Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Stereo Inn
Interpret:
Stereo Inn
Datum:
24.03.2011
Lokation:
Die Wohngemeinschaft, Köln
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 30.03.2011
Ich erinnere mich noch an ein Björn Kleinhenz-Konzert im Stereo Wonderland im Mai 2006. Im Vorprogramm spielten die völlig unbekannten Stereo Inn ihr erstes Konzert. Damals noch ohne Schlagzeuger, aber mit Keyboarderin. Die schüchternen Ansagen standen im krassen Kontrast zu den tollen, an die Beach Boys und die Beatles erinnernden, Songs. Der zweistimmige Gesang von Fabio und Lukas hat mich damals sofort gefesselt. Und den Rest des Abends habe ich versucht, die Band damit voll zu quatschen, wie grandios ich sie doch finde. Wer ist schon Björn Kleinhenz (von dem ich, davon mal abgesehen, schon lange nichts mehr gehört habe)? Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Band in den folgenden Monaten live gesehen oder selbst auf Konzerte gebucht habe. Aber es gab keinen Abend, an dem ich nicht mit irgendeinem Ohrwurm ins Bett gegangen und am nächsten morgen wach geworden wäre.
Im April 2008 überzeugte die Band mit ihrer Debüt-EP „Welcome To...“ dann nicht nur mich, sondern auch die halbe Crazewire-Redaktion. Und so wurden Stereo Inn ein Teil des denkwürdigen „5 Jahre Crazewire“-Abend in Bonn. Dieses unfassbar schöne Konzert mit Snailhouse und Cedarwell gehört bis heute zu meinen Lieblingskonzerten. Und Stereo Inn passten perfekt dazu.
Nachdem die Band im selben Jahr den 3. Platz beim Coca-Cola Soundwave-Wettbewerb gewinnen konnte und daraufhin mit Adam Green auf Tour gingen, standen Stereo Inn eigentlich alle Türen offen. Dachte ich zumindest. Die Entscheidung „Musik oder Job?" blockierte die Jungs aus Köln jedoch so sehr, dass erstmal nichts mehr passierte. Und als sie sich endgültig für die zweite Möglichkeit entschieden, hatte man die Band schon wieder vergessen. Bezeichnend, dass ich ihr sehr gutes Album „Visitors“ (2010) erst Monate nach VÖ das erste mal gehört habe. Den erneut großartig gelungenen Songs kann ich mich aber auch heute nicht entziehen. Und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich die Band wieder Live sehen sollte.
Die Wohngemeinschaft in Köln-Süd ist eine wirklich schöne Bar, die einen eigenen abgegrenzten Raum für Konzerte hat, der wie geschaffen für kleine Veranstaltungen ist. Ein bisschen befremdlich war nur, dass der Raum komplett bestuhlt war. Ein Zustand, der in der Pause (ja, man macht in der Wohngemeinschaft eine Pause, damit man Bier holen gehen kann) geändert wurde. Was den Lärmpegel zwar steigen ließ, aber viel besser zu den tanzbaren Songs der Band passte.
Und was soll man sagen. Stereo Inn haben auch 2011 nichts verlernt. Schlagzeuger Oli sitzt weiter konzentriert (oder gelangweilt, ich weiß es nicht) hinter seinem Schlagzeug, Gonzo wechselt zwischen Klavier, Keyboard und Akkordeon hin und her und Bassist Guido spielt gewohnt unaufgeregt seinen Part im Hintergrund. Und vorne singen Lukas und Fabio Songs wie „Rockshow“, „Carry On“ und „Sara“ so, wie sie das schon immer getan haben – perfekt und voller Inbrunst.
Das Publikum hat sichtbar seinen Spaß, trinkt, singt und klatscht mehr oder weniger gut im Takt mit. Stereo Inn-Konzerte sind in Zeiten von Krieg, Tsunami und atomarem Super-GAU eine willkommene Abwechslung. Hirn ausschalten, freuen und genießen. Keine Ahnung, wie oft diese Band in Zukunft noch auftreten wird und wie viele neue Songs sie noch schreibt, für mich sind und bleiben sie die coolste Kölner Band der vergangenen zehn Jahre. Danke Jungs, wir sehen uns am 16. April in Düsseldorf...