Kategorie:
Spezialbericht
Titel:
Transatlantic Feedback - Story of The Monks
Interpret:
The Monks
Datum:
09.11.2009
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 09.11.2009
It's monk time - it's hop time. Es geht um Reduktion, das Spiel mit der Wucht brachialer Klänge, das Herausschälen des Primitiven im komplexen Gefüge.It's Monk time. Es geht um Musikgeschichte. Nein, es geht nicht um Elvis. Es geht um Gary Burger, Roger Johnston, Larry Clark, Dave Day und Eddie Shaw. Es geht um The Monks.
„Monks - The Transatlantic Feedback" die Dokumentation zu einer besonderen Erscheinung der Popwelt ist nun auf DVD erhältlich und wird dringend als Weihnachtswunsch empfohlen. Nicht nur, dass der Film Grimme-Preis-dekoriert ist, beleuchtet er ferner bis ins kleinste Detail eine Band, deren Ruhm bei der Nachwelt die zeitgenössische Aufmerksamkeit um Längen übertrifft. Proto Punk mag ein Schlagwort sein, mit dem die Monks belegt wurden. Wie wenig man es damit fassen kann, zeigt der Film.
Einfach zusehen und staunen, wie etwa Dave Day das Banjo bearbeitet, in das aufgrund mangelnden Equipments die Mikros einfach eingebaut wurden und es so zu einem synergetischen Bestandteil der oft straff und monoton treibenden Rhytmusgruppe werden lässt. Es kommentieren die Protagonisten die Grundidee des klanglichen Experiments The Monks. Sinngemäß heißt es da, man habe einfach versucht, die bestehenden Songs der Vorgängerband The Torquays zu dekonstruieren und sie auf das Wesentliche, die minimalsten Elemente zu reduzieren, um einen kompakteren, wuchtigen Sound zu erschaffen.
Die Dokumentation zeichnet den Weg der fünf Bandmitglieder vom Ausgangspunkt der gemeinsamen Armee-Erfahrung, über die unbeschwerten Tage als Beat-Coverband The Torquays, die siebenstündige Sonntagsmatinees absolviert und in jedem Hafen ein Mädchen hat, über die Geburtsstunde der Monks unter Beteiligung der beiden passionierten Design-Studenten Karl Remy und Walther Niemann, die der Band zu einem durchdachten Image verhalfen, durch eine Zeit des Aufbruchs mit neuem Selbstverständnis, endlosen Ochsentouren durch die deutsche Provinz, dem raschen Ende eines Traums bis zum Reunion-Auftritt und ersten USA-Konzert 1999.
Man merkt dem Film an, dass seine Macher mit ganzem Herzen bei der Sache waren. Interviews, private Fotografien und Promomaterial, alte Filmaufnahmen und natürlich die Lieder der Monks werden zu einem ungemein interessanten Trip durch die Sechziger Jahre. Dabei spielt nicht zuletzt der Umstand eine besondere Rolle, dass mit den Monks neben den Beatles, obgleich unvergleichbarer öffentlicher Wahrnehmung, ein weiteres Ausnahmephänomen der Beat-Ära im Umfeld des WIrtschaftswunderlandes Bundesrepublik wuchs und gedieh.
Im Herzen des aktuellen, nachgeborenen Musikliebhabers ist der Gegensatz zwischen den Burschen aus Liverpool und den bewusst als Anti-Beatles aufgebauten Amerikanern ohnehin einer von rein popkultureller Relevanz. So wie ohne die Beatles die Geschichte der Populärmusik sicher anders verlaufen wäre, kann man nur munkeln, wie sich Leute wie die Stooges, Henry Rollins oder die Einstürzenden Neubauten ohne die musikalischen Mönche anhören würden.
Passend zur DVD erscheint mit „Silver Monk Time" ein Tribute-Soundtrack mit sich verbeugenden Coverversionen von unterschiedlichen Künstlern und Bands wie The Fall, Chicks On Speed, Die Goldenen Zitronen, Mouse On Mars, The Gossip, Jon Spencer oder Alec Empire. Film und Musik erhält man seit dem Dahinscheiden ihres Vertriebs SPV übrigens vorzugsweise beim Label Play It Loud selbst.