Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
The Temper Trap & The Joy Formidable
Interpret:
The Temper Trap
Datum:
28.02.2010
Lokation:
Köln, Gloria
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 01.03.2010
Das Gloria ist immer wieder einen Besuch wert. Die Kölner Vorzeigelocation überzeugt seit einigen Jahren durch ein geschmackssicheres Booking und hat genau die richtige Größe für Konzerte abseits der intimen Wohnzimmershow. Trotz einiger hundert Besucher fühlt man sich hier selten beengt, Großraumatmosphäre bleibt allerdings auch aus. Dieser Veranstaltungsort darf als trusted seller gelten. Daher ist es keine Frage, dass man den Neumarkt auch dann ansteuert, wenn man nur die Vorband des Abends kennt.
Vorband als Höhepunkt?
The Joy Formidable aus England geistern seit etwa 2008 durch die Blogs und sind aufmerksamen Indie-Rock-Enthusiasten bestimmt schon mal aufgefallen. Da es aber bislang keinen Vertrieb außerhalb der Heimat gibt, wurde der große Durchbruch noch verschoben. Nach dieser Tour könnte sich das nun endlich ändern, begeistert das Trio doch von Anfang an die ausverkaufte Halle. Es kann unmöglich allein am allgemeinen kölschen Frohsinn liegen, wenn ab dem zweiten Song sichtlich mitgemacht wird. The Joy Formidable haben mit „Cradle" und „Austere" mindestens zwei absolute Hits im Repertoire, die man gerne auch in der örtlichen Indie-Disco hören würde.
Es macht Spaß zu sehen, wie hier ganz klassisch drei Leute an Gitarre, Schlagzeug und Bass für lautstarken Budenzauber sorgen. Der Klang bricht druckvoll über das Publikum herein, man sucht vergeblich nach weiteren Musikern und staunt. Ein bisschen klingt das nach Spätneunziger-Alternative der Sorte Hole oder Sleater-Kinney, die sonst vorhandenen 80er-New-Wave-Referenzen hört man live dagegen weniger, als auf Platte. Besondere Erwähnung verdient Sängerin Ritzy, die unaffektiert und selbstbewusst Freude verströmt, ohne sich anzubiedern und gleichzeitig sogar ihr Instrument äußerst solide beherrscht. Eine Kombination, die dieser Tage Seltenheitswert besitzt. Leider ist bereits nach knapp 30 Minuten Schluss mit lustig. Das ist eben doch nur die Vorband, merkt man jetzt wieder und reiht sich in die Schlange am Merchandisestand ein.
Australischer Stadionrock
Im Anschluss ist die Massenbespaßung an der Reihe. Hatte man peinlicherweise erst auf der Zugfahrt zum Konzert erfahren, dass The Temper Trap aktuell sogar im Tagesprogramm des Mainstreamradios gespielt werden, wundert es wenig, wie frenetisch das Kölner Publikum die Band empfängt. Die Australier genießen ihren Einmarsch und belohnen die Zuhörer mit einigen schnellen, eingängigen Stücken eher simpler Bauart. Schnell herrscht Mitklatsch-Pflicht, die von der Bühne angestachelt und durch das Auditorium konstant und treu erfüllt wird. Das hier ist Stadionrock im Club. The Temper Trap reiten auf einer Welle aus bekannten Bauteilen, die oft arg pathetisch in Szene gesetzt werden. Dass eher ruhige Lieder wie „Down River" oder „Soldier On" durchaus detailreich und spannend klingen können, erfährt man erst bei der Nachbearbeitung über Myspace.
Die Darbietung des eigentlich netten Instrumentaltracks „Drum Song" fasst das ganze sehr treffend zusammen. Mitreißend, wenn auch ein wenig vorhersehbar gibt sich die Band der Spielfreude hin, während Sänger Dougy Mandagi, der hier erfreulicherweise zur Stille verdammt ist, theatralisch auf die Pauke haut. Um die Blue-Man-Group-Inszenierung zu komplettieren, schüttet er seine Wasserflasche auf das Instrument und trommelt fortan im Regen. The Temper Trap tun alles für die Show, auch wenn dabei die Kunst auf der Strecke bleibt. Da sich Band-intern jedoch wohl auch niemand ernsthaft als Künstler propagieren würde, stört das nicht weiter und ein bisschen solider Glam Rock hat noch keinem geschadet.
Hier sieht man eine gute Definition von Festivalband, die für jeden Geschmack etwas im Gepäck hat und an deren glatter Oberfläche man sich nicht reiben kann. Pop / Rock nannte man diese Kategorie im Musikfachhandel früher. Es ist nur folgerichtig, dass man daher zwischenzeitlich an das One-Hit-Wonder New Radicals oder Stadiongrößen wie U2 denkt und sich sicher sein kann, niemals ein Album von The Temper Trap zu brauchen.