Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Vampire Weekend & Fan Death
Interpret:
Vampire Weekend
Datum:
21.02.2010
Lokation:
Hamburg, Docks
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 22.02.2010
Es ist ein aktuelles Phänomen, dass der Konzertsektor wieder so richtig in Fahrt kommt. Nachdem jüngst bereits die nun abgesagten Konzerte von The XX von übersichtlichen Clubs in große Hallen verlegt wurden und Mumford & Sons soeben dem selben Schicksal einer Umverlegung nach Ausverkauf entgegenschauen, wundert es wenig, dass Vampire Weekend in Hamburg nicht wie ursprünglich geplant im Übel und Gefährlich, sondern im um einiges größeren Docks spielen. Hype sei dank, es werden endlich wieder Tickets verkauft und wenn jetzt einer sagt, dass bei solchen Massenbespaßungen der Musikliebhaber oft auf der Strecke bleibt und sich Unwohlsein breit machen kann, sobald man den Nebenmann sichtet, dann hat er zwar Recht, aber dennoch keine Wahl. Sich den Abend verderben lassen, weil man kein Teil dieser Jugendbewegung ist oder sein möchte, können andere, ich nehme es mit Humor.
Im Monatsprogramm des Docks platzieren sich die vier schüchternen Burschen von Vampire Weekend zwischen R'n'B-Ladies-Night und Hard-Trance-Fete. Man merkt hier nicht erst beim wohlschmeckenden und günstigen Bier und dem zuvorkommenden Servicepersonal, dass man sich in einer Qualitätslocation aller erster Güte befindet. Hier gastierte von Guano Apes bis Him alles, was in der gehaltvollen Rhythmusunterhaltung Rang und Namen hat und daneben ein Haufen durchaus spannender Nischen-Acts. Selbst Bob Dylan war schon mal da und 50 Cent kommt im März. Hier verfolgt man einen Plan.
Glänzend uninspiriert
Der Opener des Abends passt dabei sehr harmonisch ins Bild. Es ist doch immer wieder verwunderlich, nach welchen Kriterien bei solchen Massenevents die Vorbands ausgesucht werden. Im Publikum hört man es von Vetternwirtschaft munkeln. Auch die Theorie, es handele sich hier um die Groupies der Hauptband, macht die Runde. Vermutlich hat das Label den Support Slot schlicht erkauft, wie es zur gängigen Praxis geworden ist. So dürfen sich also Fan Death aus Kanada den artigen Beifall von zahlreichen Händen abholen, auch wenn wohl kaum einer der Anwesenden vor und auf der Bühne so richtig versteht, warum. Die Band verhilft dem Adjektiv „uninspiriert" zu neuem Glanz.
Unbeholfen bis gewollt wirkender Tanz, knappes Kleidchen, nur leider keine Stimme, so oder ähnlich lässt sich die unfreiwillig komische Performance einer Sängerin zusammenfassen, die, so weiß man nach Recherche, eine Hälfte des Duos Fan Death bildet. Die hier dennoch anwesende Band gibt sich alle Mühe, kein 80er-Klischee auszulassen und besteht demzufolge aus New-Wave-Keyboard, gelangweiltem Schlagzeug und elektrisch verstärkter Geige. Electropop trifft auf Vanessa Mae und folglich wird die Violine von einer Asiatin bedient. Was bei The Gossip dank massiver Bühnenpräsenz und jahrelanger Entwicklungszeit jüngst richtig gut funktioniert, wird so zum belanglosen Disco-Geplänkel. Ein wenig erleichtert atmet man durch, als die halbe Stunde überstanden ist oder wundert sich über Zitate der Sorte: „Die waren richtig gut, besonders für eine Vorband." Die Sache mit dem Publikum wurde ja eingangs schon angesprochen.
Souveräne Versicherungsvertreter
Die vorderen Reihen sind ein Meer aus sich selbst mit dem Handy fotografierenden Teenagern. Man mimt den Leuchtturm und ist gespannt, ob die jungen Amerikaner dem guten Ruf bestätigen können, der ihnen vorrauseilt. Schnell wird klar: das können sie, und zwar äußerst souverän, wenn man bedenkt, dass alle Vier eher nach Versicherungsvertretern oder Elitestudenten aus besserem Hause aussehen. Vampire Weekend erfüllen sich derzeit den Traum, den Brillenträger und nette Jungs nicht erst seit Weezers blauem Album träumen. Junge Jungen und noch jüngere Mädchen kreischen und springen, alte Typen sehen zu, wie ihre Mädels mitfiebern und alle haben irgendwie Spaß an Songs, die live mitunter ein wenig detailärmer daherkommen, als auf Platte.
Besonders auffällig sind im Liveoutfit die Parallelen zu Skapunk- und Melodycore-Bands der späten Neunziger. Das Publikum wartet auf die schnellen Stellen, um wiederholt zum Pogo zu starten. Was wurde da in der Fachpresse nicht alles wortgewandt von Afro-Beat-Einflüssen und Literatur-Referenzen in den Texten fabuliert. Beim Auftritt selbst wird aller Feingeist dem Moment geopfert und der ruft laut „Party" und klatscht im ewig gleichen Takt, ohne den Rhythmus der Lieder auch nur erahnen zu wollen. Am College liest man eben nicht nur britische Schriftsteller, sondern nach so manchem Wohnheimfest auch die Alkoholleichen vom Boden auf.
Wer sich auf die Situation einlässt, erlebt eine solide Band, die die Menge im Griff hat, auch wenn das Publikum es den Musikern leichtmacht. Hits wie „A-Punk", „Cousins" oder „Oxford Comma" werden nicht zu früh verheitzt und ausgelassen betanzt, außerdem gibt es nach dem etwa einstündigen Set eine kurze Zugabe. Vampire Weekend wissen, was sich gehört und was sie ihren Fans abliefern müssen. Als der letzte Ton verklungen ist, erschallen satte Bässe aus den Boxen und es schließt sich nahtlos eine Timbaland-Produktion mit der zarten Stimme von 50 Cent an. Ein bißchen sinnbildlich ist das schon und doch sollte man es nicht so eng sehen. Das ist einfach Pop und ein bisschen Business.