DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Yuck

Interpret:
Yuck

Datum:
18.10.2011

Lokation:
Underground, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Ingo Reiff
Köln, 19.10.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Yuck

Yuck

Auch im 21. Jahrhundert haben Bands mit Frauen an Saiteninstrumenten Seltenheitswert. Insofern ist die Dresdner Band The ArtbreakHeartshop als Support für Yuck bei deren Konzert im Kölner Underground eine treffliche Wahl. Die Band um Gitarristin und Sängerin Oyemi Hessou bewegt sich vor sympathisch-dilettantischem Bühnendesign – ein Bettuch mit bunt blinkenden Lichterketten – stilsicher auf Noise Pop-Terrain, wobei sie sich nach anfänglichen Soundproblemen mit einer enervierend übersteuerten E-Gitarre vor allem mit den letzten, postrockigen Stücken ihres Sets als adäquate Vorband für die neuen Londoner Alternative-Lieblinge Yuck herausstellt.

Trotz des vielen Lobs für ihr Debütalbum „Yuck“ und den berechtigten Vergleichen mit Größen wie Pavement, Sonic Youth und Dinosaur JR. haben sich die vier Londoner von Yuck eine erfrischende DIY-Attitüde erhalten. Wie aus einem amerikanischen High School-Film entsprungen, stellen die vier ein Panoptikum der Nerdigkeit dar. Der Schlagzeuger mit seinem Mega-Afro wird mitten im Konzert von seinem Gitarristen für das Herunterfallen des kurz vor dem Auftritt eiligst selbst aufgehangenen Banners mit der simplen Edding-Aufschrift „Yuck“ (im unten verlinkten Video zu sehen) gerügt. Sänger Daniel Blumberg, mit viel zu großem Parkahemd ausgestattet, brabbelt zwischen den Songs lauter gerade Ausgedachtes ins Mikro, wenn er nicht gerade verspricht, bis zum nächsten Auftritt in Köln Deutsch gelernt zu haben – mittels der hilfreichen Sprachlern-CDs. Und Mariko Doi, die Bassistin? Sie steht zentral, schaut über die gesamte Länge des einstündigen Sets jedoch nach guter Shoegazing-Manier kein einziges Mal ins Publikum, ganz verloren in der Musik und konzentriert auf ihr famoses Bass-Spiel.

Müsste man den Auftritt der Londoner mit zwei Attributen beschreiben, ergäben sich automatisch: sympathisch und professionell. Denn bei allem Schülerband-Flair, den Yuck versprühen, haben sie auch in einer suboptimalen Location wie dem Underground einen unwahrscheinlich guten Sound und ein intuitiv richtiges Gespür für den Moment. Da dies nicht nur von den Akteuren der jungen Hipster-Garde goutiert wird, sondern offenbar auch von Musikfreunden, die möglicherweise schon die Anfangstage von Sonic Youth live miterlebten, hat sich für Yuck ein bunt gemischtes Publikum vor der großen Bühne im Underground eingefunden.

Medias in res beginnen die vier Musiker mit ihrem Set, das überwiegend aus den Songs ihres Debüts besteht. „Holing Out“ und „The Wall“ sind schnelle, krachende Nummern, die einen in Sekundenschnelle aus dem Kölner Herbst 2011 hineinkatapultieren ins Frühjahr 1992, in dem Pavement ihr Debüt „Slanted And Enchanted“ herausbrachten, oder in den Sommer 1994, als Dinosaur JR der Welt ihren Klassiker „Without A Sound“ schenkten. Die shoegazende, noiserockende, wimmernde, sperrige, laute, gitarrenlastige Atmosphäre dieser Zeit wabert an diesem Abend durch die gesamten elf Songs, die Yuck spielen. Die Freude, bei ihrem zweiten Auftritt im Underground nach März 2011 nun sogar in dem großen Raum statt auf der kleinen Bühne spielen zu dürfen, kauft man dem Gitarristen Max Bloom tatsächlich ab. Dabei hätte Yuck dieses Understatement gar nicht nötig, aber es passt natürlich zu dem bewusst gewählten Außenseiterpathos, das an diesem Abend durchaus authentisch wirkt.

Beeindruckend ist auch der Variantenreichtum der Band bei gleichzeitigem Verweilen im Genre. Das funktioniert nicht nur auf Platte, sondern auch auf der Bühne: „Suicide Policeman“, das melancholische Manifest der Band, und das ruhige „Suck“ werden mit genauso viel Seele zelebriert wie das schnelle „Georgia“ und das krachige, tanzbare „Operation“. Ein neuer Liebling der Yuck-Fans wird „Milkshake“ werden, eine fröhlich-melancholische Midtempo-Nummer, die als B-Seite der Single „Shook Down“ erschienen ist. Wer keine Gelegenheit hat, Yuck in naher Zukunft live zu sehen, dem bietet dieser Song die Gelegenheit, das Yuck-Feeling zumindest virtuell zu erleben: „I don’t wanna get you down / I just need to be around / Treating me so unkind / You are making a milkshake of my mind“. Mit dieser melancholischen Leichtigkeit verlassen die Jungen und die Alten das Underground, mit dem Gefühl im Herzen, dass Musik zwar nicht die Welt verändern, sie aber ein bisschen schöner machen kann. Chapeau, Yuck!

Video: „Milkshake“


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke