Kategorie:
Tourbericht
Titel:
Major Fail - Schreng Schreng & La La Tourtagebuch
Interpret:
Schreng Schreng & La La
Datum:
28.10.2009
Lokation:
La Schreng Tour 2009
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 16.11.2009
28.10.2009: Düsseldorf – Pretty Vacant
Das Pretty Vacant ist eine stilsichere Oase in der Düsseldorfer Altstadt und eigentlich der einzige Ort, an dem man sich in der Nähe der „Längsten Theke der Welt“ wohlfühlen kann. Für uns natürlich der perfekte Ort, unseren Tourstart zu feiern. Als Vorprogramm des heutigen Poetry-Slams fühlen wir uns gut aufgehoben, schließlich sind uns unsere Texte auch sehr wichtig.
Das Publikum ist glücklicherweise sehr zahlreich erschienen und teilt sich ziemlich genau 50/50 in Freunde von uns und Fans des gesprochenen Wortes. Während unseres 30-minütigen Sets überzeugten wir die Anwesenden mit Seifenblasen, Konfettikanonen, unserem Dingo und der Hommage an Bob Dylan bei „Oberbilk“. Klar, dass der Song bei den Düsseldorfern am Besten ankommt. Schön zu sehen, dass auch die Zuschauer, die nicht unseretwegen gekommen sind, artig applaudieren und offensichtlich Spaß an unserer Darbietung haben. Die After-Show-Party verdiente sich ihren Namen redlich und irgendwann gegen 5 Uhr stolpern Jörkk und ich gestützt vom Dingo nach Hause…
29.10.2009: Dresden – Little Creatures
…um nach 4 Stunden Schlaf wieder aufzustehen und direkt den ersten Zug zu verpassen. Gegen 11 Uhr schaffen wir es dann aber doch noch zum ICE, der uns nach Dresden bringen soll. Vollgepackt mit unserem Entertainment-Programm sowie Wein und Tourkuchen, den uns Heike eingepackt hat, schaffen wir die sieben Stunden Zugfahren mit links. Super, dass wir bereits während der Zugfahrt unsere komplette Gage vom Vortag in Wein, Sekt und Bier investieren... sehr schlau. Die Dresdener Neustadt ist toll. Alternativ, links und voll mit kleinen Plattenläden, süßen Bars und Locations, in denen man als Musiker auftreten darf. Kein Vergleich zu Düsseldorf, wo das leider in diesem Maße nicht möglich ist.
Das Little Creatures ist gegen 22 Uhr schon ganz gut mit Freunden, Stammgästen und Konzertbesuchern gefüllt. Den mitgebrachten Tourkuchen noch schnell ans Publikum verteilt und los geht's. Da der Support ausgefallen ist, liest Jörkk vorher noch einige seiner Texte. Ich frag mich immer, wie er es schafft, mit seinen geistigen Ergüssen das Publikum zu begeistern. Am Ende muss er seine Texte an das Publikum verschenken, womit sich das Vorprogramm für Leipzig auch erledigt hat. Unglaublich. Über das Konzert kann man nichts Negatives sagen. Dafür, dass uns hier niemand kennt, gehen die Dresdener laut Aussagen des Barchefs voll euphorisch aus sich heraus. Es wird sogar geklatscht. Crazewire-Kollege Kai ist später so nett und bietet uns eine Bleibe für die Nacht an, die wir gerne annehmen. Auch heute muss uns das Dingo gegen 5 Uhr ins Bettchen bringen. Gut, das wir das stinkende Ding mitgenommen haben.
30.10.2009: Roßwein – Jugendhaus
Bei Bekannten zu schlafen hat immer den fantastischen Vorteil, dass man am nächsten Morgen in Ruhe duschen und frühstücken kann. Unser Gastgeber Kai zeigt uns sogar die Neustadt sowie Zwinger und Semperoper, was bei strahlend blauem Himmel wirklich schön anzuschauen ist. Die gute Laune verfliegt dann ein wenig, als wir feststellen, wie lange wir mit dem Zug von Dresden nach Roßwein brauchen. Zwei Stunden für 60 Kilometer - irgendwie doof. Netterweise erklärt sich ein Freund aus Radebeul bereit, uns mit dem Auto hinzufahren. Schon toll, wie viel Hilfsbereitschaft uns hier entgegenschlägt.
Roßwein hingegen ist ein wirklich trister Ort. Man sieht dem kleinen Städtchen zwischen Leipzig und Dresden an, dass viele der Einwohner bereits weggezogen sind. Ein Lidl und eine Tankstelle, das war es fast schon. Hinzu kommt ein unfassbar hoher Anteil an Nazis, die das Stadtbild prägen. Hier sollte man sich nicht von den fünf Prozent täuschen lassen, die die NPD dort gewinnen konnte. Vielen ist die Partei schlicht zu liberal.
Das Jugendhaus ist eine der wenigen Bastionen der linken Szene und ein Hort voller liebenswürdiger Menschen. Selten so viele nette Musiker auf einem Haufen gesehen. Hier möchte ich von ganzem Herzen auf zwei Bands aufmerksam machen, die sich sicherlich über ein paar Klicks auf ihren MySpace-Seiten freuen würden. Mit eheruncool und Enny 75 dürfen wir heute nämlich mit zwei wirklich tollen Bands die Bühne teilen. Während des Konzerts versuchen wir das Publikum mit unseren letzten Knicklichtern und Konfettikanonen zu bestechen. Das trägt zwar zur guten Laune auf und vor der Bühne bei, gegen die Wucht und Bühnenpräsenz, mit der Enny 75 später über das Publikum hereinbrechen, konnten wir auch mit kleinen Geschenken nicht anstinken. Super Band. Die Jamsession im Backstageraum endete irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Da befand ich mich aber bereits im Schlummerland und träumte von einer besseren Welt.
31.10.2009: Leipzig – Schlechtes Versteck
Gegen 11 Uhr heißt es dann schon wieder aufstehen. Gut erzogen,
wie wir nun mal sind, räumen wir artig mit dem Veranstalter auf. Zur Belohnung gibt es ein super Frühstück mit allem was das Musikerherz erfreut. Den Rest des Tages verbringen wir mit rumgammeln. Nach ein paar Tagen merkt man dem „Touralltag“ an, dass die Tage viel zu lang, die Nächte viel zu heftig und die Auftritte viel zu kurz sind. Alex von eheruncool fährt uns abends nach Leipzig, wo wir bei Freunden von Jörkk unterkommen. Ich glaube, ich habe innerhalb von vier Tagen noch nie so viele liebe Menschen kennen gelernt.
Das schlechte Versteck ist eine unglaublich charmante und schön eingerichtete Bar. Das bunt gemischte Publikum sieht, laut Barkeeper, die Kneipe als ihr Wohnzimmer an. Genau das sollten wir dann auch am Anfang unseres Gigs erleben. Denn, dass da drei Menschen Musik machen, interessiert hier wirklich niemanden. Da wird Schach gespielt, wild auf den Tischen getrommelt und in die Lieder rein gebrüllt, während der Tisch vor uns weiter Skat spielt. Solch eine Ignoranz kennt man ja noch nicht mal von den Kölnern, die ja auch schon mal zu laut quatschen. Aber wenn doch am Eingang steht, dass es heute Livemusik gibt, dann ... ach lassen wir das. Glücklicherweise hat das Schlechte Versteck einen tollen kleinen Hinterraum, in dem hin und wieder Lesungen stattfinden. Nach dem dritten Lied ziehen wir schließlich in den Hinterraum - mit unseren Gastgebern, Alex und drei (!!!) weiteren Zuschauern. Vom Feeling her ein gutes Gefühl, würde Andreas Möller jetzt sagen. Denn die acht Zuschauer nötigen uns dazu, immer weiter zu spielen. Das ist ganz schön nett und toll, genau wie der Barkeeper, der uns und dem Publikum am Ende sogar noch eine Runde Schnaps aufs Haus spendierte. Solltet Ihr mal in Leipzig sein, hier darf man gerne mal auf ein Bier reinschauen. Die After-Show-Party konnte anschließend alles. Die Kommunikation mit unseren Gastgebern haben wir dann aber doch verrafft. Denn nachdem das Dingo und Jörkk um viertel nach acht ins Bett stolperten, machten selbige bereits Frühstück für uns.