Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Yuck & The Dope
Interpret:
Yuck
Datum:
01.03.2011
Lokation:
Underground, Köln
Autor:
Michael Weber
Köln, 09.03.2011
Da liegt sie in ganz professioneller Manier auf dem Boden. Auf ihren Saiten zwei Pappbecher abgestellt, damit das Dröhnen und Röhren anders im Raum verklingt. Danny Blumberg, der Sänger und Lead-Gitarrist von Yuck, dreht noch eine Runde über die kleine Bühne im Kölner Underground und schaltet nochmals alle Echos, Reverbs und Verzerrer ein, damit seine vor die Bühne gelegte Gitarre nochmal alles gibt, während sie da die letzten Töne des mantrahaften „Rubber“ vor sich hin wabert. Ein kurzer Wink Richtung Publikum, dann verschwindet er auch schon durch dieselbe Tür am Bühnenrand, durch die auch seine drei Mitstreiter gegangen sind. Der Abend ist vorbei. Wir klatschen begeistert im relativ gut gefüllten Underground in die Hände. Pfeifen vor Freude, im Wissen, dass diese so junge Band gerade ein kleines Feuerwerk im verstohlenen Shoegazing veranstaltet hat und wir wohl noch viel von ihnen hören werden.
Doch eines nach dem anderen. Ein ganz klein wenig skeptisch war ich, als ich mitbekam, dass das zu Teilen aus England und den USA kommende Quartett Yuck ausgerechnet im Underground spielen sollte. Schließlich überschlugen sich die Presseberichte von Übersee geradezu, wenn es um die verschmitzten Jungspunde und ihren so herrlich geradlinigen College-, Grunge- oder Indie-Rock ging. Pitchfork gab ihnen das Prädikat „Best New Music“, was in Fachkreisen einem Ritterschlag gleichkommt und den Erfolg auf internationaler Ebene fast vorprogrammiert. Dieses Lauffeuer hatte sich wohl noch nicht komplett verbreitet und außerdem erscheint ihr Album „Yuck“ erst Ende April bei uns. Wenn das aber erst einmal passiert ist, werden sie das Luxor oder das Gebäude 9 bespielen. Da bin ich mir sehr sicher.
Und wenn es soweit ist, dann bitte ich darum, dass sie wieder die schüchternen und in den Bart nuschelnden The Dope aus Berlin bzw. München mitnehmen. Das Duo spielte einfach ganz stoisch seinen Indie- und Post-Rock im Stile von No Age, Japandroids und PS I Love You ab. Hämmerndes Schlagzeug, eine schmetternde Gitarre, introvertierter Gesang und ein Laptop mit einem Sequenzer, mehr braucht man wirklich nicht. Das Minimal-Programm der beiden wurde zunächst kritisch beäugt und sonderlich viele Besucher waren nicht gerade anwesend, als sie ihr Bestes gaben. Doch mit jedem weiteren Song füllte sich der kleine Nebensaal, in dem das Konzert stattfand und der Applaus steigerte sich immer ein bisschen mehr. Die zwei Jungs passten mit ihrer verhaltenen Art einfach perfekt in das restliche Bild des Abends. Insbesondere ihre verstohlene und unverständliche Art, kurze, abgehackte Ansagen zwischen den Songs zu machen.
Bei Yuck sollte sich dieses Bild auch kaum ändern. Einzig der Schlagzeuger, Johnny Rogoff, versuchte während des kurzen Konzerts etwas aus sich herauszugehen und das melancholische Nerd-Gehabe, das besonders von Blumberg angeführt wurde, aufzubrechen. Seine drei Bandkollegen hingegen standen so herrlich introvertiert auf der Bühne, dass es einem fast so vorkam, als würden Puppen das Programm jener aufstrebenden Band abspielen. Eine Nerd-Show ohnegleichen. Betäubt wie Pavement, aber bei weitem nicht so exzentrisch wie Stephen Malkmus standen sie da und spielten in Perfektion alle Songs ihres noch kommenden Albums. Blumberg immer buckelig und mit Locken wie ein junger Dylan vor dem Mikrophon, Bassistin Mariko Doi wie Darcy von den Smashing Pumpkins ganz verträumt in ihre Bassläufe versunken, Rogoff gestylt wie ?estlove von The Roots und Max Bloom an der zweiten Gitarre ganz unauffällig und fast teilnahmslos in der Ecke stehend. Das Publikum beobachtete dieses so unscheinbare Treiben auf der Bühne mit freudigen Augen, versank in schwelgenden Songs wie „Suck“, „Sunday“, „Stutter“ oder „Suicide Policeman“ und ließ sich zu träumerischem Shoegaze-Tanzen hinreißen dank „Operation“, „Georgia“, „Holing Out“, „The Wall“ oder „Get Away“.
Dann lag die Gitarre auch schon auf dem Boden. Yuck bedankten sich und verschwanden. Doch anders als das dank Helios und der Stadt Köln dem Untergang geweihte Underground werden sie wiederkommen. Eine Instanz geht, die andere wird kommen. Die Skepsis war weg und die Gewissheit da, dass die Wahl des Undergrounds genau die richtige war.
Video: „Holing Out“
Yuck - Holing Out from Yuck on Vimeo.