DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Those Dancing Days

Interpret:
Those Dancing Days

Datum:
01.03.2011

Lokation:
Luxor, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 02.03.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Those Dancing Days

Those Dancing Days

Es ist ein Abend wie ein Fallbeispiel. Die zwei Protagonisten: die aus Solingen stammende Britpop-Band The Blackberries und Those Dancing Days, allgemein geläufig als die „süßen Schwedinnen“. Auf der einen Seite sieht man vier junge Herren ihre Gitarren schlagen wie es Mando Diao oder andere Gitarren-Bands eben so tun, selbst die Garderobe stimmt überein. Auf der anderen Seite haben wir fünf Damen, die ebenfalls ihren etwas früheren Vorbildern der Popgeschichte hinterher eifern. Im Grunde derselbe Gestus, und dennoch sind gravierende Unterschiede auffindbar. The Blackberries sind bei ihrem Vorhaben gähnend und maßlos überholt, wohingegen Those Dancing Days die Girlgroup-Fahne mit Gitarren-Pop neu hissen. Ist das jetzt ein Genderproblem?

Those Dancing Days durften sich etablieren. Dem zweiten Album „Daydreams & Nightmares“ sollten sich selbst die größten Nein-Sager nicht langfristig entziehen dürfen: Zu viele Hits, auch wenn die Debüt-Euphorie einer Fast-Routine gewichen ist. Umso eher ist man auf die Live-Umsetzung gespannt. Die Verlegung ihres Gigs vom kleinen Studio 672 im Kölner Stadtgarten ins Luxor lässt bereits erahnen, dass eine allgemeine Vorfreude in der Luft lieg. Und selbst die einstigen Nein-Sager dürften sich insgeheim ziemlich auf den Auftritt gefreut haben.

Es war ein nahezu wunderbarer Anblick. Natürlich finden sich im Luxor größtenteils Indie-Mädchen ein, die mit ihren Strumpfhosen auf der Stelle trippelten und mit den Beuteln hin und her laufen, aber es mischten sich auch scheinbar bodenständige Mittzwanziger darunter, die ihre Körper schön unbeholfen versuchen zu rütteln. Kurzum: Das Luxor kocht vor Girlgroup-Euphorie. Und das nicht ohne Grund. Those Dancing Days legen eine so routinierte wie interessante Indie-Pop-Punk-Show hin und lassen die knappe Stunde wie im Flug vergehen. Hits vom Debüt „In Our Space Hero Suits“ werden schon beim ersten Akkord erkannt und umjubelt, beklatscht und betanzt. Hits vom Neuen passen sich gleitend in das abwechslungsreiche Set ein. Eine Stunde pausenloses Geklatsche bei spärlicher Kommunikation. Was haben Those Dancing Days denn nun anders als ihr Support gemacht?

Hilfreich war sicherlich die attraktive Hochnäsigkeit der Sängerin Linnea Jönsson. Ein Lächeln ins Publikum gibt es selten, die Ansagen hätten knapper nicht sein können. Bandintern wird gelacht, manchmal möchte man gar Freudentränen in den Augen der Gitarristen erkennen, wenn Jönsson „I'll Be Yours“ anstimmt und ihr schreiende Ovationen entgegen kommen. Es ist mehr als nur niedliches Auftreten. Wenn man beim Recherchieren Bilder einer vielleicht zehnjährigen Lisa Pyk und Rebecka Rolfart entdeckt, mit der Musiklehrerin vorm Klavier, weiß man warum Those Dancing Days heute eine solch solide Pop-Band ist.

Video: „Fuckarias“


 

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