Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
The Rapture
Datum:
05.11.2011
Lokation:
Werkstatt, Köln
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 16.11.2011
Luft. Luft ist in den ersten Minuten des The Rapture-Konzerts in der Kölner Werkstatt das zentrale Thema, beziehungsweise die Abwesenheit selbiger. Denn die ersten Songs ist Sänger Luke Jenner noch sehr damit beschäftigt, den am Bühnenrand aufgestellten Ventilator so zu positionieren, dass dieser ihm ein wenig Kühle ins Gesicht bläst. Was aber zumeist darin endet, dass einzig ein hinter ihm liegendes Buch auf einem Verstärker (was hat ein Buch dort eigentlich verloren?) gelegentlich durch den Windzug aufgeblasen wird. Das sieht dann aus, als würde Kermit der Frosch ein fiktives Interview mit der Band führen, die im Vordergrund durch ein atemloses Set pirscht.
Bereits ab den ersten Tönen des Titelsongs ihres aktuellen Albums „In The Grace Of Your Love“ wird auch deutlich, warum Jenner so penibel am Ventilator herumhantiert. Die dargebotenen Songs, egal aus welchem der drei Alben, entfalten eine so hohe Energiedichte, eine so große Reibung mit dem Publikum, dass die dadurch erzeugte Hitze nur durch einen kalten Luftstrom ein wenig gelindert werden kann. Treibend, ekstatisch aufgeladen sind die Songs, die live im Vergleich zu den Albenversionen noch einmal gehörig wachsen. So revidiert man dann auch im Handumdrehen seine Meinung zum aktuellen Album, das beim ersten Hördurchlauf noch ein wenig schwachbrüstig daherkam.
Es sind vor allem diese unnachahmlichen, mit weißem Funk durchzogenen Bassläufe, die für Begeisterung im Publikum sorgen. Jenner tänzelt dabei gedankenverloren auf dem Fuß seines Mikrofonständers herum. Dazu gibt es unpeinliche Saxofonsoli, die als ultimatives Statement dienen könnten, weshalb jede Band dieses Instrument in ihrem Repertoire haben sollte. Ein wenig überraschend ist es schon, dass die neuen Songs genauso frenetisch abgefeiert werden wie die Songs vom mittlerweile auch schon acht Jahre alten Debüt „Echoes“. Folgerichtig spielt die Band am Ende eines schweißtreibenden Sets auch ihre neue Single „How Deep Is Your Love“ als letzte Zugabe. Nicht etwa „House Of Jealous Lovers“, das bereits zur Mitte des Sets einen ersten Höhepunkt bietet. Am Ende des Konzerts findet sich in der gesamten Werkstatt wohl auch kein eifersüchtiger Liebhaber mehr, sondern nur noch eine riesige Schar von „Breathless Lovers“.