Interpret:
Art Brut
Titel:
Propheten ihrer Selbst
Autor:
Martina Scheid
Berlin, 21.07.2009
Foto: Marc Huth
Als Eddie Argos und seine Jungs von Art Brut mitte Mai ihren Auftritt im Kreuzberger Lido vorbereiteten, konnte sich unsere Berliner Kollegin Martina Scheid mit Aufnahmegerät dem bettlägerigen Sänger nähern und ihm ein paar Fragen stellen denen er nicht entkommen konnte. Der typisch britische Charme war allerdings wieder die große Hürde für den investigativen Journalismus. Setzt euch also einen Tee auf und habt Teil an unserem Tratsch mit Sir Eddie Argos.
Crazewire: Hi! Wer bist denn du?
Eddie Argos: Hallo, ich bin Eddie Argos von Art Brut.
Crazewire: Das ist ein interessanter Bandname, Art Brut. Wie kamt ihr dazu und wieso habt ihr euch für den Namen entschieden?
Eddie: Nun, zunächst mal ist Art Brut eine Gattung der Kunst. Der Begriff wurde etabliert von dem französischen Künstler Jean Dubuffet, er bezieht sich auf die Kunst von Verrückten, Außenseitern, Leute dieser Art. Den Namen habe ich zuerst gewählt als eine Anspielung, die Leute konnten also sagen „Aaah, you can’t sing!“, aber wir konnten direkt antworten „We’re Art Brut, it doesn’t matter!“. Als die Zeit verstrich wurde das Ganze dann eher zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung (lacht, Anm. d. Verf.). Es gib nicht viele Bands die so klingen wie wir, denke ich, wir haben da irgendwann etwas Eigenes entwickelt. Anfangs war es ein Witz, jetzt ist es Realität! (lacht, Anm. d. Verf.) Jetzt sind wir Art Brut!
Crazewire: Cool. Also wie läuft die Tour?
Eddie: Gut, gut! Ich habe mir den Rücken verletzt als es gerade los ging, mir wurde verboten zu trinken. Von daher ist die Tour ein wenig ungewohnt, jeden Tag bin ich nüchtern und alle sind am Trinken und Feiern. Ich habe trotzdem meinen Spaß!
Crazewire: Wie gefällt euch Deutschland?
Eddie: Spitze! Gestern haben wir in Köln gespielt, gegenüber vom Stereo Wonderland (Luxor, ehem. Prime Club, Anm. d. Verf.) - da sind wir dann nach dem Konzert hingegangen um etwas zu Trinken, nunja, ich nicht, aber wie gesagt: spaßig war es trotzdem. Irgendwie gefällt es mir auch, nichts zu trinken, ich könnte mal versuchen, straight edge zu sein, wie Gerard Way! (Sänger von My Chemical Romance, Anm. d. Verf.)
Crazewire: Welcher Auftritt war bisher am besten?
Eddie: Hm. Köln war schon ziemlich gut. Was nicht so schön war, dass die ganzen Kids vorne zusammen gequetscht standen. Axl Rose hat mal gesagt „I don’t wanna be an asshole but can you all take two steps back?“ Das habe ich leider vergessen, also wurden alle zerquetscht. Aber ihnen gings gut. Hamburg war auch nicht schlecht, wir haben einen Song über Hamburg, der heißt „St. Pauli“, also „St. Pauli“ in St. Pauli zu spielen war irgendwie scharf.
Crazewire: Welcher Abend war der schlimmste?
Eddie: Nun, für mich persönlich war das Amsterdam, da habe ich mir den Rücken verletzt. Ich konnte mich kein bisschen bewegen, ich stand einfach still auf der Bühne, wie die Ramones! (lacht, Anm. d. Verf.)
Crazewire: Spielt ihr auch Coversongs?
Eddie: Eigentlich nicht, aber wir haben uns an ein paar Ramones-Songs gemacht, wir hauen vielleicht heute ein paar davon raus... Ich liebe die Ramones!
Crazewire: Erzähl uns doch mal etwas über euer neues Album, „Art Brut vs Satan“. Wie spiegelt das euren Fortschritt als Musiker wieder?
Eddie: Viele Bands werden auf einmal Elektro und ändern ihren Stil, aber ich bin eher daran interessiert in den Bahnen unserer Arbeit zu bleiben. Da der Beste zu sein, weißt du, und dann darin arbeiten, das interessiert mich. Eher als auf einmal Electro zu sein oder das Keyboard rein zu bringen. Also ist unser Neues quasi die alte Musik, bloß besser! (lacht, Anm. d. Verf.). Wir haben das Album sehr schnell aufgenommen. Wir haben mit Frank Black von den Pixies gearbeitet und ich dachte wir hätten zwei Wochen, aber davon waren vier Tage für die Abmischung verplant, also nahmen wir alles in zehn Tagen auf, das meiste direkt als Band eingespielt. Das ist eigentlich gut so, ich langweile mich schnell im Studio, einen Song will ich nur einmal singen. Das haben wir dann also gemacht, anders als andere Bands.
Crazewire: Was denkst du über die momentane Musikszene?
Eddie: Ich weiß nicht so richtig. Interessiert mich nicht (lacht, Anm. d. Verf.). Die Szene in England ist schon okay, wir haben mit einigen guten aktuellen Bands gespielt. Wir hatten da eine Band mit uns, die heißen Official Secrets Act, die sind sehr jung und gut. Außerdem gibt’s für mich noch die Baddies und Future Of The Left. Ansonsten sind da diese NME-Bands, die sind nicht wirklich mein Fall. Aber die Bands, die ich gerade erwähnt habe, befinden sich außerhalb dieses Zirkus, alle meine Lieblingsbands sind auch so oder Amerikaner (lacht, Anm. d. Verf.).
Crazewire: Wer inspiriert dich?
Eddie: Jeffrey Lewis vielleicht. Momentan auch The Replacements, The Modern Lovers und The Mountain Goats. Die inspirieren mich wirklich.
Crazewire: Ok. Hast du noch eine gute Story von der Tour für uns zum Abschluss?
Eddie: Nun, von meinem Rücken habe ich ja erzählt, das ist eh langweilig. Wir sind ja gerade erst zwei Wochen unterwegs, so viel ist also noch nicht passiert. In einem Restaurant in Amsterdam bin ich allerdings mal zusammengebrochen und musste zum Arzt getragen werden.
Crazewire: Was ist denn passiert?
Eddie: Anscheinend haben meine Muskeln sich verkrampft und einen Nerv erwischt. Also lag ich da, total verdreht und konnte nicht aufstehen. Der Doktor gab mir eine gute Ladung Valium, das war spaßig (lacht, Anm. d. Verf.). Ich mag es eigentlich, bei der Sache zu sein, das wurde natürlich erschwert. Ich bekomme jetzt jeden Tag Massagen, wie Axl Rose. Gleich um fünf habe ich einen Termin mit einer Masseuse! Gestern hatte ich auch schon eine, der Typ war cool - sein Name war Razor! Dann durfte ich in die Sauna, danach noch mal zu dem Kerl, der hatte mich in einem wahren Wrestling-Griff!
Crazewire: Dann freuen wir uns mal mit dir auf später! Vielen Dank für deine Zeit.