DETAILS

Kategorie:
Spezialbericht

Titel:
„Utopia Ltd." -1000Robota zwischen Vorort und Hype

Interpret:
1000 Robota

Datum:
25.05.2011

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 25.05.2011

BERICHTE

Spezialbericht - „Utopia Ltd." -1000Robota zwischen Vorort und Hype

„Utopia Ltd." -1000Robota zwischen Vorort und Hype

„Utopia Ltd." lautet der sehr passende Titel einer Dokumentation, die sich am Beispiel der Band 1000Robota den Grundsatzfragen künstlerischen Schaffens in der Popkultur widmet. Regiesseurin Sandra Trostel begleitete die Band über eineinhalb Jahre und war mit ihrer oft sehr intim filmenden Kamera in der Startphase vom Studio, über die Labelbüros bis zu Interviewterminen und Liveshows allgegenwärtig. „Utopia Ltd." ist daher einerseits zwar ein Bandporträt, darüber hinaus jedoch auch ein universeller Film über die Selbstfindung als Künstler und das Vereinbaren von Anspruch, Traum und Realität.

Nachdem die Band innerhalb weniger Monate mit Tapete Records einen namhaften Partner gefunden hat, stehen alle Zeichen auf Karrieresprung und Newcomer-Ehren. Einen Hit zu schreiben oder eigenes hitverdächtiges Material zentral werden zu lassen verweigern Anton Spielmann, Jonas Hinnerkort und Sebastian Muxfeldt indes konsequent. Ein Zustand, den Sänger Spielmann in Worte kleidet, die von blumigem Abiturientensprech bis zu wirklich cleveren, tiefgehenden Reflexionen über künstlerisches Selbsverständnis und Wirkmechanismen der modernen, kapitalistischen Massenmedien reichen. Im Spannungsfeld zwischen Jugendzimmer im elterlichen Vorortheim und hipper Showcases in London entwickeln sich eigene Dynamiken.

Mit der Tapete-Chefetage scheint die Stimmung von Anfang an von Reibungspunkten und Mißverständnissen gewürzt, die das Gesamtprojekt aus Platten- und Bookingdeal sowie einer Ausbildungsstelle für Sänger Spielmann letztlich zum Scheitern bringen. Besonders Geschäftsführer Gunther Buskies ist ein viraler Feedbackgeber und argumentiert nicht zuletzt auch im Interesse eines funktionierenden, verkaufsfähigen Produktes, während 1000Robota ihr Label eher als Dienstleister im Geiste der freien Entfaltung ihrer Kunst verstehen. Künstlerische Identitätsfindung trifft auf Marktstrategien, die selbst im Indie-Sektor unabdingbar sind, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Der Film gewährt in diesen Momenten einen sehr detaillierten und nahen Einblick in die Tücken des Musikgeschäfts. Auch bei einem Indie-Label müssen Mieten bezahlt werden, was im Falle von 1000Robota bedeutet, dass der Band auf eine Tour mit teilweise grotesk anmutenden Band-Kombinationen gebucht wird. Ohne ein Experte im Bookinggeschäft zu sein, kann man sich leicht ausrechnen, warum das Trio im Schützenvereinsheim oder in der Dorfdisco deplatziert ist. Eine starke Szene ist weiterhin das erste Probehören des fertigen Debütalbums. Neben Buskies ist auch der zweite Geschäftsführer Dirk Darmstaedter anwesend. In unaufgeregten Gegenschnitten sieht man die Musiker ihre Aufnahmen genießen, während auf Seiten der Labelmenschen Köpfe geschüttelt werden, bis die Situation schließlich in einer schonungslosen Diskussion endet.

Man erlebt jugendliche Arroganz, ehrlich klingende Träume von einem Leben ohne Zwänge, Fragen nach Konsequenz und Entwicklung, die nicht eindeutig zu beantworten sind und natürlich einige der schrammelnden, nicht selten an Joy Divisions Gleichklang erinnernde Songs der Post-Punk-Combo. Ob man Art und Inhalt der Monologe Anton Spielmanns für aufgeblasen und gekünstlet hält oder darin eine Hoffnung für eine Zukunft sieht, in der Nachdenklichkeit, Philosophie und Punk-Spirit sich nicht ausschließen und auch in feinen Hemden lautstark gegen ein selbstgefälliges System gelebt werden kann, festzuhalten bleibt: dieser junge Mann und seine Band polarisieren und das nicht ohne Grund.

Auch wenn der Vergleich mit den Goldenen Zitronen, mit denen 1000Robota gegenwärtig, knapp 2 Jahre nach den Dreharbeiten ihr Label Buback teilen, die drei immer noch jungen Männer mittlerweile langweilt, erinnert „Utopia Ltd." in seiner Unmittelbarkeit an Jörg Siepmanns fabelhafte, doch von den Zitronen schärfstens abgelehnte Bandzersetzungsdoku „Golden Lemons". Nachdem „Utopia Ltd." im Februar bereits auf der Berlinale zu sehen war, ist der Film seit Anfang Mai auf der Reise durch die verschiedensten Programmkinos des Landes. Wer sich für Themen wie Image, Wirkung von Popkultur oder einfach 1000Robota interessiert, sollte recherchieren, wann der Film in seiner Stadt läuft.

Trailer: „Utopia Ltd."


 

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