DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
The XX

Interpret:
The XX

Datum:
26.08.2010

Lokation:
Köln, E-Werk

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 30.08.2010

BERICHTE

Konzertbericht - The XX

The XX

Im Februar hätte es schon stattfinden sollen. Ein lang ersehntes zweites Treffen der Band, die 2009 mit ihrem Debüt „XX“ für Furore gesorgt hat. 19-Jährige die mit einem unbegreiflichem Schwermut gesegnet sind, Stimmen wie Götter haben und von der Liebe singen, als wären sie in ihren jungen Jahren mehrmals durch die Hölle nicht erfüllter Sehnsüchte und wieder zurück gegangen. The XX sind ein Phänomen, dessen erstes Album noch immer nicht von meinem iPod wegzudenken ist, mich noch immer berührt wie am ersten Tag. Am vergangenen Donnerstag durfte ich sie nun zum ersten Mal im Kölner E-Werk sehen, nachdem ich im letzten Oktober während ihres Auftritts im Luxor verhindert war. Shame on me!

Es regnet, als ich am E-Werk ankomme, und auch wenn noch Sommer ist, kann es für ein The-XX-Konzert wahrlich kein besseres Wetter geben. Die graue Stimmung ihrer Musik spiegelt sich im durchnässten Asphalt und den kleinen Pfützen wieder. Die Stimmung der anwesenden Konzertbesucher ist aber alles andere als grau oder betrübt. Von alt bis jung stehen sie draußen, drinnen und überall verteilt, unterhalten sich ausgelassen und schon jetzt entdecke ich ein euphorisiertes Glitzern in ihren Augen.

Als das Licht ausgeht und die Bandmitglieder in spärlichen Lichtkegeln auf die Bühne schleichen, geht ein kurzer Jubel umher. Kein Hallo, keine Ansage, kein Dankeschön. The XX sind live genauso minimalistisch und ausgedünnt wie ihre Musik klingt. Ein Zustand, der bei ihrer spartanischen Beleuchtung beginnt, selbstredend über ihre Musik geht und bei ihren verlegenen Blicken endet. Sie sind zurückhaltend, ja schon schüchtern. Mit der Situation überfordert? Auf keinen Fall. Ich möchte sie nicht Routiniers nennen, doch wissen sie genau, welche Etikette zu ihnen passt. Die ersten Songs sind verklungen, dann beugt sich Oliver Sim nach vorne bedankt sich für den Applaus, sagt, dass Köln süß sei und leitet den nächsten Song ein. Im Laufe des gesamten Konzerts wird er sich nur zwei Mal an das Publikum wenden, ansonsten spricht hier nur die Musik.

Und die hat es in sich. Allerdings hat sich an diesem Abend etwas für mich bewahrheitet, dass mir schon von vielen Freunden und Bekannten erzählt wurde, die The XX bereits live gesehen haben. Sie können nicht live spielen. Ich habe noch nie eine Band gehört, die sich live rhythmisch so oft verspielt hat wie The XX. Es hakt, es läuft gegeneinander. Mal zu schnell, mal zu langsam. Eigentlich eine Katastrophe. Aber: Alle Anwesenden und auch ich sehen über diesen Umstand hinweg, denn erstens kommen sie immer zusammen, reißen das Ruder rum und erfüllen das verschwitzte E-Werk mit diesem erhabenen, großen Gefühlen, die sie auch auf dem Album transportieren. Es ist überwältigend, wenn „VCR“, „Shelter“, Islands“ „Crystalised“, „Basic Space“ oder ihr großartiges „Intro“ erklingen. Es stockt der Atem, das Herz rast, die Hände werden schwitzig. Mit ihren 19 Jahren wissen sie genau, was sie machen und haben das Publikum trotz ihrer Spärlichkeit voll im Griff.

Voraussehbar, dass sie an diesem Abend ihr ganzes Album spielen. Kein neuer Song, keine neuen Happen. Als sie dann aber noch das Kyla Cover „Do You Mind“ spielen und so verzaubernd singen „Do you mind if I take you home tonight / Stay another day if that's okay tell me baby / Would you mind if I take you home with me where no one can see / So don't be shy“ macht mein Herz noch größere Freudensprünge. Es überspringt einen Schlag wie zu Beginn des Konzerts mit ihrem wundervollsten Hit „Heart Skipped A Beat“. Das ist ganz groß, wie sie aus einem Cover ihren Song machen. Und für einen Moment denke ich sogar, dass sie gleich Bronski Beats „Small Town Boy“ covern. Doch nein, es war nur der Auftakt zu „Islands“. Gigantisch. Und am Ende scheinen die „Stars“ nicht nur über der Bühne, auch in allen Gesichtern sind sie zu sehen.

Video: „Islands“


 

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