DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
The Twilight Sad & The Death Letters

Interpret:
The Twilight Sad

Datum:
03.11.2009

Lokation:
Luxor, Köln

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 09.11.2009

BERICHTE

Konzertbericht - The Twilight Sad & The Death Letters

The Twilight Sad & The Death Letters

Die letzten Wochen hatten es tatsächlich in sich, was die Fülle an guten Konzerten in Köln angeht. Sich da zu entscheiden, welches der viel versprechenden Angebote man wahrnimmt, war auch kein leichtes Unterfangen. Alleine die Tatsache, dass The XX, Mew und The Big Pink innerhalb von nur zwei Wochen die Clubs bespielten, sorgte für große Unentschlossenheit unter dem musikliebhabenden Publikum aus Köln. Eine Besserung dieses Entscheidungsdilemmas ist auch bei weitem nicht in Sicht, denn in Zeiten einbrechender Verkaufszahlen von Alben setzen Labels, Bands und Veranstalter immer mehr auf das Live-Erlebnis und fahren auch im November ein nicht minder dichtes Angebot an Hochkarätern auf.

Und vielleicht liegt es ja auch an jenem Überangebot potentieller Glanzlichter, dass vergangenem Dienstag im Kölner Luxor so gut wie nichts los war, als The Twilight Sad aus Schottland gemeinsam mit den blutjungen The Death Letters aus den Niederlanden zum Auftaktkonzert ihrer Tour einluden. Geschätzte 50 Personen verteilten sich quer durch das gesamte Luxor, als die Zwei-Mann-Band The Death Letters ihre stürmischen Riffs lauthals aufgedreht dahinschmetterten. Ihr minimalistischer Indie-Schrabbel-Rock, der immer wieder von überraschenden Breaks und Wendungen durchzogen ist, muss laut gespielt werden, damit er seine volle Energie entfaltet. Aber in Anbetracht des ausbleibenden Publikums war die angesetzte Lautstärke doch etwas zu gut gemeint. So war man tatsächlich froh, dass nach ca. 30 Minuten alles vorbei war.

Ruhe kehrte ein, während man im vorderen Bereich, nahe des Eingangs noch eine Zigarette rauchte. Das Publikum blieb aber dennoch aus. Vielleicht waren es noch zehn bis 20 weitere Gäste, die sich, kurz bevor The Twilight Sad die Bühne betraten, ins Luxor verirrten. Die Bühne wurde grün ausgeleuchtet, leichte, kondensierte Nebelschwaden strichen durch den Raum bevor ein Konzert begann, das von dem kleinen Publikum dankbar angenommen wurde. The Twilight Sad ließen sich nicht im Geringsten von den wenigen Gästen beirren und begannen ihr Set mit einer perfekt umgesetzten Live-Version des Album-Openers „Reflection Of The Television“. Selten sieht und hört man eine Band, der es gelingt, so routiniert und souverän ihr Material umzusetzen, denn die Eröffnungsnummer war in ihrer Perfektion keine Ausnahme.

Wie ein roter Faden zog sich der Album-Klang durch das gesamte Konzert und etwas ungläubig starrte ich in Richtung Mark Devine, dem Schlagzeuger, für den die vertrackten Beats wohl nur so etwas wie eine vorabendliche Aufwärmübung gewesen sein mussten. Fantastisch! Wie in Trance spielte die für ihre Live-Auftritte aus fünf Mitgliedern bestehende Band ihr Material, das sich aus den bisher zwei veröffentlichten Alben zusammensetzte, runter. Unterbrechungen gab es höchstens, wenn James Graham verstohlen „Thank you“ murmelte und anschließend einen Schluck von seinem Bier nahm. Ansonsten sah man ihn vom lärmenden Klang wie betäubt über die Bühne tanzen, ganz so als sei er auf der Suche nach einer imaginären Tanzpartnerin.

Auch bei The Twilight Sad waren die Regler des Mischpults vollends aufgedreht, so dass man fast erschlagen von der Lautstärke vor der Bühne stand. Bedächtig wurde es aber als „Cold Days From The Birdhouse“ angspielt wurde, das als einziger Song von der Album-Version stark abwich. Über die Hälfte des Songs sang Graham alleine, bevor alles in einem erschütternden Ansturm der Verzerrer in sich zusammenfiel. Halb taub und mit einem leichten Sausen in den Ohren erlebte man den Schluss des Konzertes nach etwas mehr als einer Stunde. Mit „That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy“, „I Became A Prostitute“, „The Room“ oder „Talking With Fireworks/Here, It Never Snowed“ war auch alles dabei, was man hören wollte. Und obwohl nur wenige Gäste anwesend waren, wusste man, dass diese Leute weder Entscheidungsprobleme hatten, noch an Geschmacksverkalkung litten. Wer braucht schon ein Überangebot, wenn ein Konzert wie dieses stattfindet?

 

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