Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Thomas Dybdahl
Interpret:
Thomas Dybdahl
Datum:
08.05.2011
Lokation:
Stadtgarten, Köln
Autor:
Maximilian Burk
Köln, 25.05.2011
Thomas Dybdahl ist hierzulande genauso unbekannt wie der Oberföhringer Männergesangsverein. Man fragt sich nicht zu Unrecht: Warum eigentlich? Anders als Helge Schneider, der gleich sein erstes Album „Seine Größten Erfolge" nannte, blickt Dybdahl auf bereits fünf Alben zurück. Da darf man schonmal die ein oder andere „Best Of"-Compilation auf den Markt schmeißen, um den Norweger etwas schmackhaft und konsumerabel zu machen. Nicht so nachhaltig wie ein Tonträger, aber dafür die womöglich beste Einführung in das Werk des nordischen Barden, ist ein Konzertbesuch.
Bei dem Wort Barde denkt man gleich an einen emotional aufgewühlten jungen Mann, der alleine auf der Bühne spinöse Anekdoten aus seinem Liebesleben offenbart. Nicht mit Thomas Dybdahl. Begleitet von einer durchweg versierten Band legt Dybdahl von der ersten Minute an derartig dynamischen Folkpop auf den Teppich, das man nicht an ein Morgen denken will. Das Schlüsselwort scheint hier in der Tat Dynamik zu sein: Dybdahl versteht es, den Zuhörer an sich zu ziehen, um ihn plötzlich wieder fallen zu lassen, bis sich alles erneut um ihn aufbaut. Stark. Nicht zuletzt ist es Dybdahls Hunderttausend-Dollar-Stimme, die Eindruck hinterlässt. Mit Phrasierungen wie ein blutjunger Stevie Wonder ohne Mundharmonika, mit Falsett-Höhen in Songs wie „Lovestory" und „From Grace", und einem Bud Spencer-Bass (vgl. Lalalalala-Song aus „Zwei wie Pech und Schwefel“) in „Dice". Der Mann ist ein Tausendsassa.
Thomas Dybdahls facettenreiches Programm scheint so ziemlich für fast jeden Musikgeschmack etwas bereit zu halten. Das bedeutet allerdings auch, dass man es mitunter mit fast kitschigen Nummern wie „The World Is My Oyster" zu tun bekommt. Von Mal zu Mal bekommt man das Gefühl, als gebe es regelrechte Quotensongs, die gewisses Radiopotential beweisen sollen. Der Abend wird mit dem Song „Party Like It's 1929“ besiegelt, einer Liebeserklärung an Prince. Man kann von einem starken Abend sprechen und darauf hoffen, bald mehr von Thomas Dybdahl auch hierzulande hören zu dürfen.
Video: „From Grace (live)"