DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Tu Fawning, Boduf Songs

Interpret:
Tu Fawning

Datum:
08.03.2011

Lokation:
Steinbruch, Duisburg

Weiterführende Links:

Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 16.03.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Tu Fawning, Boduf Songs

Tu Fawning, Boduf Songs

Moderate Essenspreise für sehr ordentliche Gerichte, ein sympathisches Ambiente mit echten (!) Blumen in den Vasen und erschwingliche Getränke aus Gläsern statt aus Plastikbechern – der Steinbruch macht einen wirklich sympathischen Eindruck. Hier kann man irgendwo am Rande von Duisburg wunderbar Fußball gucken, einfach nur gemütlich sitzen oder Konzerte besuchen. Bevor dieser Text von der Marketingabteilung des Steinbruch übernommen wird, kommen wir aber zu dem, worum es hier eigentlich geht: dem Konzert von Tu Fawning und Boduf Songs

Boduf Songs, das sind drei Engländer, die mit Schlagzeug, Bass und Gitarre Musik machen und die sich ganz trefflich mit zwei an diesem Abend gehörten Zitaten beschreiben lassen: Der Türsteher flüstert den später eintreffenden Gästen zu „Bitte leise sein, die sind sehr, sehr ruhig!“ Meine Begleitung bemerkt nach wenigen Songs: „Die sind zwar echt schön, aber ich muss raus, bevor ich mir die Pulsadern aufschneide!“ Tatsächlich spielen Boduf Songs eine Musik, die ihre Wurzeln im Folk hat und diesen auf seine denkbar melancholischste, ja düsterste Weise interpretiert. Passend dazu ist der Raum fast stockfinster, lediglich eine einzige Tischlampe auf der Bühne lässt erahnen, dass Musiker anwesend sind. Immerhin gibt es dadurch genau eine Lichtquelle mehr als Dur-Akkorde. Die reduzierten Klänge sorgen für bedächtiges Schweigen im gut besuchten Steinbruch. Schön, dass die Zuhörer der Band die verdiente Aufmerksamkeit entgegenbringen. 

Dann kommen Tu Fawning. Schon der Aufbau lässt Spannung aufkommen, denn was die Band aus Portland da an Instrumenten auffährt, ist ganz schön beeindruckend. Beim Opener „Multiply A House“ sorgt die Band noch für ein wenig Verwirrung, als die Musik vom Band kommt und alle vier Bandmitglieder mit Tamburin in der Hand „nur“ den Rhythmus vorgeben. Das folgende „Diamond In The Forest“ beginnt mit Elektronik und Drums aus der Konserve. Sollten die etwa…? 

Doch dann straft die Band den ersten leisen Befürchtungen Lügen und spielt ein ausschließlich abwechslungsreiches, fast immer fesselndes Konzert. Die Instrumente wechseln von Lied zu Lied ihre Besitzer, neue Instrumente kommen hinzu, auch das Mikrofon wandert bunt durch die Reihen. Anders als bei Bands wie Katzenjammer, bei denen eine ähnliche Fluktuation schnell einen leicht klamaukigen Touch annimmt, wählen Tu Fawning ihre Arrangements ganz im Sinne des Songs. Immer wieder entstehen magische Momente, zum Beispiel wenn urplötzlich eine Trompete mitten aus dem Raum erklingt, man sich umdreht, und der Urheber zwei Meter hinter einem steht. Oder wenn auf einmal die Gitarre, nur auf ihre Effekte reduziert, psychedelische Klangwelten erzeugt. Das erinnert mal an Vampire Weekend, mal an Portishead, mal an Björk - nie aber für die Dauer eines gesamten Liedes. Was für eine atemberaubende Vielfalt, die nur manchmal über das Ziel hinausschießt. Balsam für die Pulsadern. 

Video: „I Know You Now"


 

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