Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Twin Shadow & Tellavision
Interpret:
Twin Shadow
Datum:
08.02.2011
Lokation:
Stadtgarten, Köln
Autor:
Michael Weber
Köln, 16.02.2011
Eigentlich war für diesen Abend das Kölner Studio 672 gebucht. Die große Nachfrage und der Erfolg von Twin Shadow ließen die Veranstalter aber kurzerhand umdenken. Ein größerer Raum musste her und wurde auch gleich im Stadtgarten gefunden. Am Stadtgarten bzw. am Studio 672 angekommen, standen draußen schon einige Besucher der Kölner Hipster-Bohème, schlürften ihr Bier und unterhielten sich angeregt. Es war zugegebenermaßen ein schöner Anblick und ebenso war es, die entspannte Stimmung der Gäste zu belauschen, bevor auch wir unsere letzten Schlücke Bier zu uns nahmen und uns dem Strom folgend in den Saal des Stadtgartens aufmachten.
Twin Shadow hat es tatsächlich geschafft. Nach den besagten, etlichen Versuchen als Musiker international Fuß zu fassen, gelang es ihm mit seinem einzigen Album, „Forget“, fast den gesamten Saal auszuverkaufen und sich als eines der ersten ersehnten Highlights im beginnendem Konzertjahr 2011 zu präsentieren. Bevor er allerdings mit seiner Band die Bühne betrat, saß die junge Wahl-Hamburgerin Tellavision ganz alleine hinter ihrem Keyboard, ihren Drumcomputern und Sequenzern. Etwas schüchtern-verlegen moderierte sie ihre verschachtelten Indie Pop-Songs an. Wer allerdings eine solch gewagte Frisur trägt wie sie (die rechte Seite ihrer Haare war kurz rasiert, während ihr von der linken die Haare wie eine Gardine über Stirn und Gesicht fielen), braucht nicht schüchtern zu sein. „Etwas mehr Bass bitte“, sagte sie in Richtung Mischer, als es ihr noch nicht genügend donnerte, während sie die Drum-Sequenzen einspielte. Da sie alleine war, loopte sie die Bestandteile ihrer Songs, verdichtete sie zu überwiegend ruhigem Pop mit verspielter Elektronik und sang dazu - ebenfalls geloopt - voller Sehnsucht. Das Ganze erinnerte ein wenig an tUnE-YarDs und sorgte für eine sehr feine Atmosphäre im gut besuchten Saal. Hinhören und genießen war angesagt.
Nach einer kurzen Pause stand auch schon der Interpret des Abends vor dem applaudierenden Publikum. Nicht George Lewis Jr. alleine bildet Twin Shadow. Er moderierte sich und seine drei Mitstreiter als Twin Shadow an, um so jedem der Band genügend Raum zu geben. Unterm Strich war das auch notwendig, denn trotz der Homogenität als Twin Shadow war vom Start weg mit „I Can't Wait“ jeder ein Freak für sich auf der Bühne. Herrlich. Mit enormem Tempo zogen sie den Song an und verausgabten sich von Anfang bis Ende an ihren Instrumenten. Dabei wirbelten die zum Zopf gemachten Haare des Schlagzeugers wild umher und er sah aus wie das Tier von der Muppet-Show. Lewis Jr. hingegen hatte seine Haare wie zu einem Mopp gestylt. Der Bassist sah aus wie ein Nerd-Sportler: breites Kreuz und eine Brille, deren Gläser so dick waren, dass sie auch für jedes Hochsee-Aquarium hätten genutzt werden können. Und die junge Dame am Keyboard, deren Unterwäsche Lewis Jr. im Laufe des Konzerts verkaufen wollte, sah aus wie eine strenge russische Offizierin. Na, wenn da mal keine Phantasien aufkommen.
Natürlich war das Konzert nach nur einer Zugabe von zwei Songs in etwas mehr als einer Stunde auch schon vorbei. Aber das, was Twin Shadow spielten, war großartig. Der wavige Klang des Albums wurde vielleicht nicht zu 100% getroffen, aber die Songs waren zum einen alle wunderbar zu erkennen und zum anderen live fantastisch umgesetzt. Songs wie „At My Heels“ oder „For Now“, die ohnehin schon vor Tempo und Dynamik strotzen, wurden noch zackiger gespielt, und gefühlvolle noch emotionaler. Einzig schlecht war, dass die Synthesizer und Lewis Jr.s Gitarre stellenweise viel zu schrill war. Auch hier hätte der Mischer etwas mehr Bass reindrehen können. Das Publikum bejubelte aber Twin Shadow frenetisch, wippte und tanzte zu jedem Song schön aufgeregt mit wie kleine Kinder. Als Hits wie „Slow“, „Tyrant Destroyed“ und „Castles In The Snow“ gespielt wurden, steigerte sich die Euphorie noch ein wenig mehr. In Sachen Kommunikation mit der Band, die sichtlich gut aufgelegt war, zeigte sich das Kölner Publikum dann aber wieder sehr verhalten. Witze? Gespräche? Nein, danke! Twin Shadow nahmen es aber mehr als gelassen und freuten sich sogar darüber, dass das endlich mal ein Konzert sei, auf dem nicht unentwegt mitgeklatscht wird. Einen kleinen Star-Status haben sie aber schon jetzt. Etliche Arm in Arm-Fotos mit dem Star wurden nach der Show am Merchandise-Stand gemacht.
Foto von Marcel Kamps
Video: Twin Shadow - „Castles In The Snow“
Twin Shadow - Castles In The Snow Directed by Jamie Harley from Twin Shadow on Vimeo.