DETAILS

Interpret:
Airpeople

Titel:
Das sinnvolle Ganze

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 16.11.2009

INTERVIEWS

Airpeople - Das sinnvolle Ganze

Airpeople - Das sinnvolle Ganze

Reden wir über das Reisen. Reden wir über Städtetrips und Kurzurlaube. Reden wir über Airpeople. Dem aufmerksamen Leser sollte nicht entgangen sein, dass deren Debütalbum „The Golden City" in unserer Plattenkiste eine gute Figur abgegeben und Crazewire daher voller Stolz die aktuelle Tour der Band präsentiert hat.

Nun also das Interview, beinahe als zwangsläufige Folge, der nächste Versuch die Aufmerksamkeit auf eine einheimische Band zu lenken, deren Musik sich erfreulich wenig lokal verorten lässt. Sehr hilfreich dabei, dass sich Ängste vor Verkopfung des Dialogs angesichts ausgetüftelter Melodiekonstrukte dann nach wenigen Fragen in das Wohlgefallen des „sich selbst nicht zu ernst Nehmens" auflösen. Es spricht Oliver Hengel, Bass und Gitarre.

Crazewire: Ihr wart gerade auf Tour. Wie lief es?

Oliver Hengel: Wir sind alle wieder heil zuhause angekommen. Bis dahin lief es also gut und wir haben sogar Zuwachs bekommen. Drei Gitarren sind ab an und doch etwas wenig, daher spielt jetzt auch noch ein gutaussehender junger Spanier aus dem Saarland bei uns mit. Krankheitsbedingt mussten wir zwischendurch leider zwei Konzerte absagen, aber sonst gab es kaum Streit, eine Menge netter Leute, ein paar seltsame, gute Tage, weniger gute hin und wieder und keine einzige Polizeikontrolle.

Crazewire: Die Tracklist eures aktuellen Albums „The Golden City" liest sich wie eine Reiseroute, man könnte jedoch auch denken, dass alle genannten Orte letztlich zur Golden City verschmelzen. Was steckt hinter der Idee? 

Oliver: Ehrlich? Nichts. Kein Konzept. Keine Planung unserer nächsten Urlaubsroute. Keine Beweihräucherung liebgewonnener urbaner Plätze. Die Titel haben rein gar nichts mit den Liedern zu tun. Tut mir leid, wenn ich jetzt manche Rezensenten enttäuschen muss, die unseren Liedern in ihren Besprechungen so einiges angedichtet und städtetypisches rausgehört haben wollen. Der erste Städtename, der irgendwann auftauchte, war Denver. Stand auf einem Feuerzeug geschrieben, das bei uns im Proberaum rumlag. Songs ohne Texte wollen ja auch einen Namen haben. Sonst fühlen sie sich vielleicht etwas herabgesetzt im direkten Vergleich mit ihren lyrischen Verwandten und laufen Gefahr verlacht und gehänselt zu werden. Daher haben wir erstmal einfach so weitergemacht. Ist aber jetzt Schluss damit. Von nun an gibt es nur noch Liebeslieder. Da fühlt sich so manche Melodie sicher noch mehr geschmeichelt.

Crazewire: Troja trägt ebenfalls den Namen Goldene Stadt. Postmoderne Klänge in antikem Kontext?

Oliver: Wie sind zwar leider, oder vielleicht auch gar nicht leider, alle keine Anfang zwanzig mehr, aber als antik würde ich uns ja nun auch noch nicht bezeichnen. Elektrische Gitarren und Syntheziser hatte sicher auch kein Grieche im Pferd dabei. Da wurden eher ins Horn gepustet. Wo Troja so wirklich gelegen haben mag, ist sicher ebenso ungewiss wie die geograpische Lage der Golden City. Vielleicht ist beides ja auch nur ein Versuch, einen Ort zu beschreiben, an welchen man sich, auf welche Art auch immer, hinsehnt. Mit der Erörterung postmoderner Klänge oder antiker Mythen plagen wir uns aber auch nicht ernsthaft. Und mal ehrlich: was ist denn schon die Postmoderne außer einer ziemlich leeren Worthülse?

Crazewire: Was sagt ihr zur streitbaren Genre-Bezeichung Post Rock?

Oliver: Schon wieder die Post. Von der sollten wir uns vielleicht mal sponsern lassen. Bietet aber aus meiner Sicht keinen Grund, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Crazewire: Eure Lieder wirken oft, als befänden sie sich im Fluss, entwickelten sie sich im Verlauf und wirken doch geplant. Wie funktioniert das Songwriting?

Oliver: Songs entstehen bei uns immer gemeinsam und erstmal ohne Plan. Dazu sagt man dann wohl jammen. Jedenfalls kommt niemand an und legt den anderen Noten oder Arrangements vor. Wenn uns eine Melodie, ein Rhythmus gefällt, dann arbeiten wir damit weiter und entwickeln andere Teile, die am Ende, zumindest für uns, ein sinnvolles Ganzes ergeben. Manchmal funktioniert das recht schnell, mal beißt man sich aber auch die Zähne aus und schmeißt am Ende doch alles wieder in die  Tonne.

Crazewire: Wie kam der Kontakt zu eurem Label Golden Antenna Records zustande?

Oliver: Das Album ist ein Split-Release zwischen EarthWaterSky Connection und Golden Antenna Records. Oliver von EWS kennen wir schon eine Weile und er hat auch unsere erste 7“ veröffentlicht. Ich glaube, weil er uns und unsere Musik mag. Die Sachen, die Timo auf Golden Antenna veröffentlicht fanden wir gut und irgendwie ist es uns gelungen, beide davon zu überzeugen zusammen unser Album zu veröffentlichen. Womit wir sehr zufrieden sind. Es sind beides sehr, sehr nette Menschen, die eine Menge Geld in etwas so unsinniges wie Airpeople-Platten stecken.

Crazewire: Fühlt ihr euch wohl im Umfeld von Bands wie From Monument To Masses, A.Armada oder Ira?

Oliver: Schwierige Frage, da ich niemanden dieses Umfelds, wie du es nennst, persönlich kenne. Viel wichtiger für unser Wohlbefinden ist daher sicherlich, dass die beiden Labels unsere Platte machen, weil Sie Lust drauf haben und dahinter stehen.

Crazewire: Das Artwork der Platte ist von Sebastian „Sebo“ Feld, der zum Beispiel auch für Les Savy Fav gearbeitet hat. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Oliver: Flo (Florian Brandel, Schlagzeug, Anm. d. Verf.) hat Sebo in Hamburg kennengelernt und uns ein paar seiner Sachen gezeigt. Es hat uns gefallen und wir haben uns dann irgendwann in Köln getroffen und über Ideen für die Platte gesprochen. Bisher hatten wir in unseren alten Bands das Artwork eigentlich immer selbst gemacht. Wir wollten einfach mal jemand von außerhalb damit betrauen, einen anderen Blick reinlassen und ich finde, dass Sebo das ziemlich gut gemacht hat. Das hat aber nichts mit irgendwelchem Namedropping zu tun. Sebos Arbeiten stehen zweifellos für sich alleine.

Crazewire: Wir danken für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.


 

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