CRAZEWIRE Best Of:
Februar 2009
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 02.03.2009
Die Übersee-Kollegen von Pitchfork haben im letzten Jahr ihre „Pitchfork 500“ in Buchform veröffentlicht und geleiten den interessierten Leser durch die letzten 30 Jahre des Pop-Zirkus. Ähnliches haben auch wir mit unseren Lesern vor. Nur wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir bei 500 adäquaten Platten angekommen sind, die als die Crazewire 500 in die Geschichte eingehen werden. Bis dahin machen wir einfach da weiter, wo wir im letzten Monat aufgehört haben. So gesellen sich mit Dear Reader, Glasvegas, Ghost Of Tom Joad, M. Ward und The Phantom Band fünf weitere Platten in den Bestand der ewigen Besten.
So wie man im Winter durch das altbewährte Zwiebelprinzip warm bleibt, wärmen Dear Reader ihre Musik auf. Schicht für Schicht fügen sie die Elemente zusammen. Und so wie auch beim Zwiebellock unerwartete Kleidungstücke auftauchen, finden sich in Dear Readers Musik unerwartete Wendungen.
Wie ein Gewitter nachmittags um halb vier, so beginnt das selbstbetitelte Debütalbum der vier Schotten. Langsam grollend, weit aus der Ferne heranziehend, steigern sich die Gitarren in „Flowers & Football Tops“ zu einem unheilvollen Lamento, das die schlimmsten Befürchtungen des Erzählers bestätigt: „Police on my left and right / My son's not coming home tonight.“
Wer traut sich sonst schon, schon beim zweiten Album auf ein Konzeptalbum zu setzen? Ghost Of Tom Joad trauen sich diese Anmaßung - und gewinnen. Wer „Into The Wild“ gelesen oder gesehen hat, spürt auch bei „Matterhorn“ die Atmosphäre, etwas dringend tun zu müssen.
Und was für ein Füllhorn an Melodien von Ward auf „Hold Time“ aus dem Ärmel geschüttelt wird. Diese vierzehn Songs mit dem Sammelbegriff „Americana” zu etikettieren, wäre eine Beleidigung an die Vielfalt, mit der hier zur Sache gegangen wird.
The Phantom Band lassen aufhorchen, präsentieren sie doch mit ihrem Erstling ein Album, bei dem musikalischer Facettenreichtum nie auf Kosten der Schlüssig- oder Hörbarkeit geht. Die vielköpfige Kapelle aus Glasgow scheint eine große Plattensammlung und jede Menge Lust zum Fusionieren zu haben.