Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Terry Hoax
Interpret:
Terry Hoax
Datum:
25.11.2009
Lokation:
Köln, Luxor
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 30.11.2009
Terry Hoax sind mir noch als extrem gute Liveband in Erinnerung. Zwar ist es 15 Jahre her, dass ich ein Konzert von ihnen gesehen habe, aber der positive Eindruck hat die Zeit unbeschadet überstanden. Dementsprechend gespannt war ich, ob die Hannoveraner meinen hohen Ansprüchen genügen würden. Nach den mittlerweile obligatorischen Problemen bezüglich der Gästelistenplätze, folgt die erste Überraschung. Das Luxor ist nahezu leer. Super, denke ich mir, so kann ich wenigstens auf Toilette und zur Theke gehen, ohne in drei Beinahschlägereien verwickelt zu werden. Das war mir wiederum vom enttäuschenden The XX-Konzert in Erinnerung geblieben.
Die Vorband heißt Nukular und ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Während der erste Song noch ganz gut nach vorne geht und so etwas wie „Ohrwurmcharakter“ hat, wird es danach immer schlechter. Dazu kommt ein Sänger, dem ich als Bandmitglied verbieten würde, mit dem Publikum zu sprechen. Von missglückter Publikumsanimation, über katastrophale Song-Erklärungen, bis hin zu Rätselfragen an die mittlerweile doch noch erschienenen Zuschauer war alles dabei. Das war gar nichts, Jungs!
Nach einer angenehm kurzen Umbaupause betreten Terry Hoax die Bühne. Der Jubel zu Beginn des Sets lässt es erahnen: Hier ist niemand, der die Band nicht von früher kennt. Die aktuelle Single „Band Of The Day“ und der Hit „Policy Of Truth“ werden erschreckend früh dargeboten – und gefeiert. Die Band ist in allerbester Spiellaune, die Ansage von Sänger Perau nett und herzlich und der Sound fett und gut ausgesteuert. Überhaupt Perau, ich bin mir sicher, dass es in Deutschland kaum einen besseren Sänger im Rock/Pop-Bereich gibt. Unglaublich, wie gut er auch live klingt. In der Mitte des Sets spielt Terry Hoax „Live All“ vom Debütalbum „Freedom Circus“. Auch wenn ich weiß, dass der typische Crazewire-Leser nicht zwingend auf ein Konzert der Hannoveraner gehen würde, aber was sich bei diesem Song live abspielt ist Gänsehaut pur. Die mittlerweile 200 Zuschauer singen alle mit, die Band strahlt wie Honigkuchenpferde und alle zusammen steigern den Song bis zu einem schlicht fantastischen Finale. Selten so etwas Cooles gesehen und gehört.
Leider spielt die Band außer „Hotel Suicide“ keinen Song des 1994er Albums „Splinterproof“, und das obwohl der Hit „Grashopper“ von mehreren Besuchern gewünscht wurde. Schade. Nach 90 Minuten und einigen Zugaben ist Schluss, die Band kürt noch den „Fan Of The Day“ und verschwindet von der Bühne. Nach dem Konzert bin ich mir sicher, dass Terry Hoax nicht aus finanziellen Gründen zusammen auf der Bühne steht, sondern aus Spaß an der Musik. Und so kann man nur hoffen, dass diese unglaublich sympathische Band auch 2010 weiter macht und vielleicht auch wieder vor vollerem Haus spielen darf. Ich bin dann wieder da.