DETAILS

Interpret:
Bell X1

Titel:
Talking Heads und Erdnussbutter-Kekse

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 30.03.2009

INTERVIEWS

Bell X1 - Talking Heads und Erdnussbutter-Kekse

Bell X1 - Talking Heads und Erdnussbutter-Kekse

Bell X1 haben es geschafft und doch wieder nicht. Während sie in ihrer Heimat Irland hervorragende Verkaufszahlen schreiben, scheint sich abseits der grünen Insel niemand so recht um die Band zu scheren. Zaghaft waren die bisherigen Versuche dies zu ändern. Im vergangenen Jahr wurde zunächst das Erfolgsalbum „Flock“ mit Verspätung auch im Rest Europas veröffentlicht, einige respektable Festivalauftritte folgten. Vereinzelt berichteten Augenzeugen vom Hurricane noch Monate später von einem beeindruckenden, abwechslungsreichen Set, einer ihnen bis dato unbekannten britischen Band. Grund genug, mit dem Nachfolger Blue Lights On The Runway der unlängst gleichzeitig auf Insel und Kontinent erschienen ist, nun einen konzentrierten Anlauf Richtung steigender Bekanntheit zu unternehmen.

Crazewire: In Irland zählt ihr spätestens seit dem Erfolg des letzten Albums zun den großen Acts. Wie fühlt es sich an, nachdem die Fanbasis in der Heimat aufgebaut wurde, nun im Rest Europas noch einmal bei nahezu Null zu beginnen?

Dave Geraghty:  Wir haben in den letzten Jahren immer mal wieder sporadisch in Europa gespielt, auch wenn unser letztes Album dort erst im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Die neue Platte ist die erste, die weltweit zur gleichen Zeit veröffentlicht wird. Darüber freuen wir uns sehr. Ich denke, wir schätzen die Herausforderung, an neue Orte zu reisen, neue Freunde zu treffen, in kleinen Clubs zu spielen und uns organisch eine Basis aufzubauen.  It’s not really a shock-and-awe campaign, more a nudge-and-wink.

Crazewire: Denkst du, es gibt spezifische Unterschiede im Musikgeschmack der Iren und Deutschen?

Dave Geraghty: Ich weiß nicht sehr viel über den deutschen Musikgeschmack, bis auf einige lahme Stereotypen. Techno ist groß bei euch und ihr steht auf David Hasselhoff und den irischen Eurovision-Gewinner Johnny Logan. Ich denke, das ist so, als sagte man, die Iren lieben verschwitzten, betrunkenen Folk-Rock und weinerliche Singer/Songwriter.

Crazewire: Euer letztes Album „Flock“ war Nummer Eins der irischen Charts. Hat euch das bei den Arbeiten am Nachfolger unter Druck gesetzt?

Dave Geraghty:  Ich denke nicht. Wir sind einfach aufs Land gefahren und haben uns in einem großen Haus eingenistet, als die Zeit gekommen war, eine neue Platte zu machen und haben so lange mit ihr gerungen, bis sie fertig war. Wir haben auch beim letzten Mal nie ein Nummer Eins-Album erwartet, aber vielleicht ist es etwas, das sich unterbewußt auswirkt, doch es raubt uns nicht den Schlaf.

Crazewire: Das neue Album ist bereits euer viertes, doch für viele Leute hierzulande, mag es der erste Kontakt mit Bell X1 sein und sie beginnen erst jetzt, sich mit euch zu beschäftigen. Wie denkst du, hat sich der Sound der Band über die Jahre entwickelt?

Dave Geraghty:  Wir versuchen, bei jedem Album etwas anderes zu machen, auch wenn ich denke, dass diese Unterschiede für uns selbst am deutlichsten erkennbar sind, da wir so nah an der Sache selbst sind. Wir sind mit der Zeit intuitiv zusammengewachsen, was sehr bei der Kommunikation helfen kann, wenn man an einem gemeinsamen Projekt arbeitet. Immerhin spielen wir nun seit zehn Jahren zusammen. Eine Erfolgsformel gibt es aber nicht. Ich glaube man stolpert immer zufällig über die wirklich strahlenden Momente.

Cazewire: Für mich klingt eure Musik so, als ginge es euch durchaus ganz klar um Pop, jedoch regelmäßig mit einer kleinen Wendung, kleinen komplexen Details. Kannst du Dinge nennen, die eure Musik beeinflussen?

Dave Geraghty:  Da wäre zunächst dieses eine Mal, als ich in Wicklow zum Camping war und im See geschwommen bin und im bleichen Mondlicht Whisky getrunken habe. Außerdem die Talking Heads, die Erdnussbutter-Schokoladen-Kekse meiner Mutter, die Arbeiten von John McGahern und Motown Records.

Crazewire: Einige eurer Stücke wurden in TV-Serien wie OC California oder Grey's Anatomy benutzt. Habt ihr einen Einfluss darauf, für welche Shows die Stücke freigegeben werden?

Dave Geraghty:  Ich erinnere mich, dass die Band eine Email bekam, die von den Musikleuten bei „OC California“ geschickt wurde. Wir dachten, es wäre ein Scherz und solche Dinge würden auf einem business level stattfinden. Doch das war die ehrliche Anfrage von einem Typen, der unsere Album irgendwie gehört hatte, obwohl es zu der Zeit in den USA noch gar nicht veröffentlicht war und dem es sehr gefiel. Die anderen Anfragen waren ähnlich. Ich denke diese Soundtrackbeiträge sind ein guter Weg, unsere Musik an die Leute da draußen zu bringen.

Crazewire: Ihr startet bald zu einer ausführlichen US und Europa-Tour und werdet im Frühsommer auch hierzulande zu sehen sein. Seid ihr immer noch aufgeregt, auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass ihr so etwas macht?

Dave Geraghty:  Ich weiß, dass es innerhalb der Band gemischte Gefühle hinsichtlich des Tourens gibt. Einige von uns mögen es lieber, als andere. Allerdings denke ich, dass keiner zu schnell Heimweh bekommt und wir alle den Akt des Reisens und das Sammeln neuer Eindrücke dabei sehr genießen.

Crazewire: Ist es schwer, eure Lieder live umzusetzen? Viele Stücke des neuen Albums, wie etwa „The Ribs Of A Broken Umbrella“ benutzen ein so weites Spekrtrum an Instrumenten.  

Dave Geraghty:  Bei einigen Songs ist es deutlich schwieriger, als bei anderen, sie an einen Punkt zu führen, wo sie live funktionieren. Wir versuchen nicht einfach zu reproduzieren, was auf dem Album zu hören ist, daher kommt es immer darauf an, ob der Fluss und die Stimmung des Songs sich richtig anfühlen und wie man mit den speziellen Charakteristika der Melodien umgeht – im Falle des angesprochenen Songs etwa der Chor und die Gary-Numan-Synthies.

Crazewire: Da Irland bekannt ist für Sachen wie The Pogues und andere Trinkerbarden, möchte ich zum Abschluss gerne noch deine All-Time-Favourite-Sauflieder hören.

Dave Geraghty: 

  • “Show Me the Way to go Home” - Irving King
  • “Funky Cold Medina” - Tone Loc
  • “Gin and Juice” - Snoop Dogg


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 

Prunkstücke