Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Tim Robbins & The Rogues Gallery Band
Interpret:
Tim Robbins & The Rogues Gallery Band
Datum:
15.10.2010
Lokation:
Luxor, Köln
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 18.10.2010
Dem Kölner Luxor habe ich eigentlich nach mehrfachem Ärgernis mit dem dort häufig anzutreffenden Hype-Publikum den Kampf angesagt, beziehungsweise Boykott geschworen. Die Anzeichen, dass an diesem Abend Indie-Kids und unaufmerksames Publikum zusammen kommen würde, standen aber gänzlich schlecht. Das, obwohl ganz großes Kino stattfinden sollte, in der Hauptrolle der Oscar-Preisträger Tim Robbins. Mit seinem Debüt-Album tourte er an diesem Wochenende durch die Republik und machte Halt in Köln.
Pünktlich begann es schon früh um 19:30 Uhr. Den Support machte das Kölner Paar Goldkehlchen Und Der Mann Mit Hut. Ganz seichter Singer-Songwriter-Folk mit ganz zerbrechlicher, aber überzeugender Frauenstimme. Die Hinweise und Witze, wer von den beiden denn nun das Goldkehlchen und der Mann mit Hut sei hätte man sich auch schenken können, ich will nicht sagen, dass man sich den Support gänzlich sparen hätte können. Mein Bier hätte ich jedenfalls auch zu dem Folk aus dem CD-Player trinken können. Aber, nichtsdestotrotz klatschten die wenig Zuschauer amüsiert mit, bei denen ich wiedermal den Altersdurchschnitt versucht habe zu senken. Doch was erwarte ich, wenn Tim Robbins, der an diesem Wochenende 52 geworden ist, im Luxor gastiert?
Kurze Umbaupause und ein Bier später, betritt die fünfköpfige Rogues Gallery Band um Tim Robbins die Bühne. Gitarre umgehangen, die kurze Ansage mit den Worten: „A small crowd but a big family“ ans Publikum, und schon hatte der sympathische Schauspieler mich und die ca. 60-köpfige Zuhörerschaft auf seiner Seite. Los brettert die Country-Gitarre, los lacht der Sänger. Die Euphorie, die der Schauspieler mit seinem Musikprojekt ausstrahlt, sprang schon auf Platte über, live einmal mehr. Seine Band brilliert mit professioneller Leichtigkeit und Robbins spielt erfreut über eineinhalb Stunden.
Die Anekdoten die erzählt wurden überzeugten und Songs wie „Crush On You“ oder „You're My Dare“ lösten nochmal eher Emotionen aus. Tim Robbins & The Rogues Gallery Band präsentierte neben ihrem gleichnamigen Debüt einen riesigen Backkatalog aus Songs und Geschichten, und es schien als hätte Tim Robbins nie etwas anderes gemacht. Vielseitig trällerten Klarinetten, Trompeten, Keys vor sich hin und streckenweise wurde sogar ein Fuchsschwanz bespielt. Songs vom Album wie „Time To Kill“ oder „Queen Of Dreams“ ließen das Luxor wie ein Pub oder Country-Club aus diesen Filmen erscheinen, in denen im Anschluss die Whiskey-Flaschen und Holzstühle über die Rücken zerbrechen. Bevor dies geschehen sollte, verschwand ich in der Nacht, und dachte wie schön Tim Robbins in der Schlussszene von „Die Verurteilten“ den Traum von Andy Dufresne lebte. Heute in einem anderen Kapitel, im wahren Leben.
Video: „Tim Robbins & The Rogues Gallery"
Tim Robbins and the Rogues Gallery Band Official EPK 2010 from PIASGermany on Vimeo.