Heyday gab es aber noch, als Thorsten (Sala, Gitarrist d. Red.) und Theo (Fortiadis, Bass d. Red.) schon bei mir gespielt haben. Die haben sich erst vor einem halben Jahr offiziell aufgelöst. Bei Uncle Ho war das damals ja schon früher klar, als Doc, der Gitarrist ausstieg und Thorsten dort aushalf. Der Kontakt kam über Björn (Krüger d. Red) dem Trommler von Uncle Ho, mit dem ich immer schon Musik machen wollte, weil ich den typen toll fand und wie er gleichzeitig gesungen und Schlagzeug gespielt hat. Das erste Tape, was ich abgeschickt habe, habe ich an Björn geschickt und dann ging es schon fröhlich in den Proberaum, wo die anderen beiden Typen schon heiß gewartet haben, weil sie es gut fanden.

Crazewire: Also musikalisch Liebe auf den ersten Blick?

Axel Bosse: Ich habe noch nie in meinem Leben so ein Bandfeeling gehabt, wie jetzt. Es ist unglaublich, wie sich das in den letzten anderthalb Jahren entwickelt hat. Dass wir echt nicht mehr ohne einander können, obwohl das ganze ja vorher überhaupt nicht als Band gedacht war, und dass ich beobachte, dass wir vielleicht noch enger zusammen sind, als die meisten Kollegen, die ich so kenne. Liebe auf den ersten Blick – na klar.

Crazewire: Hast Du denn vor, Bosse in Richtung Band zu erweitern?

Axel Bosse: Definitiv, klar. Die haben alle Frau und Kind und die haben da eigtentlich auch gar keinen Bock drauf gehabt, jetzt grundsätzlich herumzufahren und in Radiosendern zu sitzen. Da gehen ja dann einfach auch Tage bei drauf. Mittlerweile geht es beim Songwriting und auch auf der Bühne eigentlich gar nicht mehr anders, da muss man etwas ändern. Muss man mal gucken, wie man das macht. Grundsätzlich ist es aber erst einmal wichtig, wie man sich fühlt und nicht, wie das so nach außen geht. Beim zweiten Album wird definitiv etwas passieren.

Crazewire: Dein Debüt „Kamikazeherz“ ist seit einiger Zeit veröffentlicht und es gab auch eine ganz erfolgreiche Single. Wie beurteilst Du selbst den Erfolg?

Axel Bosse: Ich bin da ziemlich begeistert. Es ist ja nicht so, dass das Ding völlig durch die Decke gegangen wäre, wie bei Madsen zum Beispiel, die ja auch lange in den Charts waren. Letztens habe ich die Verkaufszahlen ansehen dürfen und ich bin überrascht, was da immer noch Woche für Woche verkauft wird. Ich hätte nicht gedacht, dass es so oft gekauft wird. Wir sind da alle ziemlich zufrieden mit. Aber ich will mich da gar nicht so mit dem Thema Erfolg oder Misserfolg beschäftigen, es versperrt die Sicht auf die nette Musikalität, die gerade da drin steckt. Ich hoffe natürlich schon, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht, dass immer neue Leute auf die Konzerte kommen und Kritiker es plötzlich toll finden. Und dass alle Leute der Musik etwas abgewinnen, weil sie sich damit beschäftigen und weil natürlich das zweite Album um Längen besser wird, als das erste und auch sehr anders. Dann hoffe ich natürlich schon, dass das abgeht, ohne völlig versessen darauf zu sein.

Crazewire: Hast Du schon Sachen dafür geschrieben?

Axel Bosse: Wir waren schon im Proberaum und haben Demos gemacht, die ganz gut klingen. Da sind zwölf Songs entstanden, von denen wir mittlerweile auch schon sechs Songs live spielen. Man merkt schon, dass die Reise in eine schnellere und etwas härtere und vom Text her ehrlichere und nicht ganz so verkapselte Richtung geht. Komischerweise geht es mehr in die Rockrichtung.

Crazewire: Wie sind die neuen Stücke denn live beim Publikum angekommen?

Axel Bosse: Man redet oft und die Leute, die das dann merken, weil sie das erste Album haben sagen, dass es ihnen besser gefällt und dass sie immer vermisst haben, was jetzt plötzlich da ist. Und das ist eben einfach so passiert. Ich glaube, es ist extrem tanzbar geworden, ein bisschen einfacher geworden, sehr roh.

Crazewire: Aber es bleibt bei deutschen Texten?

Axel Bosse: Ja, klar.

Crazewire: Hast Du einen bestimmten Grund, warum Du auf deutsch singst? Kannst Du Dich besser ausdrücken?

Axel Bosse: Ich spreche schon ganz gut Englisch, aber ich habe nur bei zwei meiner bisher 15 Bands auf Englisch gesungen. Meine erste Band hieß „Des Nachts“, wir haben Hesse-Texte geklaut und die dann auf der Akustikgitarre vertont. Eigentlich mache ich das schon mein Leben lang mit dem deutschen Gesang. Zwischendurch habe ich auch mal Englisch gesungen, das hat mir auch ganz gut gefallen, weil es leichter von der Hand geht, weil es so schön rund zu singen ist. Deutsch ist meine Sprache, ich mag die Bilder und die Gefühle, die auch die Leute dabei haben. Wenn man auf einem Coldplay-Konzert ist und die Leute fragt, wie ihnen der Text gefallen hat sagen die: „Alter, das kann ich dir jetzt gar nicht so richtig sagen, wahrscheinlich hatte es etwas mit Liebe zu tun.“ Das schöne an der deutschen Sprache ist, das es plötzlich so gleichwertig ist und wenn du ein bisschen Glück und ein gutes Händchen hast, dann hast du die Möglichkeit, einen Song zu machen, den die Leute verstehen.

Crazewire: Ich danke Dir für das Gespräch.


 

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