Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
William Fitzsimmons
Interpret:
William Fitzsimmons
Datum:
26.06.2011
Lokation:
Gloria, Köln
Autor:
Julia Seiffert
Köln, 06.07.2011
Es ist Sommer und heiß. Draußen in den grünen Parks, am Rhein und in den engen Gassen Kölns treibt das bunte Leben. Überall Straßenfeste, Menschenmassen, lachende, schwitzende Gesichter, hektisches Treiben, sogar auf einem Sonntag, der die Leute nicht zur Ruhe kommen lässt. Dann stolpert man aus der hitzigen Masse nahe des Neumarkts, dem Zentrum des Geschehens, in einen weinroten Theatersaal und damit in eine andere, ganz wunderbar leise Welt. Das Gloria trumpft heute mit einer Aneinanderreihung drei außergewöhnlich guter Künstler auf.
Eigentlich wartet man immer gespannt auf den Hauptact und verpönt es gar, wenn sich auch noch eine zweite Vorband dazwischen quetscht, die die Wartezeit um gefühlte zwanzig Stunden verlängert und man sich die Beine förmlich in den Bauch steht. Diesmal ist es jedoch anders, nicht nur bei mir, sondern auch der Rest des Publikums spielt mit. Die zarte Stimme von Maria Taylor, die allein mit ihrer Akustikgitarre die Bühne betritt, geht nicht im allgemeinem Vorbandgebrabbel unter, sondern wird durch stilles Schweigen gewürdigt und durch Applaus angenommen. Ein viertelstündliches kurzes Gastspiel lässt einen zufrieden zurück. Die zweite Vorband Slow Runner fährt mit großem vielfältigen Equipment auf. Damit erzeugt die Band ein unglaublich abwechslungsreiches Klangkonzept, welches den gesamten Körper zu gut gemachtem und eingängigem Indierock mitwippen lässt.
Ein guter Auftakt, der die Vorfreude nur noch größer werden lässt. Auf die freakige Barterscheinung, hinter der man niemals eine solch unglaubliche, tief berührende Stimme erwartet, die jedes einzelne Haar zu Berge steigen lässt. Zum Mann des Abends muss man nicht mehr viel erzählen, da er mittlerweile einen großen Bekanntheitsgrad und eine dicke Fangemeinde erreicht hat. Das Licht dämpft sich, es wird unruhig und laut. Die Masse begrüßt mit tosendem Applaus einen schüchtern dreinblickenden William Fitzsimmons, bei dem man anfangs gar nicht vermutet, dass er sich auf der Bühne so dermaßen sicher und zu Hause fühlt. Musikalisch begleitet wird er für ein paar Stücke von Slow Runner. Die Stimme setzt ein und somit auch endlich die Ruhe in mir. Alles wird still und taucht gefühlt jeden Einzelnen in die schwere, ehrliche und traurige Welt des Mannes ein, der einen mit seinem Gesang auf eine wundersame Weise fast therapiert.
Nach ein paar Songs steht er allein auf der Bühne. Alles ist dunkel, nur zwei Scheinwerfer erhellen die Gestalt von William Fitzsimmons und die abervielen Discokugeln an der Decke glitzern durch die Nacht. Er gleitet ganz still und leise durch die großen Songs wie „Everything Has Changed“ oder „Running Away From Ghosts“. Man schließt die Augen und möchte sich am liebsten hinsetzen und genießen. Alles ist auf einmal ganz intim und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht. Zum Abschied kommen die gesamten Künstler noch einmal auf die Bühne und überraschen gemeinsam mit „Sweet Home Alabama“.
Es war ein Spiel aus Höhen und Tiefen. Fitzsimmons verzettele sich zwischen den Songs in lustigen Erzählungen aus Alltagsgeschichten und gibt seine Deutschkenntnisse und Komikerqualitäten zum Besten. Genau das Richtige. Denn sonst würde man eventuell nicht mehr aufwachen aus der aufsaugenden Traummusik des ziemlich sympathischen jungen Mannes aus Illinois.
Video zu „Everything Has Changed“