CRAZEWIRE Best Of:
Mai 2011
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 01.06.2011
„Alles neu macht der Mai“, sagt das Spruchbändchen in unserem chinesischen Glückskeks, und tatsächlich: unser „Best Of“ der vergangenen vier Wochen kann sich mehr als sehen lassen. TV On The Radio, PS I Love You, Tyler, The Creator, Wild Beasts und Metronomy allesamt Alben, die bei der Redaktion in der Endlosschleife liefen und für Glücksgefühle sorgten. Man muss demnach auch keine weiteren Glückskekse essen, um zu prophezeien, dass wir diesen Platten spätestens zum Jahresende wieder in den Bestenlisten begegnen werden.
Den Trip-Hop tief in den Adern, fügen TV On The Radio ihre spannungsgeladene Sex-Musik auch auf dem neuen Album „Nine Types Of Light“ fort. Weniger Artrock - wer will das schon? - und mehr Soul stehen nun auf der Agenda. Und doch: alles ist in allem. Es bleibt ein Album einer Band, die es wie kaum eine andere schafft, „black“ und „white music“ bis zur Unkenntlichkeit miteinander zu verschmelzen.
Gitarre, Schlagzeug, Gesang und ganz wenig Keys. Mehr braucht es wirklich nicht, um fantastisch eingängigen Indie-Rock mit den ganz großen Gesten zu machen. Dabei war PS I Love You in seinen Anfängen sogar nur eine Ein-Mann-Band. Sänger und Multiinstrumentalist Paul Saulnier, der sich im Vorfeld schon in etlichen Stilen und Bands ausgetobt hat, schießt jetzt mit seinem Partner Benjamin Nelson am Schlagzeug den Lo-Fi-Indie-Rock-Vogel ab. Vielleicht nicht unbedingt innovativ, aber voller geradlinigem Sturm und voller Drang.
„The devil doesn't wear Prada / I'm clearly in a fucking white tee“! Dem Hype wird er gerecht, auch wenn er wirklich ein paar sehr ernstzunehmende Probleme hat bzw. vertont. Die Synthesizer heulen wie im Wahn zum marschierenden Beat und Tyler weiß mal wieder um seine Situation Bescheid: „Start a fucking cult / Clash his talents in a brash way / Way, before he even had a mustache and cash“ („Golden“). Verdammt gut. Die Zukunft ist skurril.
„Yes I will do all the things that you ask of me / I say yes I will / Come on darling, I have no fear“. Welch ergreifende Bekundung zur Liebe und zum Zusammenhalt, die wehleidig im klimpernden „Burning“ wieder verglüht. Und dann ist es da: das Ende mit „End Comes To Soon“. Ein Ende der Schmeicheleien, der Treuebekundungen. Etwas das in einem soften Post-Rock sein jähes Ziel erreicht. Wohin? Wir werden es wohl runterschlucken, ignorieren und unterdrücken. Aber ganz sanft, unspektakulär und soft. So wie der Klang dieses manchmal tragischen Zauber-Albums.
Belle & Sebastian meets Zoot Woman, mit einem herrlich frisch-sommerlichen Ambiente, dass man dazu die Palme auf dem Cover anstarrt und irgendwo an einem Strand liegen möchte. Die Gastsängerin Roxanne Clifford besticht hier mit ihrer klaren nicht-aufdringlichen Stimme und ihr „Love / I’m in love / Again” geht einem ewig nicht aus dem Kopf. Zumindest nicht bis man „The Look” gehört hat, was schon der nächste Track auf „The English Riviera” ist.