Kategorie:
Konzertbericht
Titel:
Spin Doctors
Interpret:
Spin Doctors
Datum:
22.01.2012
Lokation:
Kantine, Köln
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 01.02.2012
Ein einziger Satz auf der Homepage des Kölner Yard Clubs genügt, um die ganze Härte, die gesamte unmenschliche Grausamkeit des Rockbusiness treffend zusammenzufassen: Der Club, so die Beschreibung, soll „für die Bands ein Sprungbrett für einen Auftritt in der Kantine sein.“ Die Kantine, der größere Bruder des Yard Clubs, als ferne Zukunftsmusik also. Für eine Band wie die Spin Doctors mag ein Auftritt hier somit als endgültiger Beweis dienen, dass die Menschen die Band längst vergessen haben. Geplant war zunächst ein Konzert im Gloria, doch fanden sich wohl zu wenige Nostalgiker, die bereit waren, 30 Euro für ein Ticket auszugeben.
Auch wenn das Konzert letztendlich doch in der größeren Kantine stattfindet, bleibt das ungute Gefühl zurück, dass die Band das Interesse an ihrem Comeback zum 20. Geburtstag ihres Hit-Albums „Pocketful Of Kryptonite" schlichtweg überschätzt hat, denn die Reihen in der Kantine sind an diesem Sonntag Abend so licht wie das Haupthaar der meisten Konzertgäste. Wer will, kann auch noch während des Konzerts problemlos von der Bar in die erste Reihe schlendern.
Sänger Chris Barron und die Band (vor allem Gitarrist Eric Schenkman) sind, trotz all der routinierten Rockstarposen, sichtlich gealtert. Wenn Barron auf der Bühne während der Soli Kung-Fu-Kicks ausführt, wird dies vom Publikum mit einem Schmunzeln und Nachahmversuchen quittiert. Gesprochen wird weniger, denn der Sound der Spin Doctors ist auf eine unangenehme Weise krachig und selbst für die Kantine viel zu laut, sodass die ersten Gäste bereits nach kurzer Zeit das Konzert mit klingelnden Ohren verlassen.
Doch diejenigen, die bleiben, erleben ein Rockkonzert, das trotz seines anachronistischen Einschlags (ausladendes Gitarrengegniedel, Drum-Fills und aufgeblähte Songs) durchaus sympathisch ist. Die Spin Doctors wissen, dass sie mit ihrem klassischen Rock mit Funk-Einflüssen nicht mehr die Welt verändern werden. Dafür haben sie vor 20 Jahren nach ihrem Überraschungshit „Two Princes" einfach die falschen Weichen gestellt. Mit dieser entwaffnenden Ehrlichkeit kündigt Barron dann auch schon zur Mitte des Sets den Song an, der 1993 zu den meistgespielten im Radio gehörte: „My father once told me, if you love your job, you'll never work a single day – this is the song that made our dream come true." Dass das in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit als One Hit Wonder abgestempelte Quartett ihren Hit „Two Princes" auch nach all den Jahren als Segen und nicht als Fluch ansieht, ist nicht selbstverständlich. Mit Verve und Hingabe spielen sie eine mitreißende Version, die das Publikum dichter an die Bühne drängen lässt. Für vier Minuten ist es wieder 1993 – „Just go ahead now!"
So schnell dieser Moment der kollektiven Erinnerung die Kantine erfüllt, so schnell verflüchtigt er sich dann auch wieder mit jedem folgenden und langgezogenen Gitarrensolo, jedem weiteren Kung-Fu-Kick Barrons. Die Songs von „Pocketful Of Kryptonite" klingen in der Summe einfach zu gleichförmig, zu schablonenhaft, als dass die Band dies mit ihrem Taschenspieler-Charme ausgleichen könnte. Zum Schluss dürfen Schlagzeuger Aaron Comess und Bassist Mark White viel zu lange Instrumentensoli spielen, die nach wenigen Minuten einfach nur noch nerven und das Publikum auf ihre Armbanduhren starren lässt. Das abschließende „Yo Mamas A Pajama" kann dann jedoch wieder versöhnen. Der Merch-Stand, an dem die Band danach eifrig Gespräche führt, verschenkt Kaffeetassen an diejenigen, die sich ein T-Shirt kaufen. Ein Angebot, das unfreiwillig als Sinnbild für das Konzert herhalten muss: Irgendwie sympathisch, aber irgendwie auch ziemlich überflüssig.