DETAILS

Kategorie:
Konzertbericht

Titel:
Sleigh Bells

Interpret:
Sleigh Bells

Datum:
13.04.2011

Lokation:
The Glass House, Pomona

Weiterführende Links:

Autor:
Ingo Reiff
Köln, 20.04.2011

BERICHTE

Konzertbericht - Sleigh Bells

Sleigh Bells

Schon beim Betreten des Glass House im Stadtteil Pomona von Los Angeles wird klar: Menschen mit empfindlichen Ohren und ohne Gehörschutz werden es an diesem Abend hier schwer haben. Eine ganze Batterie an Marshall-Boxen und -Verstärkern steht zu einer Wand aufgetürmt auf der Bühne. Bevor die Sleigh Bells diese betreten, soll Rye Rye als Anheizerin für die ca. 400 Besucher fungieren. Diesem Prädikat wird die ebenfalls auf M.I.A.s Label N.E.E.T. Recordings gesignte Rapperin aus Baltimore, Maryland so sehr gerecht, dass man sich fragt, ob sie den Sleigh Bells gar die Show stiehlt. Unterstützt von zwei Tänzern flippt Rye Rye über die Bühne und rappt derart versiert über Elektrobretter im Stile ihrer Labelchefin, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie in Europa the next big thing sein wird.

Als dann die Alexis Krauss und Derek E. Miller unter dem Jubel des Publikums erscheinen, wird deutlich, dass dieser Abend auch nichts für Epileptiker sein wird. Die Sleigh Bells sind vor lauter Strobo- und Neongeflirre kaum zu erkennen und das soll sich auch während der gesamten 40 Minuten, die ihr Auftritt dauern wird, nicht ändern. Erbarmunglos werden die saftigen, kreischenden, bassigen Geräusche und Loops in den Raum geprügelt, zu denen Miller seine E-Gitarre wie ein Berserker bearbeitet. Sängerin Krauss gelingt das Kunststück, diese noisigen Versatzstücke durch ihren Gesang zu hörenswerten Einheiten zu verbinden.

Im Wesentlichen besteht das Set der Sleigh Bells an diesem Abend aus den Songs des Debütalbums „Treats“. Bei den Hits „Tell ´Em“, „Riot Rhythm“ und „Infinity Guitars“ geht fast schon eine Hysterie durch das Publikum, die Leute springen mit, stampfen, schütteln ihre Gliedmaßen zu den brodelnden Liedmassen. Auf der Bühne funktioniert dieser dreckige Noise-Electro-Rock-Pop erstaunlich gut, die Sleigh Bells sind Paten dafür, dass manche Musik viel besser live auf der Bühne funktioniert als konserviert auf der Platte. In Verbindung mit dem tollen Support von Rye Rye ergibt das einen guten Konzertabend, bei dem sich die Sleigh Bells die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Energetisiert verlassen die Zuschauer nach dem kurzen, knackigen Auftritt, bei dem letztlich so gut wie alle Songs von „Treats“ und noch ein paar extra Zugaben wie „Crown On The Ground“ von der gerühmten EP „Sleigh Bells“ gespielt werden, das Glass House. So müssen Konzerte halt manchmal auch sein. Nicht emotional, sondern physisch bewegend, nicht leise, sondern laut, grell statt gedämpft, nicht episch für die Ewigkeit, sondern direkt für den Moment.


 

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