DETAILS

Inpterpret:
Adam Arcuragi

Titel:
Aufwach-Musik für Astronauten

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 01.02.2010

INTERVIEWS

Adam Arcuragi - Aufwach-Musik für Astronauten

Adam Arcuragi - Aufwach-Musik für Astronauten

Rillen knistern, das marginale Schlagzeug rumpelt und im Zentrum steht tiefer, voller und oft trauriger Gesang. Field Recordings und Blues, unmittelbar im Klang und  gleichermaßen Manifest einzelner konkreter Situationen, wie der ganzen Tragweite der Tragödie Mensch. Gut beraten ist, wer sich da ein Beispiel nimmt und seinem Liedgut ein traditionelles Element als sicheres Fundament legt. Turner Cody wäre ein Name, der einem in diesem Zusammenhang einfällt, Adam Arcuragi könnte der nächste sein. Der Mittzwanziger aus Philadelphia hat sein drittes Album fertig und nun endlich auch in Deutschland veröffentlicht. Höchste Zeit also, sich mal genauer zu erkundigen. Ein transatlantischer Email - Austausch beginnt.     

Crazewire: Dein neues Album  „I Am Become Joy" klingt danach, als hörtest du viel alten Blues, Folk und Gospel wie zum Beispiel Leadbelly oder Hank Williams. Was denkst du, macht das Besondere dieser Aufnahmen aus?

Adam Arcuragi: Ich wünschte, ich wüsste, wodurch diese Lieder mein Hirn immer wieder in Verzückung versetzen. Wenn ich diese Essenz herausfiltern könnte, hätte ich einen großen Vorteil beim Schreiben und hätte auch sicher einige Alben mehr veröffentlicht. Es ist einfach irgendetwas Besonderes in der Art, wie Musik und Worte zusammengesetzt sind, was mich jedes Mal packt.

Crazewire: Viele dieser Blues- und Folk-Künstler stammen aus einem Arbeiterklassemilieu, wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf und verstanden sich selbst als einfache Geschichtenerzähler. Wie siehst du dich in dieser Tradition?

Adam Arcuragi: Selbstverständlich war ich nie so arm, wie ein Farmpächter im tiefen Süden, aber andererseits war ich auch nie ein reicher Mann. Ich denke nicht, dass es so viel mit Geld zu tun hat. Geld macht das Leben gemütlich und es hält dich davon ab, dich Herausforderungen zu stellen. Es sind diese Herausforderungen und die Unruhe, die dich dazu bringen, daran zu arbeiten, besser in den Dingen zu werden, die du tust und neue Dinge über dich selbst zu lernen. Im übrigen denke ich, dass viele Musiker deshalb aus armen Verhältnissen stammen, da es wenig Sinn macht, Musik als eine Karriere zu verfolgen. Es kann daher also helfen, wenn man nichts zu verlieren hat.

Crazewire: Wann hast du gemerkt, dass du Musiker werden möchtest?

Adam Arcuragi: Mein Mutter hat mir meine erste Dylan-Kassette geschenkt und ich habe sie so oft gehört, dass irgendwann das Band  komplett ausgeleiert war. Nachdem ich mir die Kassette einen Monat am Stück angehört hatte, entschied ich, es selbst auch zu versuchen. Meine Mutter hat mir dann die ersten kleinen Griffe auf der Gitarre gezeigt und seitdem hatte ich nie das Gefühl, wieder damit aufhören zu wollen.

Crazewire: Du hast sowohl im Norden der USA gewohnt, als auch im Süden. Würdest du deine Musik daher als Americana bezeichnen, so wie man es in einigen Reviews lesen kann?

Adam Arcuragi: Nein, eine Rose bleibt eine Rose, egal wie man sie nennt, aber wir haben herausgefunden, dass wir uns lieber einen eigenen Stempel verpassen und schauen, ob er funktioniert. Wir nennen es Death Gospel und bisher mögen die Leute das.

Crazewire: Das aktuelle Album wurde an drei verschiedenen Orten aufgenommen. Wie kam es dazu?

Adam Arcuragi: Man sollte nie gelangweilt sein und nicht aufhören, hungrig zu sein. Manchmal muss der Mensch einfach verschiedene Orte für sich finden.

Crazewire: Bei dem Album sind auch eine Reihe Gastmusiker beteiligt gewesen, etwa die Songwriterin Dawn Landes. Wie hast du dir deine Gäste ausgesucht?

Adam Arcuragi: Ich mag es, mir vorzustellen, dass das Schicksal und Gott unsere Wege zusammengeführt haben. Ich selbst allein bin nicht so überzeugend.

Crazewire: Wie lief die Zusammenarbeit? Hast du eigene Ideen deiner Gastmusiker zu deinen Songs zugelassen?

Adam Arcuragi: Selbstverständlich. Wir haben alle sehr gut zusammengearbeitet. Ich mag es, wenn Leute mit eigenen Ideen ankommen und greife nur ein, wenn etwas sich völlig von der eigentlichen Idee des Liedes weg bewegt. Für gewöhnlich fallen weiteren Leuten noch bessere Sachen ein, als wenn man es ganz alleine machen würde, doch es gibt auch Stücke die ich gerade dafür geschrieben habe, damit andere  improvisieren und sie zu etwas eigenem machen. Man muss den Leuten ihren Anteil am Lied geben, denn sonst würde es einfach steril und leblos klingen.

Crazewire: Beim Hören deiner Platte kommen mir Bilder eines Mannes in den Kopf, der an einem Nachmittag alleine eine lange, staubige Landstraße entlang wandert. Stimmst du zu, dass sich deine Lieder hervorragend zum Unterwegssein eignen?

Adam Arcuragi: Ja, sicher. Wir bekommen immer wieder Feedback von Menschen, die unsere Musik in den unterschiedlichsten Situationen gehört und sich daran erfreut haben. Einige Leute spielen es ihren Kindern vor, manche lassen die Platten im Hintergrund laufen, während sie mit dem Partner romantisch werden und wieder andere spielen sie bei Parties. Um die Wahrheit zu sagen, ist das alles wundervoll. Ich persönlich denke, es ist gute Musik zum Autofahren. Ich würde es lieben, wenn wir die NASA dazu bekämen, unsere Lieder als Aufwach-Musik für ihre Astronauten zu benutzen.

Crazewire: Du wirst bald durch Europa touren. Was sind deine Erwartungen?

Adam Arcuragi: Ich war noch nie dort, daher bin ich sehr aufgeregt. Während ich diese Email schreibe, machen wir uns gerade fertig, um zum Flughafen zu fahren. Ich freue mich wirklich sehr auf Europa und werde wohl nicht in der Lage sein, all die nerdigen Dinge zu sehen, die ich gerne besichtigen möchte. Berühmte Städte, alte Schlachtfelder, Mallorca, ein Spaziergang über die Ulysses Route in Dublin, die Liste geht immer so weiter. Ich bin also gespannt, zum ersten Mal hinzufahren und viele weitere Male zurückzukehren. Für die Tour speziell erhoffe ich mir, dass alle Gitarren heil überleben und wir alle einen großartigen ersten Europa-Besuch haben.

 

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